Weniger Kriminalität: Neues Sicherheitskonzept nach Gewalt, Drogen und nächtlichen Autorennen?

Weniger Kriminalität : Neues Sicherheitskonzept nach Gewalt, Drogen und nächtlichen Autorennen?

Im Wahlkampf hatte Bürgermeister Georg Schmitz versprochen, für Sicherheit und Ordnung in Geilenkirchen zu sorgen. Die Menschen, so sagte er in seinen im Netz verbreiteten Videobotschaften, müssten sich im innerstädtischen Bereich sicher fühlen.

„Die Kriminalitätsrate ist in Geilenkirchen rückläufig. Aber die subjektive Wahrnehmung der Bürger ist anders. Sie werden angepöbelt, sehen Drogenkonsum auf dem Marktplatz und Müll auf den Straßen. Privates und öffentliches Eigentum werden beschädigt“, sagt Wilfried Kleinen, Vorsitzender der Ratsfraktion „Geilenkirchen bewegen! und FDP“. Als Anwohner der Straße „Am Sonnenhügel“ kann er die Klagen vieler Bürger über abendliche und nächtliche Autorennen auf dem Parkplatz am Beamtenweg nur bestätigen. Sie finden in schönster Regelmäßigkeit nur wenige hundert Meter von der Polizeistation entfernt statt.

Tagsüber ist nahezu jeder Parkplatz besetzt, in der Nacht bietet der Beamtenparkplatz ausreichend Platz für Autorennen. Foto: Udo Stüßer

„Das geht zu wie auf dem Nürburgring“, bestätigt auch Toni Stumpf, für die Fraktion „Geilenkirchen bewegen! und FDP“ sachkundiger Bürger im Stadtentwicklungsausschuss und Anlieger der Straße „Am Weinberg“. Er kritisiert: „Die Präsenz von Polizei und Ordnungsamt sind nach Einbruch der Dunkelheit in der Stadt gleich null.“ Von Bürgermeister Georg Schmitz war dazu am Mittwoch keine Stellungnahme zu erhalten.

Wilfried Kleinen (links) und Toni Stumpf beschäftigen sich mit der Kriminalität in Geilenkirchen. Foto: Udo Stüßer

Eine Sprecherin der Kreispolizei Heinsberg erklärte dazu auf Anfrage, dass der Beamtenparkplatz zu den Orten im Kreis Heinsberg zähle, der stärker von der Polizei „bestreift“ werde. „In jeder Stadt im Kreis Heinsberg gibt es solche Orte“, sagte sie. In Geilenkirchen habe die Polizei auf dem Beamtenparkplatz zehn Einsätze seit Jahresbeginn gehabt. Sie sagt aber auch: „Die Strecken im Kreis Heinsberg sind lang, da kann es schon einmal etwas länger dauern, bis ein Streifenwagen vor Ort ist.“ Und die Beamten der örtlichen Polizei befänden sich ebenfalls oftmals im Einsatz. Derweil erinnern Kleinen und Stumpf an ein im Juni 2017 im Haupt- und Finanzausschuss von der Verwaltung vorgelegtes mögliches Sicherheitskonzept. „Das wurde diskutiert: kurz, heftig und ergebnislos“, sagt Kleinen.

Damit sich die Bürger in der Stadt wieder sicher fühlen und gern öffentliche Plätze aufsuchen, greift die Fraktion „Geilenkirchen bewegen! und FDP“ das Thema jetzt erneut auf und hat deshalb einen Antrag gestellt, mit dem sich der Haupt- und Finanzausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch, 5. September, 18 Uhr, beschäftigen wird.

Demnach soll die Verwaltung ein mit der Kreispolizei Heinsberg abgestimmtes Konzept entwickeln, „mit der Zielsetzung, dass die tatsächliche Sicherheit, aber auch das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger in Geilenkirchen verbessert wird“. Da Toni Stumpf ehemaliger Verkaufsleiter und Prokurist bei SLV in Übach-Palenberg, ein Großkonzern in der Lichtbranche und Global Player, Entscheidungen auf der Grundlage von Fakten liebt, hat er den Stadtverordneten eine detaillierte Analyse der Kriminalstatistik von Geilenkirchen vorgelegt.

