Oldtimer-Ausstellung auf dem Loherhof

Altes Blech und Benzingespräche : Oldtimer-Erwachen auf dem Loherhof

Zum Frühlingserwachen für alte Fahrzeuge laden die Oldtimer-Interessengemeinschaft Grenzland und der Sportpark Loherhof am 1. Mai. Im Vorjahr waren 364 Autos und Zweiräder zu sehen. Mit einer ähnlichen Zahl wird in diesem Jahr gerechnet.

Liebevoll streicht Freddy Solty über den glänzenden Lack. Nach den langen Wintermonaten hat der Geschäftsführer des Sportparks Loherhof seine „Ente“ aus der Garage geholt. „Original Lack, ungeschweißt, nur Originalteile“, sagt er sichtlich stolz. Mit 16 PS unter der Haube kommt die „Ente“ aus dem Jahr 1964 gerade mal auf eine Spitzengeschwindigkeit von 75 km/h. Mit Rückenwind.

Doch auf Geschwindigkeit legen die Oldtimer-Fans ohnehin keinen großen Wert. „Wenn man in diesen Autositz sinkt, kann einen nichts mehr erschüttern“, sagt Solty. Da kommen Erinnerungen auf, beispielsweise an die Studentenzeit, in der viele junge Menschen mit einem Citroen 2 CV an der Uni vorfuhren.

Fünf Millionen „Enten“

Die „Ente“ war anfangs recht spärlich ausgestattet. Trotzdem schrieb dieses Auto eine Erfolgsgeschichte. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Über fünf Millionen „Enten“ wurden bis 1990 produziert. Wenn auch heute, knapp 30 Jahre nach dem letzten Produktionsjahr, die meisten auf dem Schrottplatz liegen, gibt es immer noch einen regelrechten Kult um die „Ente“ aus Frankreich. Sonderausstellungen und 2-CV-Clubs gibt es in ganz Europa. Regen haben die „Enten“ noch nie gemocht, auch in ihrer Hochzeit nicht.

Als Oldtimer werden sie erst recht keinen unliebsamen Witterungseinflüssen ausgesetzt. Oldtimer-Freunde fahren ihre chromblitzenden Schätzchen grundsätzlich nur bei schönstem Sommerwetter aus, damit die Karosserie keinen Schaden nimmt. Deshalb freuen sie sich auf das 9. Frühlingserwachen auf dem weitläufigen Gelände des Sportparks Loherhof, zu dem Geschäftsführer Freddy Solty und die Oldtimer IG Grenzland e.V. gemeinsam einladen. Dieses Oldtimer-Treffen findet statt am Mittwoch, 1. Mai, 11 bis 18 Uhr. Der Besuch dieser Ausstellung ist für Teilnehmer und Besucher kostenlos.

20 Jahre nach der ersten „Ente“ sah die Austattung des Mercedes 500SL schon wesentlich komfortabler aus. Foto: ZVA/Udo Stüßer

364 Fahrzeuge im Vorjahr

364 Fahrzeuge, Autos und einige historische Zweiräder, waren im vergangenen Jahr zu sehen. Und auch in diesem Jahr rechnen Solty und Winfried Peters, Vorsitzender der Oldtimer IG Grenzland, mit einer ähnlich hohen Zahl. „Jetzt schon haben 50 Teilnehmer zugesagt“, freut sich Solty.  Auch IG-Vorsitzender Winfried Peters hat schon überprüft, ob sein Mercedes 500 SL aus dem Jahr 1985 gut in Schuss ist. Mit 205 Pferdestärken bringt es das betagte Modell auch heute noch auf über 200 km/h. Aber das interessiert Winfried Peters weniger. „Hauptsache aus erster Hand“, sagt er. Originalität ist es, was den Wert eines Oldtimers ausmacht. „Die originalen Fahrzeuge sind die wahren Schätzchen. Da darf ein kleiner Blötsch in der Karosserie sein. Ein Porsche mit angerosteter Patina macht mehr her als ein durchrestauriertes Fahrzeug“, sagt Solty.

Beim Concours d’Elegance  werden die attraktivsten Fahrzeuge präsentiert, derweil hoffen deren Besitzer auf einen der drei ausgelobten Pokale für die schönsten Fahrzeuge. Begutachtet und bewertet werden die Oldtimer von einer Jury, bestehend aus einem Kfz-Meister, einem Lackierer und einem Polsterer. Während sich die Besucher und Aussteller bei Benzingesprächen unterhalten und die Musik aus vergangenen Jahrzehnten bei frisch gezapftem Bier genießen, machen sich die Freunde des Euregio Classic Club e.V. mit Sitz in Eschweiler auf den Weg zum Sportpark, wo deren Rallye gegen 13 Uhr enden wird.

Noch kein Messingauto

So manches automobile Schmuckstück wird die Besucher faszinieren: Ein Isabella-Cabrio aus dem Jahr 1959, ein NSU von 1949 und ähnliche Kleinwagen wie Isetta, Gogo-Mobil und Lloyd sind schon angemeldet. Porsche sind bei dieser Ausstellung ebenso selbstverständlich wie historische Krafträder, und eine Orgel aus dem Jahr 1923 wird die Musikliebhaber erfreuen. Was den Verantwortlichen des neunten Oldtimer-Treffens fehlt, sind Messingautos, jene Fahrzeuge aus den Jahren 1912 bis 1920, deren Motor noch angekurbelt wurde und der Fahrer bei Dunkelheit die Petroleum-Lampen noch per Hand anzünden muss.

„Es gibt sie noch, in manchem Schuppen steht noch so ein altes Fahrzeug“, weiß Winfried Peters. Wer ein solches Auto besitzt und es zur Schau stellen möchte, kann sich wie jeder andere interessierte Aussteller anmelden unter www.loherhof.de

Auch wenn Freddy Soltys Herz für die chromblitzenden Schätzchen vergangener Tage schlägt, ist sein Blick in die Zukunft gerichtet: „Wir befinden uns an einem Scheideweg. Der Benziner ist nicht zu verteufeln, ihn wird es auch in Zukunft noch geben. Aber die Benziner werden immer weniger, weil die neue Technik, die Elektromobilität, sich durchsetzen wird.“ Er glaubt aber auch: „Die Wertigkeit des Oldtimers verbindet Generationen.“