Geilenkirchen: Parteien rüsten sich gegen Georg Schmitz

Geilenkirchen : Parteien rüsten sich gegen Georg Schmitz

Insider sprechen von Anarchie im Geilenkirchener Rathaus. Sicherlich ist die bisherige Amtszeit von Bürgermeister Georg Schmitz nicht immer ganz glücklich verlaufen. Dennoch hat er offensichtlich nichts von seiner Popularität eingebüßt. Die meisten Menschen in der Stadt scheinen ihren Bürgermeister zu mögen.

Der hat für jeden ein freundliches Wort übrig und begegnet den Bürgern oftmals winkend in der Stadt. Hier ein Lächeln, dort ein Schulterklopfen: so ist er halt, der Schorsch. Auch, wenn es aus der Politik heraus Kritik an seiner Amtsführung gibt, steht für ihn fest: „Wenn ich gesund bin, werde ich mich 2020 wieder zur Wahl stellen. Ich bin nah am Bürger, viele Bürger ermuntern mich zu einer erneuten Kandidatur“, sagt er.

Er sei für die Bürger angetreten und wolle trotz mancher Kritik aus der Politik weiter für die Bürger da sein.Für die meisten Parteien in Geilenkirchen steht jetzt, zwei Jahre vor der Bürgermeisterwahl, fest: Schmitz darf nicht wiedergewählt werden! Für sie gilt es, diesem bei den Bürgern allseits beliebten Parteilosen einen aussichtsreichen Gegenkandidaten gegenüberzustellen, sofern sie seine Kandidatur nicht unterstützen wollen. Doch wer soll es richten?

Geht man durch die Stadt und trifft auf politisch interessierte Menschen, stellt man fest, dass derzeit viele Namen gehandelt werden. Ein Name, der immer wieder genannt wird, ist Jürgen Benden, der Partei- und Fraktionschef der Grünen, von der CDU wird deren Fraktionschef Max Weiler, ein Verwaltungsfachmann, gehandelt.

Und aus Reihen der SPD hört man gleich drei Namen: Will Fraktionschef Christoph Grundmann, der schon für den Landtag kandidiert hat? Parteichef Marko Banzet? Oder gar der ehemalige Bundestagsabgeordnete Norbert Spinrath? Und wie positioniert sich die Bürgerliste? Wird der bei der vergangenen Wahl unterlegene Fraktionschef Christian Kravanja es noch einmal versuchen?

Bereits auf dem jüngsten Parteitag Anfang Juni hatte CDU-Parteichef Dirk Kochs erklärt, dass die Christdemokraten erst im Frühjahr 2019 eine Aussage treffen werden, bis dahin befinde man sich in der Findungsphase. Für ihn sind derzeit die verschiedensten Möglichkeiten denkbar: „Wir haben gutes und fachkompetentes Personal in den eigenen Reihen, ich kann aber auch mit einem Nicht-CDU-Mitglied gut leben“, sagt er.

Keine Unterstützung für einen SPD-Kandidaten

„Wir sind die größte Partei und wollen einen Kandidaten ins Rennen schicken, der von unserer Basis getragen wird. Ein gemeinsamer Kandidat aller Parteien hätte natürlich die größten Chancen. Deshalb müssen wir viel Überzeugungsarbeit bei den anderen Parteien leisten, damit sie einen CDU-Kandidaten oder einen Kandidaten, der der CDU nahe steht, mittragen“, erklärt er und schließt die Unterstützung eines SPD-Kandidaten gänzlich aus.

Eine eigene Kandidatur zieht Kochs nicht in Betracht. Derzeit sei es noch zu früh, sich auf einen Kandidaten festzulegen: „Wir haben wichtigere Themen. Wir müssen sehen, dass es in der Verwaltung rund läuft, und uns um Dinge kümmern, die den Bürger betreffen.“ Wenn Kochs von fachkompetentem Personal in eigenen Reihen spricht, fällt einem der Name Max Weiler ein, ein Verwaltungsfachmann und Fraktionschef der Christdemokraten. Auf die Frage, ob er eine Kandidatur gegen Georg Schmitz in Betracht zieht, sagt Weiler: „Zu diesem Zeitpunkt kann ich nichts sagen.“

Intensiv diskutiert wurde die Bürgermeisterwahl in der SPD noch nicht. Aber für Parteichef Marko Banzet steht fest: „Das Ziel muss sein: Kein Georg Schmitz mehr und keine andere Person ohne Qualifikation in diesem Amt.“ Banzet ist der Überzeugung, dass man einen Kandidaten nur durchbringen kann, wenn möglichst viele demokratische Parteien hinter ihm stehen.

