Baumfällungen notwendig: Rußrindenkrankheit auf dem Vormarsch in Geilenkirchen

Baumfällungen notwendig : Rußrindenkrankheit auf dem Vormarsch in Geilenkirchen

„Stop! Forstarbeiten. Lebensgefahr! Giftige Sporen in der Luft“: In Geilenkirchen sind bereits zwei Ahornbestände von der Rußrindenkrankheit betroffen. Die Pilzerkrankung stellt auch für Menschen eine Gesundheitsgefahr dar.

So mancher Spaziergänger macht mit seinem Hund auf dem Absatz kehrt, als er das große rot-weiße Plakat entdeckt, dass Am Beeckfließ bei Beeck quer über den Fahrradweg gespannt ist: „Stop! Forstarbeiten. Lebensgefahr! Giftige Sporen in der Luft“. Und wer diesen dezenten Hinweis ignoriert, wird von Norbert Corres freundlich zum Umdrehen ermahnt: „Das sind keine normalen Feldarbeiten. Da sollte wirklich niemand durchlaufen.“

 Einige Hundert Meter weiter ist die Firma seines Sohnes vor Ort. Arbeiter in blauen Ganzkörper-Schutzanzügen und mit Atemschutzmasken sind dabei, die letzten Ahornbäume entlang des Weges zu fällen. Rund 120 Bäume liegen bereits auf dem Boden und werden nun zum Abtransport in verschlossenen Containern zerkleinert.

Die Bäume sind alle krank: Rußähnlicher, tiefschwarzer Sporenbelag ist auf ihren Stämmen sichtbar. „Das ist die Rußrindenkrankheit“, erklärt Revierförster Wolfgang von der Heiden. Diese Pilzerkrankung trat in Deutschland erstmals 2005 in der Nähe von Karlsruhe auf. „Der Pilz wurde aus Nordamerika eingeschleppt. Im Kreis hatten wir im vergangenen Jahr in Erkelenz den ersten Fall“, erzählt der Förster. Nun scheint die Rußrindenkrankheit in der Region auf dem Vormarsch zu sein: „Seit Freitag haben wir für einen Ahornbestand in Kogenbroich die Bestätigung vom Labor.“

Ein großes Warnschild weist auf die Gefahr durch die Sporen hin. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Das Gefährliche dabei: Die Sporenbildung der Rußrindenkrankheit stellt eine erhebliche Gesundheitsgefahr für Spaziergänger und Radfahrer dar.

Gefahr für die Gesundheit

Kaum eine andere Pilzart ist imstande, in der Natur dermaßen große Sporenzahlen pro Flächeneinheit zu produzieren. Deshalb besteht die Gefahr einer Beeinträchtigung der Atemwege bei intensivem Aufenthalt in der Nähe von stark betroffenen Bäumen. „Die Sporen sollen zur Erkrankungen der Lungenbläschen führen“, weiß auch Wolfgang von der Heiden.

Revierförster Wolfgang von der Heiden hält lieber Abstand zu dem erkrankten Baum. Die Sporen können Atemwegserkrankungen hervorrufen. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Vor allem für Menschen mit einer vorbelasteten Lunge oder einer allergischen Grunderkrankung kann der Kontakt mit den Pilzsporen Husten, Atemnot, Müdigkeit oder Fieber auslösen. Auch der Förster hält lieber Abstand zu den Bäumen mit der schwarzen Rinde: „Der Regen ist in diesem Fall gut für uns. Dadurch fliegen die Sporen weniger.“

Die erkrankten Bäume müssen alle gefällt werden, es gibt keine Heilung. „Das Holz kann nicht weiterverarbeitet werden“, so der Förster weiter. Bei den Arbeiten sind Atemschutzmasken vorgeschrieben. Das Fällgut werde anschließend in geschlossenen Containern gesammelt und später verbrannt: „Ähnlich wie bei Asbest.“ Der Abtransport der Bäume bei Beeck wird voraussichtlich am Mittwoch beendet. Die Fällung der erkrankten Bäume in Kogenbroich wird in den nächsten Wochen erfolgen.

Alle kranken Bäume müssen gefällt werden. Das Holz kann nicht verarbeitet werden. Es wird in verschlossenen Containern gesammelt und verbrannt. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Pilz befällt geschwächte Bäume

Der Revierförster rechnet nicht damit, dass demnächst alle Ahornbäume in seinem Gebiet von der Rußrindenkrankheit betroffen sind. Rund zehn Prozent der Bäume im Revier sind Ahornbäume und somit potenzielle Opfer. „Der Pilz befällt aber immer nur geschwächte und gestresste Bäume“, erklärt Wolfgang von der Heiden. Die Krankheit trete vor allem in Beständen auf, wo der Ahorn nicht standortgerecht stehe und zu wenig Wasser habe. Der wärmeliebende Rindenpilz profitiert außerdem von außergewöhnlich langen Sommern mit Trockenstress, Wassermangel und großer Hitze – ganz wie im vergangenen Jahr.

„Auch Bäume im heimischen Garten können betroffen sein“, so der Revierförster. „Die Sporen können kilometerweit fliegen.“ Einen Schutz vor dem Pilz gibt es nicht.

Mehr von Aachener Nachrichten