Übach-Palenberg: Schließung des Ü-Bads bleibt weiter Option

Übach-Palenberg: Schließung des Ü-Bads bleibt weiter Option

Nein, einen neuen Sachstand bei der Suche nach einem Investor für das Ü-Bad gibt es nicht, sagt Wolfgang Jungnitsch. Auch der Übach-Palenberger Bürgermeister hat mitbekommen, dass die Diskussion um die Zukunft des örtlichen Schwimmbades wieder Fahrt aufnimmt — und das passt dem Verwaltungschef gar nicht.

„Wer jetzt bewusst Ängste schürt, der tut dies nicht, weil konkreter Anlass in der Sache besteht, sondern nur, um als Bauernfänger letztlich auf Kosten des Ü-Bades zusätzliche Stimmen ergattern zu wollen“, poltert Jungnitsch. Sein SPD-Kontrahent um den Bürgermeisterposten, Ralf Kouchen, hatte das Thema Ü-Bad in seiner Rede beim Neujahrsempfang der Sozialdemokraten aufgegriffen, und auch CDU-Chef Günter Weinen hatte gegenüber unserer Zeitung die dringende Notwendigkeit betont, einen Investor für das Bad zu finden.

Trug vor zehn Jahren maßgeblich zur Rettung des Ü-Bads bei: Gitti Wahl. Foto: Markus Bienwald

„Ich will wissen, was Sache ist“, sagt Gitti Wahl. Und damit ist sie beileibe nicht alleine, denn viele Menschen fragen sich derzeit, ob das Ü-Bad an der Dammstraße eine Zukunft hat. Die heute 72-Jährige war schon immer eine glühende Verfechterin des eigenen Schwimmbades in der ehemaligen Zechengemeinde. Sie initiierte eine Unterschriftensammlung, die vor gut zehn Jahren mehr als 6000 Unterzeichner dazu brachte, ein klares „Ja“ zum Weiterbestand des Bades auszusprechen.

Nun macht Wahl sich erneut Sorgen. Der Hintergrund: Im Jahr 2016 läuft der Vertrag mit der Aachener Stawag aus, der über zehn Jahre insgesamt 1,8 Millionen Euro zur 2006 abgeschlossenen Sanierung beisteuerte. Weitere 2,3 Millionen Euro stammten damals aus dem Stadtsäckel, um das Bad energetisch und technisch auf Vordermann zu bringen.

So sprach der damalige Bürgermeister Paul Schmitz-Kröll bei der Eröffnung des Hallenbades 2006 von jährlich rund 30.000 Euro alleine an Energiekosten, die sich damit einsparen ließen. Das Geld der Stawag wird dann fehlen, und die derzeitige Haushaltslage scheint einen Eigenbetrieb des Bades nicht zuzulassen. Im Rahmen des Stärkungspaktes hat die Kommunalaufsicht die Kostenseite der Kommune ganz genau im Blick.

Es hat also überhaupt nichts mit Wahlkampfgetöse zu tun, wenn über das Bad diskutiert wird. An Wahlkampf hat Gitti Wahl auch gar kein Interesse, sie ist schließlich keine Politikerin. „Mir geht es einzig darum, das Bad zu erhalten“, sagt sie mit fester Stimme.

Die Dame, die aus den Reihen der Schwimmabteilung des VfR Übach-Palenberg als Aktive wie als Trainerin kaum wegzudenken ist, fühlt sich in der Zeit zurückversetzt. Und es sind keine guten Erinnerungen, die da in ihr hochkommen: Das Bangen um den Fortbestand der Schwimmsportstätte am Heimatort ist damals wie heute dasselbe.

„Es ist ein schrecklicher Gedanke, dass das Bad tatsächlich geschlossen werden könnte“, so Wahl weiter. Im benachbarten Geilenkirchen brannte das Schwimmbad im vergangenen Jahr nieder, auch in Herzogenrath gibt es mit einem der beiden Hallenbäder größere Probleme.

Suche nach Investor

Ob Gitti Wahl eine neue Petition auflegen will, weiß sie noch nicht. Sicher ist, dass sie bei jeder Gelegenheit das Thema anpacken wird, bis feststeht, ob die Menschen in Übach-Palenberg in ihrer Stadt weiterhin ihre Bahnen ziehen können.

Als ehemaliger Vorsitzender der Schwimmabteilung — am Freitag wird Jungnitsch für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt — ist der Bürgermeister eng mit dem VfR verbunden. Schon im September 2012 warb er bei einem Forum unserer Zeitung im Carolus Magnus Centrum darum, das Bad verstärkt zu nutzen.

Schon damals wurde der Verkauf an einen privaten Investor favorisiert, um das jährliche Defizit im städtischen Haushalt loszuwerden. Es sei korrekt, dass die Kommunalaufsicht im Rahmen aller nur denkbaren Sparpotenziale auch eine Option „Schließung des Ü-Bades“ ins Spiel gebracht habe. „Dies ist aktuell jedoch in keiner Weise zu sehen und auch nicht Wille des Bürgermeisters oder der Mehrheit des Rates“, versucht Jungnitsch zu beruhigen.

Vielmehr werde hinter den Kulissen mit Hochdruck an der Lösung des Problems gearbeitet und nach Investoren für das Projekt gesucht. Und hinter den Kulissen will Jungnitsch die Gespräche auch belassen. „Alle Bemühungen könnten durch ein unnötiges Wahlgetöse um das Ü-Bad zunichte gemacht werden und das Gegenteil von dem bewirken, was möglich und in greifbarer Nähe ist“, sagt Jungnitsch.

Ob diese Strategie dazu beiträgt, ein emotionales und seit langem diskutiertes Thema von der Tagesordnung zu verbannen, darf bezweifelt werden. Teure Wahlversprechen, die hier und da schon zu hören seien, so Jungnitsch weiter, führten zu neuen Schulden und dann „mit Sicherheit“ zur Schließung des Ü-Bades — und leisten damit seinen Beitrag dazu, dass die Zukunft des Ü-Bades eben doch ein Wahlkampfthema wird.

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