Gangelt-Schierwaldenrath: Selfkantbahn startet den Saisonbetrieb

Gangelt-Schierwaldenrath: Selfkantbahn startet den Saisonbetrieb

So schön warm war es am Osterwochenende bei der Selfkantbahn - zumindest in den Lokomotiven nahe am Feuerkessel. Auch die Hobbyeisenbahner hatten unter dem schlechten Wetter zu leiden und konnten lang nicht so viele Gäste begrüßen, wie sie sich das gewünscht hätten.

Die kleinen Besucher wurden natürlich mit einem bunten Osterei begrüßt; für die nicht Beschenkten „Großen” war im Buffetwagen Kaffee und Kuchen angerichtet.

Alles in allem waren es gut 20 freiwilliger Helfer der Interessengemeinschaft historischer Schienenverkehr (IHS), die an den Feiertagen dafür sorgten, dass es einen reibungslosen Betrieb zwischen Schierwaldenrath, Gillrath und zurück gab.

Nur gut 5,5 Kilometer ist die Strecke lang, die aus der Gemeinde über Birgden und das Gelindchen in das Geilenkirchener Stadtgebiet führt. Und doch ist es immer wieder erstaunlich, wie viele Gäste aus dem Raum Aachen-Düsseldorf den Weg zum größten Publikumsmagneten der Region „Der Selfkant” anreisen.

„Die Zeit vom Erntedankfest Ende September bis zur Eröffnung der Saison ist lang”, lacht Gerhard Theile aus Neuß, der mittlerweile der Zeit nachtrauert, als seine Kinder klein waren und er die Nikolausfahrten mitmachen konnte.

Von den 44 Fahrten in der Weihnachtszeit, hat Helmut Kommans, Mädchen für alles rund um den Bahnhof und seit fast 15 Jahren stellvertretender Vorsitzender beim IHS, zu 90 Prozent selber den Bart und den roten Mantel getragen. Er sei doch jetzt Rentner und habe alle Zeit der Welt, hieß es auf dem Bahnhof.

Da wurde man aber gleich korrigiert. „Ich bin Vorruheständler, und die Chefin hat was dagegen, wenn ich meine ganze Zeit bei der Eisenbahn verbringe”, erklärt der 63-Jährige. Die „Chefin” ist seine Frau Lieselotte, die noch berufstätig ist und für die er beizeiten kochen muss.

Die 101, die Schwarzach, und die 20, die Hagen, waren die beiden Dampflokomotiven, die Ostern im Einsatz waren. Zum ersten Mal im Tagesbetrieb auch der behindertengerechte Waggon, in den man sehr viel Arbeit investiert hat.

Mindestens zwei Jahre wird es wohl noch dauern, bis die Regenwalde wieder die 5500 Meter in Richtung Gillrath unter die Räder nimmt. Dann wird sie allerdings generalüberholt sein und einen neuen Kessel haben. Von den 100.000 Euro, die alleine der Kessel kostet, sind rund 80 Prozent durch Spenden finanziert worden. Dazu hat auch ein Aufruf in dieser Zeitung beigetragen.

Während der 14.15 Uhr-Zug den Bahnhof und die Lokomotive in eine dichte Wand aus weißen Wasserdampf hüllt, erfährt man von Helmut Kommans, dass, wer früh am Tag zur Selfkantbahn kommt, besser zu Hause frühstückt. „Die Frühstücksfahrten sind schon alle ausgebucht”, freut er sich, wie gut das breite Angebot rund um die Museumsbahn angenommen wird.

Für die Spargelfahrten und den kulinarischen Selfkant sind aber noch Billets zu haben. Nur die Freunde der Nikolausfahrten muss er vertrösten. „Frühestens nach den Sommerferien können wir da Karten anbieten.”

Gerhard Teeling, mit 78 Jahren einer der ältesten IHS-Aktiven und ehemaliger niederländischer Staatsbahner, nimmt derweil den Zug ab, notiert Gewicht und andere Daten der Waggons und der Lok, um am Ende das Bremsgewicht zu ermitteln. Er gibt das Signal zur Abfahrt und hat später Zeit, als Zugführer Fragen zu beantworten, für Fotos mit den Kinder zu posieren und - wie im richtigen Bahnbetrieb - die Fahrkarten zu entwerten.