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Geilenkirchen: „Schandfleck in zentraler Lage“ soll beseitigt werden

Geilenkirchen : „Schandfleck in zentraler Lage“ soll beseitigt werden

„Eigentlich müsste sich Geilenkirchen dafür schämen, dass der Platz so aussieht“, sagte Resi Hensen (CDU) und erhielt dafür den Beifall der anderen Ausschussmitglieder. Nicht das erste Mal ging es in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Bauausschusses um den Zustand des Synagogenplatzes an der Herzog-Wilhelm-Straße.

Dieses Mal war ein SPD-Antrag Grund für die Diskussion: Die Sozialdemokraten hatten um einen Sachstandsbericht zur Neuplanung des Synagogenplatzes gebeten.

Der Gedenkstein zur Erinnerung an die Vernichtung der Geilenkirchener Synagoge, so kritisiert SPD-Fraktionschef Christoph Grundmann in seiner Begründung, stehe mit Brettern vernagelt vor dem früheren Eingang zur Stadtpassage. Die ganze Umgebung konterkariere das Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger. Eine angemessene Änderung sei dringend erforderlich.

Dass vor Jahren bereits die Neugestaltung des Synagogenplatzes im Integrierten Handlungskonzept für das Stadtzentrum Geilenkirchen eines der Planungsziele gewesen sei, machte die Verwaltung in einer Stellungnahme deutlich. Von einer Neugestaltung sei aber Abstand genommen worden, weil es im Zuge der Umsetzung des Konzeptes im Jahr 2013 konkrete Pläne eines Investors zur Errichtung einer Wohn- und Geschäftsbebauung im Bereich der ehemaligen Stadthalle gegeben habe und der Bereich des Synagogenplatzes in die Planungen mit einbezogen werden sollte.

Diese Planungen seien aber nicht verwirklicht worden, deshalb sei auch der Synagogenplatz noch nicht umgestaltet worden. Von der Stadt seien kleinere Unterhaltungsarbeiten im Bereich des Zugangs zur ehemaligen Stadtpassage erfolgt, mit denen das Erscheinungsbild ein wenig verbessert worden sei.

Da die Eigentümer der Stadthalle die Immobilie verkaufen wolle, solle — so die Verwaltung weiter — mit der Neugestaltung des Synagogenplatzes noch abgewartet werden.

„In einem Jahr? In zwei Jahren?“

Damit gab sich Christoph Grundmann nicht zufrieden: „Wir wissen doch gar nicht, was passiert. Und wann etwas passiert. In einem halben Jahr? In einem Jahr? Oder in zwei oder drei Jahren?“ Man könne zumindest nach einer provisorischen Lösung suchen. Man könne den Gedenkstein in die Mitte des Platzes setzen, ein paar Blumenkübel aufstellen und nachts anleuchten.

Auch die CDU sehe, dass man etwas tun sollte, meinte Barbara Slupik: „Dieser Platz ist ein Schandfleck in zentraler Lage. Da sitzen Penner mit einer Flasche Bier. Man sollte die Bank entfernen, damit sich keiner mehr mit einer Flasche Bier hinsetzen kann“, sagte sie.

Gabi Kals-Deußen, Fraktionsvorsitzende „Für GK!“, zeigte sich „schockiert“: „Ich dachte, von Ausdrücken wie Penner seien wir weg. Wir müssen dafür sorgen, dass dieser Platz in Ordnung kommt und die Verwaltung bitten, Pläne zu entwerfen.“ Das sah auch Ausschussvorsitzender Hans-Josef Paulus (CDU) so: „Seit Jahrzehnten reden wir über diesen Platz. Jetzt ist es an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen.“

Und auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Benden unterstützte die SPD: „Wir müssen endlich machen. Wir haben die Nase voll und wollen nicht auf einen Investor warten.“ Die Initiative „Erinnern“ wolle eine Gedenkstätte für die Geilenkirchener Juden, diese müsse man mit ins Boot holen, führte Benden weiter aus.

„Wir müssen jetzt in die Puschen kommen, nach der Sommerpause sollten wir einen ersten Step machen“, erklärte CDU-Fraktionschef Max Weiler, der bei der Gestaltung des Platzes auch die junge Generation einbinden will. Wilfried Kleinen, Fraktionschef von „Geilenkirchen bewegen! und FDP“, gab zu bedenken, dass ein Investor eigentlich nur die Möglichkeit hat, die alte Stadthalle abzureißen und ein neues Gebäude zu bauen. „Für den Abriss bietet nur der Synagogenplatz schwerem Gerät einen Zugang. Dann würden wir jetzt viel Geld in den Synagogenplatz investieren, müssen ihn dann wieder zurückbauen, um ihn dann wieder neu aufzubauen. Ich bin bei allen Vorrednern dabei, aber wir dürfen nicht blauäugig an sie Sache herangehen.“

Christoph Grundmann hatte Verständnis für die Bedenken. Aber: „Wir warten schon seit zehn Jahren. Dann bekommt der Investor die Auflage, den Platz wiederherzustellen.“ Technischer Beigeordneter Markus Mönter schlug vor, für den Ausschuss bis Herbst eine Vorlage zu erarbeiten, wie der Synagogenplatz gestaltet werden kann.