Keine Winterruhe: Selfkantbahn beendet die Saison

Keine Winterruhe : Selfkantbahn beendet die Saison

Das hätte man nicht besser inszenieren können: Wunderbar stand der Mond am Morgen über dem Bahnhof in Schierwaldenrath und beleuchtete dezent die Szenerie rund um die Vorbereitungen für das Herbstfest der Selfkantbahner.

Das heißt dann auch immer Abschied nehmen — von der Saison, von den Gästen, und auch viele der Mitarbeiter sehen sich erst im kommenden Frühjahr wieder, wenn zu Ostern die Lokomotiven ins 48. Jahr des Vereins starten.

Mond über Breberen, Sonne über Birgden: „Mann, habt ihr wieder ein gutes Wetter erwischt“, begrüßt Walter Finger, das ist der Mann, der zu Pfingsten immer seine Dampfmaschinen Marke Eigenbau präsentiert, Helmut Kommans, oberster Eisenbahner vor Ort. „Super war es dieses Jahr“, erzählt der und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. „Obwohl wir im August ja einige Zeit nicht fahren durften“, erinnert er an die Wochen, in denen die Sorge groß war, dass der Funkenflug aus den Dampfloks die Böschungen am Gleis hätten entzünden können.

Zwar sorgten größere technische Probleme an der Dampflok 20, der „Haspe“, immer wieder für Sorgenfalten; es ist aber ja nicht so, dass man in Schierwaldenrath nicht die ein oder andere Ersatzlok in der Halle stehen hätte. „Hier ist ständig was zu tun“, dabei schaut Helmut Kommans auf die Strecke und sieht den MEG 45 vorbeifahren. Neu lackiert strahlt der Waggon aus dem Jahre 1910 einen besonderen Glanz aus; die metallenen Verzierungen sind reinster Jugendstil.

Zur Abfahrt bereit ist der erste Zug am Morgen im Gegenlicht. Foto: Karl-Heinz Hamacher

An der Diesellok V11 wird schon seit Jahren gearbeitet. „Wir hoffen, sie zur Saisoneröffnung Ostern 2019 fahren zu können!“ Loks sind in Arbeit, Waggons werden aufbereitet, aber auch die Strecke muss ja in Ordnung gehalten werden. Mancher Autofahrer wird sich noch zähneknirschend erinnern, dass in diesem Jahr die Geilenkirchener Straße in Birgden eine Woche gesperrt war, weil der Bahnübergang komplett erneuert wurde.

Die frühen Stunden bei der Selfkantbahn gehören immer den Fotografen. Wenn das Licht so ist, wie es am Sonntag war und die noch tief stehende Sonne dem alten Metall an den Loks und dem Holz an den Wagen einen besonders Glanz verleiht, dann ist die Stunde derer gekommen, die nicht nur rein dokumentarisch fotografieren, sondern das Besondere aus den Szenen herauskitzeln.

Wie anno dazumal werden beim Erntedankfest die Koffer von Michael Effertz verladen. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Zu sehen ist das Ergebnis dann oft wenig später auf den entsprechenden Plattformen im Internet. „Der Zwerg da fährt umsonst — der ist ja noch keine vier!“ Helmut Kommans verkauft auch die Fahrkarten und kann sich sicher sein, dass der junge Mann mit Blick auf die Fahrt für lau über den Begriff „Zwerg“ ausnahmsweise hinwegsieht.

Die Fahrkarten, die in Schierwaldenrath und Gillrath ausgegeben werden, sind ja immer noch die altbekannten Papptäfelchen. Die müssten doch eigentlich irgendwann zur Neige gehen? „Davon haben wir noch reichlich. Die kamen damals von der Bundesbahndruckerei pfundweise zu uns“, freut sich Kommans über den Vorrat.

Stilecht hängt Eva-Maria König die Dessous der 30er Jahre in die Sonne zum Trocknen. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Ausgefallen ist beim Herbstfest am Sonntag die Rübenverladung. Zumindest bis Mittag waren die bestellten Traktorfreunde mit der süßen Frucht nicht angekommen. Dafür gab es reichlich Trubel im Bahnhofsbereich und in der Museumshalle. Davor hatten sich einige Selfkantbahner postiert, die versuchten, neue Mitglieder zu werben. Aktuell sind es rund 500, davon 90 Aktive. Die, die auf einer Dampflok sind, „verballern“ 300 Kilo Kohle pro Fahrt und schicken aus 1000 Litern Wasser Dampf in den Himmel.

Beide Zahlen erhöhen sich im Winter wegen der Dampfheizung. Auf insgesamt 6,5 Kilometern Schienen sind 10 833 Schwellen verteilt und 6500 Tonnen Schotter verbaut. Die Zeit, als er 40 Jahre lang den Nikolaus bei den winterlichen Fahrten gegeben hat, ist für Helmut Kommans seit drei Jahren vorbei. Also kommt für ihn jetzt der Winterschlaf? „Nein, nein, hier ist immer was zu tun“, blickt er sich um und wird, so ist es geplant, zum Beispiel für den Fahrkartenverkauf für die Nikolausfahrten zuständig sein.

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