Im Konzertsaal vandaliert: Rückkehr des Kultclubs Outbaix in greifbarer Nähe

Im Konzertsaal vandaliert: Rückkehr des Kultclubs Outbaix in greifbarer Nähe

Die einen hatten es sich schlimm vorgestellt, die anderen sehr schlimm, letztlich war es dann sogar noch schlimmer: In der Outbaix-Immobilie sieht es aus, als hätte eine Horde Barbaren dort überwintert.

Die Einrichtung ist in Tausend Stücke geschlagen, Unterlagen und Scherben liegen durch das komplette Gebäude verteilt, die Hauptleitungen wurden aus der Wand gerissen, sanitäre Einrichtungen zerschmettert. „Diese Zerstörung hier ist noch relativ neu“, sagt André Kerres und deutete auf eine zerstörte Duschkabine.

Er und einige andere Mitglieder der damaligen Szene liegen der Stadt seit nunmehr vier Jahren damit in den Ohren, dass sie den alten Kultclub an der Stadionstraße gerne wiederbeleben würden. Kerres und Oliver Schüller träten dabei als Investoren in Erscheinung, beratend zur Seite stünden ihnen die beiden ehemaligen Betreiber Fritz Knizia und Wolfgang Makowski.

Knizia und Makowski hatten um 2012 den großen Fehler gemacht, den Club in die Hände von einem gewissen Karl J. zu legen, der ihn innerhalb kürzester Zeit finanziell vor die Wand fuhr. Bei einer Zwangsversteigerung schlug die Stadt zu und ließ die Immobilie in den folgenden Jahren verkommen. Immer wieder wurde eingebrochen, was auch durch die abgeschiedene Lage zwischen Schwimmbad und Stadion im Grünen deutlich erleichtert wurde. Nunmehr ist das Outbaix also im oben beschriebenen Zustand.

Am Dienstag, dreieinhalb Jahre nach der Versteigerung, stand das Thema auf der Tagesordnung des Bauausschusses, und vor der Sitzung fand am Outbaix eine Ortsbegehung mit Verwaltung und Politik statt. Gekommen waren auch zahlreiche alte Outbaix-Anhänger. Unter ihnen hatte sich schon die Kunde verbreitet, dass die beiden anderen möglichen Investoren, die Übach-Palenberger Gastronomen Albert und Astrid Spiertz, einen Rückzieher gemacht hatten und ihre Planung nun doch nicht vorstellen würden. Sie sollen vorgehabt haben, das Outbaix abzureißen und ein Café zu errichten.

Im Ratssaal wurde dieser Vorgang zwar mit keiner Silbe erläutert oder auch nur erwähnt. Fakt ist aber, dass tatsächlich nur noch Kerres und Schüller ihr Konzept vorstellten. Während ursprünglich vorgesehen gewesen ist, dass die Politik sich auf Basis der beiden Präsentationen für die bessere entscheiden möge, sind sie nun also quasi konkurrenzlos. Entscheidend dürfte nun die Frage sein, ob sich der Brandschutz einhalten lässt.

Früher Konzertsaal mit Thekenbetrieb, heute ein Trümmerfeld: Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren im Outbaix, das sehr abgelegen an der Stadionstraße liegt, randaliert. Foto: Jan Mönch

Bei der Präsentation lag der Schwerpunkt eindeutig eher auf Emotion als auf einem ausgefeilten Business-Plan. Per Projektor wurden Bilder bierseeliger Konzertabende an die Wand des Ratssaals geworfen, untermalt wurden sie von eigens für den Szeneclub komponierten und eingespielten Songs.

Dass Dutzende alte Outbaix-Fans der Bauausschusssitzung beiwohnten, ließ aber wenig Zweifel daran aufkommen, dass es Kerres und Schüller keine großen Probleme bereiten dürfte, den Club wieder mit Bands und mit zahlenden Gästen zu füllen, wenn sie denn die Möglichkeit dazu bekommen. Ohnehin finden ja bis heute sogenannte Outbaix-Followers-Partys statt, bei denen die Szene an anderen Orten feiert.

Der berufliche Hintergrund der beiden angehenden Investoren jedenfalls passt recht gut zu ihrem Vorhaben. Kerres ist selbstständiger Metallbaumeister, Schüller Diplom-Betriebswirt mit eigenem Messebauunternehmen. Das lässt den Schluss zu, dass die beiden Alsdorfer erstens wissen, wie man anpackt, und dass sie zweitens wissen wie man mit Geld umgeht. Sie rechnen mit Investitionen von rund 400 000 Euro, die nötig werden, sollte die Politik ihnen den Zuschlag geben.

Sämtliche Fraktionen sicherten zu, dass Kerres und Schüller auf ihre Unterstützung zählen dürfen, wenn sich denn keine entscheidenden bürokratischen Hindernisse auftun sollten. Alf-Ingo Pickartz, vorsitzender der SPD-Fraktion, machte deutlich, dass er auch die Stadt in der Pflicht sehe, diese Unterstützung zu leisten: „Das Outbaix ist in falsche Hände geraten, denn die Stadt hat nicht gut darauf aufgepasst“, sagte er.

Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (CDU) gefiel diese Bemerkung erkennbar überhaupt nicht. Jedoch sagte er in der Tat zu, sich auch persönlich dafür einsetzen zu wollen, dass Übach-Palenberg seinen Kultclub endlich zurück bekommt.

Früher Konzertsaal mit Thekenbetrieb, heute ein Trümmerfeld: Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren im Outbaix, das sehr abgelegen an der Stadionstraße liegt, randaliert. Foto: Jan Mönch
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