Betrachtet man die offizielle Kriminalitätsstatistik des Kreises Heinsberg für das Jahr 2017 und die Kriminalitätshäufigkeitszahl bezogen auf fiktive 100.000 Einwohner, so liegt Geilenkirchen mit 8302 Delikten klar an der Spitze im Kreis Heinsberg, aber auch vor Städten wie Eschweiler, Alsdorf, Herzogenrath, Stolberg, Würselen und Baesweiler. Damit ist die Zahl seit 2013 um 9,4 Prozent gestiegen.

Robustes Mandat für Ordnungsamt

Toni Stumpf hat sich allerdings nicht mit der von den Behörden öffentlich gemachten Kriminalitätshäufigkeitszahl bezogen auf 100.000 Einwohner zufrieden gegeben, sondern die wirkliche Anzahl der Straftaten in Geilenkirchen recherchiert. Danach sind die reinen Fallzahlen von 1876 im Jahre 2008 auf 2241 in 2017 gestiegen. Aber: Diese Zahlen enthalten auch die Fälle von Beförderungserschleichung, sprich Schwarzfahren, die das Sicherheitsgefühl der Bürger nicht beeinträchtigen. Diese Zahl ist von neun im Jahr 2008 auf 395 im Jahr 2017 gestiegen. „17,6 Prozent aller Straftaten sind Schwarzfahren“, sagt Stumpf. Lasse man diese Delikte außer acht, reduziere sich die Fallzahl auf 1846.

Analysiere man, so Stumpf, die Häufigkeitszahlen bezogen auf 100.000 Einwohner und ziehe die Zahl der Schwarzfahrer ab, liege Geilenkirchen nach Übach-Palenberg und Hückelhoven mit 6825 Fällen nur noch auf dem dritten Platz in der Statistik für den Kreis Heinsberg. Eigentlich, so sagt Stumpf, müsse man diese Zahl noch weiter reduzieren: Die IT.NRW habe die Einwohnerzahl für die Stadt Geilenkirchen als Ergebnis des Zensus 2011 auf 26.240 Einwohner festgelegt, was zu einer Reduzierung um 2000 Einwohner geführt habe. Gegen diesen Bescheid habe die Stadt Klage erhoben, das Ergebnis stehe noch aus. Rechne man diese in der Datensammlung nicht erfassten 2000 Einwohner hinzu, sinke die Kriminalitätshäufigkeitszahl nach Abzug der Anzahl der Schwarzfahrer auf 6354 Delikte.

„Wir als kleine Fraktion können es uns nicht erlauben, unseriöse Anträge zu stellen. Alle Fakten werden von uns auf Herz und Nieren geprüft. Das Ergebnis zeigt: Es müssen keine Panzer durch die Stadt rollen und keine Flugzeuge am Himmel kreisen, um für Sicherheit zu sorgen. Aber es muss etwas getan werden“, sagt Stumpf, der zu diesem Thema auch ein Gespräch mit dem Baesweiler Bürgermeister Willi Linkens geführt hat. Baesweiler zeichne sich durch eine extrem niedrige Kriminalitätsrate aus. „Für Linkens sind Ordnung, Sicherheit und Themen der öffentlichen Wahrnehmung Chefsache“, sagt Stumpf. Und: „In Baesweiler hat man gute Erfahrungen mit einem privaten Sicherheitsdienst gemacht. In Baesweiler gibt man 50.000 Euro im Jahr aus, um die Bürger zu schützen, in Geilenkirchen 70.000 Euro, um die Mitarbeiter im Rathaus zu schützen.“ Dennoch will „Geilenkirchen bewegen! und FDP“ keine Handlungsempfehlungen aussprechen. „Wir haben nur die Fakten gesammelt“, sagt Stumpf. Und Kleinen ergänzt: „Wir können nur den Ball ins Rollen bringen. Tore schießen müssen nun Rat, Verwaltung und der Landrat.“

Mit Landrat Stephan Pusch und der Kreispolizei haben Stumpf und stellvertretender Bürgermeister Leo Kuhn („Geilenkirchen bewegen!“) ebenfalls Gespräche geführt. Ein „robustes Mandat“ für das Ordnungsamt würde begrüßt, ein privater Sicherheitsdienst sei kein „No go“, sondern könne zielführend und hilfreich sein, habe man erfahren.