Post in Geilenkirchen am Bahnhof soll Wohnungen weichen

Alte Post am Bahnhof : Ein Schandfleck in der Geilenkirchener Innenstadt verschwindet

Ein Schandfleck im Herzen der Stadt Geilenkirchen soll beseitigt werden: Da, wo sich heute noch die ehemalige Hauptpost zwischen Theodor-Heuss Ring im Westen, Konrad-Adenauer-Straße im Norden und Bahnhofsstraße im Südosten befindet, soll ein Wohnkomplex mit Geschäften und sozialen und kulturellen Einrichtungen entstehen.

Das 3400 Quadratmeter große ehemalige Gelände der Post an der Bahnhofstraße liegt seit Jahren brach. Seitdem Postschalter, Postbankschalter, das Verteilzentrum und Lagerbereiche aufgegeben wurden, sieht auch die Geilenkirchener Stadtverwaltung das erhöhte Risiko von Vandalismus, Müllansammlungen oder Ungezieferbefall, die ein oder andere Ratte fühlt sich auf dem Gelände neben den Gleisen jedoch pudelwohl. Das Grundstück befindet sich heute in privater Hand. Der Besitzer möchte das komplette Gelände wieder nutzbar machen, was eine Änderung des Bebauungsplanes erforderlich macht.

Die Pläne des Investors stellte Diplom-Ingenieur Robert Moersheim von der Aachener Planungsgruppe MWM jüngst im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung vor. „Durch die Wiedernutzbarmachung dieser Brachfläche kann weiterer Wohnraum in der Stadt bereitgestellt werden“, erklärte Moersheim. Der Bedarf an attraktiven Wohnungen sei nicht nur bei der älteren Generation groß, auch junge Einwohner aus dem Umland würde es in die Stadt ziehen.

Geplant seien maximal drei Vollgeschosse und ein Dachgeschoss mit einer Gesamthöhe von höchstens 13 Metern. Während in den oberen Geschossen Wohnungen entstehen sollen, können die unteren Geschosse gewerblich genutzt werden. Ebenfalls geplant ist eine Tiefgarage. Die Erschließung, so der Stadtplaner, erfolge über die Bahnhofsstraße. Der Bebauungsplan werde das Grundstück als „Urbanes Gebiet“ ausweisen, dadurch seien Wohnungen, Gewerbefläche und soziale Einrichtungen zugelassen. „Wenn uns niemand Steine in den Weg legt, können wir im Dezember 2019 oder im Januar 2020 einen rechtskräftigen Bebauungsplan vorliegen haben“, erklärte Moersheim.

„Ein Schandfleck wird beseitigt. Wir erhoffen uns durch dieses Projekt einen positiven Einfluss auf das Umfeld“, erklärte Grünen-Fraktionschef Jürgen Benden, der ebenso wie alle anderen Ausschussmitglieder für die Änderung des Bebauungsplanes stimmte. Benden bedauerte aber: „Schade, dass wir keine Bahnunterführung erhalten. Wir müssen aber anerkennen, dass die Mittel nicht mehr bereitstehen.“

Alte Pläne, die eine Unterführung der Bahnlinie in der Geilenkirchener Innenstadt vorsehen, haben auch das Gelände der alten Post mit einbezogen. Im Jahre 2013 allerdings hatte der Rat der Stadt Geilenkirchen einen vorläufigen Schlussstrich gezogen. Rat und Verwaltung wollten das Projekt so lange nicht verfolgen, wie sich die Stadt in der Haushaltssicherung befindet. Nach damaligem Stand wäre das bis 2023 gewesen. An dem nach damaligen Berechnungen mindestens zehn Millionen Euro teuren Projekt „Bahnunterführung“ hätte sich die Stadt Geilenkirchen mit mindestens 1,5 Millionen Euro beteiligen müssen, wobei zwei oder sogar 2,5 Millionen Euro realistisch waren. Die Pläne verschwanden in der Schublade, wurden aber im Jahre 2017 wieder auf den Tisch gelegt.

Franz-Michael Jansen, Geilenkirchener CDU-Ortsverbandsvorsitzender, Vorsitzender des Kreisausschusses für Umwelt und Verkehr, der sich mit der Infrastruktur im Kreis Heinsberg beschäftigt, Mitglied des Regionalrates bei der Bezirksregierung in Köln und Sprecher der CDU in der Kommission für Regionalplanung und Strukturfragen des Regionalrates, erklärte damals: „Prognosen zufolge sollen in den nächsten 20 Jahren 50 Prozent mehr Güterverkehr von den Häfen Rotterdam und Antwerpen ins Inland stattfinden. Derzeit ist schon Chaos auf den Straßen. Man bemüht sich, den Schienenverkehr zu verbessern, um dann die Frequenz auf den Strecken Aachen – Köln und Aachen – Mönchengladbach zu erhöhen.“

Der Bahnknotenpunkt Köln stoße allerdings an die Grenzen seiner Belastbarkeit, deshalb werde man auf die Bahnstrecke Aachen – Mönchengladbach ausweichen müssen. „Und dann steht man in Geilenkirchen nur noch vor den Schranken“, befürchtete Jansen. Alle Beteiligten, die Bahn, der Aachener Verkehrsverbund, der NVR und die Industrie- und Handelskammer, hätten damals erkannt, dass die Situation in Geilenkirchen dann nicht mehr tragbar sei. Da allerdings die Frage der Finanzierung nicht geklärt sei, könnten noch 15 bis 20 Jahre ins Land ziehen, bis solche Pläne realisiert werden könnten.

So lange wollen die Geilenkirchener Stadtverwaltung und die Stadtverordneten das alte Postgelände nicht weiter verkommen lassen, zumal noch nicht einmal feststeht, ob die Bahn eine Unterführung wirklich realisiert. Da es einen eindeutigen Mangel an kleinen Wohnungen in der Innenstadt gibt, setzen sie nun auf eine neue Bebauung. Auf Anfrage erklärte Geilenkirchens Beigeordneter Herbert Brunen aber auch, dass eine Bahnunterführung nicht ausgeschlossen sei, auch wenn das alte Postgrundstück neu bebaut werde.

„Vor etwa zehn Jahren wurden mehrere Alternativen für eine Bahnunterführung vorgestellt. Ein Plan sah die Einbeziehung der alten Post vor. Es gibt aber noch andere Alternativen.“ Die damals aus städtebaulicher Sicht beste und kostengünstigste Lösung ist nun aber vom Tisch.