Gangelt-Schierwaldenrath: Pfingstdampf der Selfkantbahn: Glanz auf der Haube, Dampf im Kessel

Gangelt-Schierwaldenrath : Pfingstdampf der Selfkantbahn: Glanz auf der Haube, Dampf im Kessel

„Schieeerwaldenrath — Endstation!“ Jung und Alt steigen aus den wunderbaren alten Eisenbahnwaggons, und man kann in den Gesichtern der Fahrgäste die Freude sehen, die ihnen die Fahrt von Schierwaldenrath nach Gillrath und zurück beim traditionellen Pfingstdampf bereitet hat.

Wärmendes Sonnenlicht scheint auf den schwarzen Stahl der Haspe, der einzigen Dampflok, die von den Selfkantbahnern an den Pfingsttagen auf die Schiene gebracht werden kann. Die Schwarzach, das Pendant zur Haspe, hat einen Achslagerschaden, der mangels Ersatzteilen erst nach den Feiertagen behoben werden kann. Traurig aussehend steht das schwarze Gerippe ohne Räder und Anbauteile in der Reparaturhalle.

Harte Arbeit für ein dampfendes Vergnügen: Niklas Goertz sorgt hier für reichlich Feuer im Kessel der Haspe (Bild oben). Aber auch frisches Wasser muss an den Zwischenstopps im Bahnhof immer wieder getankt werden. (unten links). Während die Haspe dampft, fachsimpeln die Oldtimerfreunde über die unterschiedlichen Modelle und ein Bisschen historisches NSU-Blech (unten rechts). Foto: Karl-Heinz Hamacher

Nun ist man ob dieser Tatsache in Schierwaldenrath natürlich nicht aufgeschmissen. Es gibt Ersatz — eigentlich reichlich. So kommt dann ein Triebwagen zum Einsatz — Diesel statt Wasserdampf. Ein schöner Kontrast auf der 5,5 Kilometer langen Strecke.

Harte Arbeit für ein dampfendes Vergnügen: Niklas Goertz sorgt hier für reichlich Feuer im Kessel der Haspe (Bild oben). Aber auch frisches Wasser muss an den Zwischenstopps im Bahnhof immer wieder getankt werden. (unten links). Während die Haspe dampft, fachsimpeln die Oldtimerfreunde über die unterschiedlichen Modelle und ein Bisschen historisches NSU-Blech (unten rechts). Foto: Karl-Heinz Hamacher

Willkürliche Zugnummern

Der Erdbeerkuchen ist in beiden Zügen gleich. Im Triebwagen serviert Meike Würdig, eine aus dem Kommans-Clan, den Gästen die Leckereien. Während Jan Kommans eine der Loks fährt, kümmern sich die Eltern Helmut und Lieselotte Kommans um die Fahrkartenausgabe und all die Fragen, die Gäste rund um die Selfkantbahn stellen können. So ist zu erfahren, dass die Zugnummern in den Fahrplänen eher willkürlich gewählt sind; fest steht aber, dass die Rückfahrt von Gillrath immer fortlaufend bezeichnet ist. Der Fahrplan sagt auch aus, dass es die Möglichkeit gibt, an der Haltestelle Gelindchen, zwischen Birgden und Stahe gelegen, bei Bedarf aus- oder zuzusteigen. „Man muss da nur dem Schaffner Bescheid sagen“, zeigt Helmut Kommans eine Reisemöglichkeit auf, die es bei der „großen“ Deutschen Bahn sicher nicht gibt.

Was es bei allen Bahnen und Zügen gibt, sind die Menschen, die man „Trainspotter“ nennt. Die sammeln Fotos von Lokomotiven und Waggons und bilden weltweit eine ziemlich große Fangemeinde. Immer wieder sind welche in Schierwaldenrath zu sehen, die sich dann besonders freuen, wenn es aus den Dampfloks ordentlich qualmt und zischt. Deren Lieblingsstandort ist das Ende der ersten, langgezogenen Gleiskurve in Höhe des ehemaligen Klärwerks. Bekämen die Selfkantbahner einen einzigen Euro pro geschossenem Foto, wären alle Finanzierungssorgen für die vielen zur Restauration bereitstehenden Loks und Wagen mit einem Schlag erledigt.

Die allermeisten Fahrzeuge, die beim Oldtimertreffen rund um den Pfingstdampf zusammen kommen, haben diese Phase schon hinter sich. „Kinder, wie die Zeit vergeht!“ — den Satz hört man bei einem Mofa Vespa Ciao mit Mopedzulassung von 1980. Obwohl fabrikneu aussehend, ist es schon ein Oldtimer; das ist auch der daneben stehende Golf 1. Beide können dem Ford T von 1914 natürlich nicht das Wasser reichen.

Aus einer Zeit, als Schönheit vor Aerodynamik ging, stammt der Austin A40 Devon, der formschön 1948 die Werkhalle verließ. Vor Leistung strotzend steht ein Ford Escort RS 2000 von 1974 in der Reihe neben einem 73er Volvo 144e (16.000 DM), der heute noch vom Erstbesitzer gefahren wird. Auch viele alte Traktoren und Feuerwehrfahrzeuge sind auf dem Gelände zu sehen.

Seit vielen Jahren ist Walter Finger immer wieder beim Pfingstdampf der Museumshalle zu finden. Der 74-Jährige präsentiert Dampfmaschinen Marke Eigenbau. Die Maschinen laufen zu sehen, ist ein Vergnügen. Ihm beim Aufbauen bis zum ersten Dampf über die Schulter zu schauen, bringt jede Menge Erkenntnisse über diese wunderbare und anachronistische Technik.

Ganz ohne Dampf und Diesel laufen über die Feiertage die alten Windmühlen der Umgebung. Dorthin können die Gäste mit dem Mühlenexpress gebracht werden.

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