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Verkauf an Investor

Real-Mitarbeiter in Übach-Palenberg müssen weiter bangen

Die Real-Mitarbeiter aus Heinsberg und Übach-Palenberg protestieren nicht nur in Düsseldorf, sondern auch vor dem Real-Markt in Übach-Palenberg. Ob ihre Filialen weiter bestehen, wissen sie noch nicht. Die Unsicherheit ist groß, die Nerven strapaziert. FOTO: Eva Johanna Onkels/MHA / Eva Johanna Onkels

Übach-Palenberg/Düsseldorf Der Handelsriese Metro verkauft die Warenhauskette an Investoren. Die Mitarbeiter protestierten in Düsseldorf und auch in Übach-Palenberg. Sie sind von der Arbeitslosigkeit bedroht.

Ein bisschen zu warm ist einigen Mitarbeiterinnen des Real-Marktes in Übach-Palenberg, als sie ein kleines Bistro im Gewerbegebiet in Übach-Palenberg betreten. „Wir sind ja auch den ganzen Morgen draußen gewesen“, sagt eine der Frauen. Bereits um sechs Uhr sind sie in Übach-Palenberg in Richtung Düsseldorf aufgebrochen, um dort vor dem Congress Center Düsseldorf zu protestieren und auf sich aufmerksam zu machen. Denn dort fand am Freitag die Hauptversammlung des Handelsriesen ­Metro statt. Es ging um den Verkauf der Warenhauskette Real an zwei Investoren. Ihren Unmut über den Verkauf und die Vorgeschichte taten dort rund 1000 Real-Mitarbeiter aus NRW kund.

Bewaffnet mit Trillerpfeifen und Protestschildern reisten auch Mitarbeiter der Real-Märkte aus Übach-Palenberg und Heinsberg an. Sie wollen sich nicht als „Restposten“ fühlen, als Teil der Verhandlungsmasse. Den Mitarbeitern geht es – ganz handfest – um ihre eigene Zukunft.

Hinhalten über Jahre hinweg

Denn auch nach dem Freitag abgeschlossenen Verkauf der derzeit 276 Real-Märkte, wissen die 34.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht, wie es mit ihnen weitergeht. Im Raum stehen Kündigungen für ein Drittel der Belegschaft – 10.000 Menschen könnten betroffen sein.

Aus dem Betriebsrat des Real-­Marktes in Übach-Palenberg heißt es: „Am meisten ärgert uns die Ungewissheit. Das Hinhalten über Jahre hinweg zehrt an den Nerven.“ Schon seit zwei Jahren ist ein möglicher Verkauf des Vollsortimentlers kein Geheimnis mehr. Zunächst stand ein Verkauf an den Immobilien-­Investor Redos im Raum, im Dezember kam die Kehrtwende. Neuer Käufer: der Finanzinvestor SCP und der Immobilieninvestor X+Bricks.

Was besonders schmerzt: Im „Zukunftstarifvertrag“, der 2016 zwischen der Gewerkschaft verdi und den Real-Märkten ausgehandelt worden war, hatten sich die Parteien darauf geeinigt, dass die Mitarbeiter auf 40 Prozent ihres Urlaubs- und Weihnachtsgeldes sowie auf eine anstehende Tariferhöhung verzichten würden. Grund war schon damals die desolate Lage von Real. Auf der Haben-Seite für die Beschäftigten stand dafür eine Bestandsgarantie für die Filialen und ein Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Der Vertrag hätte eigentlich bis Ende 2019 laufen sollen, bereits 2018 hätten die Mitarbeiter wieder vom Flächentarif des Einzelhandels profitiert. Dazu kam es nicht: Bereits zum 31. März 2018 nahm Real ein Sonderkündigungsrecht wahr und stieg aus dem Vertrag aus. „Durch die Überführung der Mitarbeiter der real.-SB-Warenhaus GmbH in die Metro-Services GmbH musste die Kette allerdings nicht, wie im Zukunftstarifvertrag vorgesehen, zum Flächentarif zurückkehren“, erklärt die Gewerkschaft. Mit der Kündigung des Vertrags lösten sich dann auch die Bestandsgarantie und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen in Nichts auf.

Betriebsrat sieht schwarz

Für die Beschäftigten in Übach-Palenberg ist jetzt nicht einmal mehr klar, ob sie überhaupt noch ihren Job behalten können. „Für die Mitarbeiter im Übach-Palenberger Real sehen wir schwarz, wenn der Markt geschlossen werden sollte“, erläutert ein Betriebsratsmitglied, das ungenannt bleiben möchte.  Denn viele Beschäftigte seien schon älter, die Sorge daher groß, dass sie gar keinen neuen Job mehr finden. Nach dem Verkauf an den Investor hat sich zwar noch nicht viel im Markt geändert, der Verkauf geht unvermittelt weiter, aber die „Angst der Mitarbeiter sei der Panik gewichen.“

Klare Botschaft: Diese Anstecker trugen die Mitarbeiter. FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd

Nach der Rückkehr aus Düsseldorf gegen kurz nach 11 Uhr, demonstrierten einige der Arbeitnehmerinnen noch vor dem Real in Übach-Palenberg. Gerne gesehen sind sie dort eigenen Aussagen zu Folge nicht. Aus dem Betriebsrat heißt es, dass es Drohungen gegen die Mitarbeiter gegeben haben, die demonstrieren wollen: Wenn Mitarbeiter einer Abteilung demonstrieren gehen wollten, dann würde die Abteilung geschlossen. Auch eine sogenannte „Aussperrung“ sei angedroht worden. Greift eine solche, kann der Arbeitgeber nicht nur die Streikenden, sondern auch arbeitswillige Mitarbeiter aus dem Markt „aussperren“. Für Mitarbeiter, die nicht streiken, kann das bedeuten, dass sie keinen Lohn erhalten. Bestätigt haben sich diese Drohungen Freitag nicht.

Hoffnung, dass es irgendwie weiter geht

Der Markt in Übach-Palenberg wollte zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Aus der Unternehmenszentrale in Düsseldorf heißt es: „Es gibt in Deutschland ein Streikrecht und jeder Mitarbeiter darf dieses wahrnehmen.“ Das sei auch Teil der Unternehmenskultur.

Wie es mit dem Markt in Übach-Palenberg weitergeht, weiß man nicht. Aber im Betriebsrat geht man davon aus, dass die Zukunft des Marktes wahrscheinlich schon entschieden ist. Nur das Ergebnis kenne man noch nicht. „Wir sind genauso weit wie vor zwei Wochen“, resümiert eine Vertreterin des Betriebsrats. „Unsere Hoffnung ist, dass es für die Mitarbeiter irgendwie weiter geht.“

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