„Ich hätte auch kein Problem, einen Kandidaten mit einem anderen Parteibuch zu unterstützen“, sagt er. Über einen eigenen SPD-Kandidaten habe man in seiner Partei bisher noch nicht gesprochen. „Wenn man sich allerdings nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen kann, muss der Parteivorsitzende ran. Aber wünschenswert wäre es nicht, wenn jeder mit einem eigenen Kandidaten kommt.“

Sehr intensiv mit der Bürgermeisterwahl beschäftigen sich die Grünen, wie Partei- und Fraktionschef Jürgen Benden erklärt. „Wir brauchen einen Kandidaten oder eine Kandidatin mit Verwaltungserfahrung, der oder die versucht, das in Geilenkirchen in geordnete Bahnen zu lenken, was in den vergangenen Jahren versäumt wurde“, sagt er. Dabei müssten alle Parteien gemeinsam nachdenken, über den Parteitellerrand hinwegsehen und nicht kleinteilig denken.

Wohl kein grüner Kandidat

„Wenn wir in die eigenen Reihen schauen, werden wir nicht den besten Kandidaten für Geilenkirchen finden. Unter den jetzt politisch handelnden Personen sehe ich keinen Kandidaten, der geeignet ist, dieses schwere Amt zu übernehmen.“ Es sei ein großer Fehler, wenn eine Partei versuche, seinen Bewerber durchzubringen. „Für die Grünen ist das Parteibuch nebensächlich. Es geht um die Person und um die Qualifikation.“ Die Kandidatur eines Ratsmitgliedes würden die Grünen nicht unterstützen, auch einen eigenen Kandidaten wollen die Grünen eigentlich nicht stellen. „Wir werden nur dann einen eigenen Kandidaten stellen, wenn wir uns mit den anderen Parteien nicht einigen können.“ Also möglicherweise doch ein Bürgermeister-Kandidat Jürgen Benden?

Am liebsten würde dieser, so sagt er, eine gemeinsam auserkorene Kandidatin ins Rennen schicken: weiblich, jung, intelligent, unabhängig soll sein Wunschkandidat sein.

Die Bürgerliste hat sich mit der Bürgermeisterwahl noch nicht im Detail beschäftigt, wie Ortsverbandsvorsitzender Helmut Gerads erklärt. Für ihn bestehen derzeit alle Möglichkeiten: die Unterstützung des amtierenden Bürgermeisters Georg Schmitz, ein eigener Kandidat oder die Unterstützung eines anderen Kandidaten. „Wenn wir keinen eigenen Kandidaten aufstellen, könnten wir unter Umständen einen Parteilosen unterstützen, wenn er uns zusagt.“

Für einen CDU- oder SPD-Mann werde die Bürgerliste keinesfalls die Wahlkampftrommel rühren: „Entweder kommen wir mit einem eigenen Kandidaten oder wir unterstützen einen Unabhängigen, alles andere würde für eine Oppositionspartei keinen Sinn machen. Das habe ich Herrn Kochs auch bereits mitgeteilt.“

Für Wilfried Kleinen, Fraktionschef von „Geilenkirchen bewegen! und FDP“ ist die Bürgermeisterwahl derzeit weniger ein Thema. „Derzeit kann ich mir alles vorstellen“, zeigt sich Kleinen in alle Richtungen offen. Welchen Kandidaten seine Fraktion unterstützt, hänge weniger mit dem Parteibuch, sondern von der Kompetenz ab. Auch eine eigene Kandidatur schließt er derzeit nicht aus.

Auch die Fraktion „Für GK!“ hat sich noch nicht verständigt. Deren Fraktionschef Stefan Mesaros hat festgestellt: „Im Moment ist überall Bewegung. Wir warten ab, welche Partei welchen Kandidaten stellt. Wir werden uns ein Jahr vorher positionieren.“ Er persönlich, so Mesaros, werde Amtsinhaber Georg Schmitz nicht unterstützen. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir losgelöst von der politischen Richtung jeden guten Kandidaten unterstützen.“

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