Pfingstdampf bei der Selfkantbahn

Nostalgische Reisen und „Enten“-Treffen : Aus dem westafrikanischen Togo zurück an den Rodebach

Die „Schwarzach“ hielt die Fahne im Dampflokbetrieb der Selfkantbahn am Pfingstwochenende hoch. Die „Hagen“, die „Haspe“ und die „Regenwalde“ sind schon lange nicht mehr im Tagesbetrieb der Selfkantbahn gesehen worden. Sie alle sind reparaturbedürftig. Damit das bald anders wird, wurde – teils hinter den Kulissen, teils im Bahnhofsbereich – kräftig gearbeitet. Auch das macht für viele Gäste am Bahnhof in Schierwaldenrath den Reiz eines Besuches aus.

Schon vor Mittag war am Pfingstsonntag bei wunderbarem Sommerwetter jede Menge los. Es wurde aber auch viel geboten. Ein Treffen der 2 CV-Fahrer zeigte, wie viele „Enten“ es noch gibt und was für Prachtstücke sie sein können, wenn sie gepflegt werden. Ralf Sauer aus Stolberg kam mit seinem 35 Jahre alten Exemplar gerade aus Berlin zurück. Kaum war der erste Zug aus Gillrath zurück, wurde eine Kinderführung über den Bahnhofs- und Werkstattbereich bis in die Museumshalle angeboten. Bei rund 50 Teilnehmern an dieser Tour waren die Kinder natürlich deutlich in der Minderzahl. Nur ein Blick durch das große Fenster war erlaubt, um Jan Kommans über die Schulter zu schauen. Der hantierte mit dem Schneidbrenner an einem großen Werkstück und sorgte dabei für ein tolles Bild für Fotografen. Die Arbeiten an der Diesellok V 11 konnten hautnah beobachtet werden. Diese Lok, 1955 gebaut, hat eine wahrlich abenteuerliche Reise hinter sich. Als ihr Einsatz bei der Kreisbahn in Geilenkirchen nicht mehr nötig war, fand sie eine neue Aufgabe im westafrikanischen Togo, wo in der Hauptstadt Lome ein neuer Hafen gebaut wurde. Jahrelang stand sie danach in Wind und Wetter und wurde vor 20 Jahren zufällig wieder entdeckt und „rückgeführt“.

Trainspotter sind Menschen – meist Männer – die Züge fotografieren. Man könnte sie im deutschsprachigen Raum also einfach auch als Zugfotografen bezeichnen. Davon gibt es mehr als man glaubt. Und eine Handvoll von ihnen schleicht immer wieder mal über das Gelände der Selfkantbahn, um Ausschau nach dem besten Platz für das gewünschte Zugfoto zu halten. Klar, dass sie am Ende alle auf demselben Platz stehen. Stefan Hofecker aus Neukirchen-Flyn ist quasi ein Profi unter ihnen. Eine halbe Million Dateien umfasst sein Archiv. „Allerdings“, so schränkt er ein, „40-20-40“. Das istdie Aufteilung der Bilder. 40 Prozent Seefahrt, 20 Prozent Eisenbahn und 40 Prozent Flugzeuge; von den Denglischern gerne als Planespotting bezeichnet.

Rein analog kommt der Drehorgel-Josef daher. Hans-Josef Sewelies aus Eschweiler tingelt mit seiner Drehorgel durch die Lande und sammelt Spenden für krebskranke Kinder. Für ihn, einen der vielen stillen Ehrenamtler, ist es ein Fest, wenn die Leute sich an seinem Spiel erfreuen und dann auch noch etwas spenden: „Jeder Cent zählt“, ist sein Motto.

Maike Würdig ist jetzt als 2. Vorsitzende der Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr für die Presse zuständig. Das war viele Jahre ihr Vater Helmut Kommans, der sich nun voll auf den Fahrkartenverkauf konzentriert, während Mutter Liselotte vor dem Gebäude sitzt und den Bahnhofsbetrieb im Auge hat. Dass Maikes Bruder Jan und auch ihr Ehemann bei der Selfkantbahn aktiv sind, versteht sich von selbst.

Der Kommans-Clan fiebert zusammen mit der ganzen Belegschaft dem Jahre 2021 entgegen. Dann will man 50 Jahre Dampfbetrieb bei der Selfkantbahn feiern und möglichst viele der Fahrzeuge, speziell die Dampflokomotiven, auf die Schiene bringen. „Dafür brauche wir aber noch viel Geld“, singt Maike Würdig das gleiche Lied, wie es ihr Vater über Jahre getan hat.

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