Nicht alle Anwohner begeistert: Sechs Millionen für neue Bahnbrücke

Nicht alle Anwohner begeistert : Sechs Millionen für neue Bahnbrücke

In gut zwei Jahren soll Süggerath um ein imposantes Bauwerk „bereichert“ sein. Die Bahn wird dann den Plänen nach unter einem Brückenbauwerk hindurch sausen. Als Baustart ist Anfang 2021 angepeilt.

Wie der Bau vonstatten gehen soll, stellten Ingenieure des Landesbetriebes Straßen.NRW im Rahmen einer Bürgerversammlung in der Gaststätte La Trattoria in Süggerath vor. Ortsvorsteher Lars Speuser moderierte die Veranstaltung und strukturierte den Ablauf. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, was die Bedeutung der Baumaßnahme unterstrich.

Rund sechs Millionen Euro werden am Ortseingang Süggerath, von Geilenkirchen aus gesehen, verbaut werden. Für das Geld wird eine Straße, die L 364n, gebaut und ein schon auf den Plänen beeindruckes Brückenbauwerk über die Bahntrasse. Die Brücke wird den bisherigen Bahnübergang am Ortseingang und einen zweiten in der Höhe von Gut Tichelen, kurz vor Geilenkirchen, ersetzen. Der jetzige Straßenverlauf, die Nikolaus-Becker-Straße, wird auf die andere Seite der Bahnlinie Richtung Schloss Trips verlegt.

Von der Brücke wird man einen wunderbaren Blick aus rund 10 Metern Höhe über das Wurmtal genießen können. Diesen „Genuss“ sehnen allerdings nicht alle Süggerather herbei. Eigentlich hatten die Süggerather den Brückenbau, deren ersten Pläne 25 Jahre zurückreichen, schon aus ihrem Bewusstsein gestrichen. Nun steht die Brücke plötzlich wieder da, zunächst nur auf den Planunterlagen und in den Fotografien eines Modells, das Stephan Huth von Straßen.NRW einst hatte anfertigen lassen, als seine Haare noch nicht den Grauschimmer des aufkommenden Alters aufgewiesen hatten.

Pläne machten die neue Bahnüberführung in Süggerath bei einer Bürgerversammlung  anschaulich. Foto: Dettmar Fischer

Huth legte den Stand der Planungen  dar und ging auf jede Nachfrage ein, konnte aber auch nicht alle Fragen beantworten. So blieb etwa diejenige eines Süggerathers unbeantwortet, der anmerkte, warum die Brücke überhaupt gebaut werde, habe ihm bis heute niemand sagen können. Aber gut, die Brücke werde ja nun gebaut, ergänzte er selber und sprach damit eine unumgängliche Tatsache aus. Das Genehmigungsverfahren ist schließlich längst abgeschlossen.

Auch Lars Speuser räumte ein, man werde wohl erst glauben können, dass die Brücke tatsächlich komme, wenn die Bagger anrollen. Die ersten Arbeiten zur Verlegung einer Wasserleitung kündigen den Brückenbau bereits an und haben zur Sperrung des Bahnübergangs geführt. Die lichte Höhe der Brücke wird bis zum unteren Stahlträger 6,42 Meter betragen, die Gesamtbreite 12,65 Meter. Derzeit sei geplant, so Stephan Huth, dass zwei bestehende Bahnübergänge entfallen (Ortseingang und Gut Tichelen). Die Landstraße wird über einen Kreisverkehr an die Straße angeschlossen, die über die Brücke auf die andere Seite der Bahntrasse führt. Dort wird die Brückenstraße in den Limittenweg übergehen.

Eine Brücke von beeindruckender Größe wird in Süggerath den Bahnübergang ersetzen.  . Foto: Dettmar Fischer

Die Befürchtung, dass so eine Umgehungsstraße Geilenkirchens Richtung Loherhof entstehen könnte, verwies Lars Speuser in das Reich der Spekulationen. Die Vorschüttung der Rampen des Brückenbauwerks, so Stephan Huth, werde noch in diesem Jahr erfolgen. Die Herstellung der L 364n schließe sich dann im Jahr 2020 an. Mit dem Bau der Brücke werde Anfang 2021 begonnen. Der Rückbau der derzeitigen Verbindungsstraße nach Geilenkirchen, der Nikolaus-Becker-Straße, soll nach Fertigstellung der anderen Arbeiten erfolgen. Ob die L 364n schon vor der Fertigstellung der Brücke freigegeben werde, müsse noch in Absprache mit der Stadtverwaltung geklärt werden.

Markus Reul wird im Heinsberger Büro von Straßen.NRW als Ansprechpartner während der Bauarbeiten zur Verfügung stehen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wilfried Oellers hatte die Bürgerversammlung ebenfalls besucht und wird nötigenfalls versuchen, Kraft seines Amtes den Kontakt zur Deutschen Bahn herzustellen, wenn Fragen auftauchen, die nur die Deutsche Bahn beantworten kann. Wie sich einmal der Verkehrsfluss auf der durchgehenden L 364n entwickeln wird, wusste Stephan Huth nicht zusagen. Ob Autofahrer einmal durch den neuen Kreisverkehr brettern werden in der Manier eines Sebastian Vettel, das gäben seine Planungsunterlagen nicht her.   (defi)

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