Gangelt: Neuer Vorsitzender des Nabu Selfkant über 1000 Kopfweiden und eine große Idee

Gangelt : Neuer Vorsitzender des Nabu Selfkant über 1000 Kopfweiden und eine große Idee

Hubert Hostenbach ist der neue Vorsitzende des Nabu-Selfkant, der die Gemeinden Gangelt, Waldfeucht und Selfkant vertritt. Mitte Februar war der langjährige Vorsitzende Franz Oschmann gestorben, der wie keiner vor ihm das Rodebachtal rund um Gangelt geprägt, aber auch in den anderen Ortsteilen nachhaltige Spuren hinterlassen hat.

Hubert Hostenbach ist 59 Jahre alt, seit 30 Jahren Nabu-Mitglied und arbeitet als Sicherheitsingenieur beim WDR in Köln. Neben dem Naturschutz sind Badminton und Reisen seine Leidenschaften. Mit ihm sprach Karl-Heinz Hamacher.

Die herrliche Landschaft des Rodebachtals rund um Gangelt ist zu einem großen Teil dem Nabu zu verdanken. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Herzlichen Glückwunsch zur Wahl des Nabu-Vorsitzenden!

Hostenbach: Vielen Dank, aber mir wäre es lieber gewesen, es hätte die Notwendigkeit, einen neuen Vorsitzenden zu wählen, nicht gegeben. Der Verlust von Franz Oschmann schmerzt sehr. Wir vermissen nicht nur seine Kreativität und sein Engagement; wir haben einen guten Freund verloren. Froh bin ich, dass wir uns für die Regelung seiner Nachfolge noch bei Franz persönlichen Rat holen konnten. Das werte ich als ein gutes Zeichen.

Seine Fußstapfen sind groß.

Hostenbach: Franz besaß ein schier unerschöpfliches Repertoire an Ideen, Plänen und Projekten. Damit hinterlässt er eine große Lücke. Und ja, seine Fußstapfen sind groß. Was in der Vergangenheit enorm getragen hat, ist die sehr gute und intensive Zusammenarbeit im Vorstand. Darauf setze ich auch in Zukunft. Das wird mir sicherlich helfen, die Erwartungen zumindest ansatzweise zu erfüllen.

Das Vorstandsteam ist ansonsten weitgehend gleich geblieben — das spricht für Kontinuität.

Hostenbach: Glücklicherweise ja. Neu im Team ist Erich Beumers, der meine Funktion des Schriftführers übernommen hat. Ansonsten weiß ich viele weitere kompetente und engagierte Mitstreiter an meiner Seite. Besonders möchte ich dabei Thomas Henkens und Frank Donkers hervorheben. Zu dritt haben wir in den vergangenen Monaten einige Aktionen organisiert. Das hat perfekt funktioniert und sehr viel Spaß gemacht.

Wo sind die Prioritäten des Vorsitzenden, was wird sich ändern?

Hostenbach: Selbstverständlich stehen die laufenden Projekte nach wie vor im Fokus der Arbeit des Nabu Selfkant. Dabei soll der angestoßene Prozess, Arbeiten wo möglich mit technischer Unterstützung durchzuführen, weitergeführt werden. Darüber hinaus sind Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraums für Insekten geplant. Dazu werden für entsprechende Aktionen noch Mitstreiter gesucht. Ich denke da an Schulen und Kindergärten, aber auch an Bürgerinitiativen. Auch mit den Gemeindeverwaltungen sollen geeignete Schritte erörtert und wenn möglich auch umgesetzt werden.

Die Arbeit des Nabu konzentriert sich augenscheinlich auf das Gangelter Bruch mit seinen Kopfweiden. Kommen der Selfkant und Waldfeucht da nicht zu kurz?

Hostenbach: Kopfweiden sind prägend für das Landschaftsbild des Gangelter Bruchs. Und es ist schön, dass die Pflege der Kopfweiden so eng mit der Arbeit des Nabu Selfkant verknüpft wird. Aber das ist nicht alles. Die Aktivitäten betreffen die gesamte Region „Der Selfkant“, also die Gemeinden Selfkant, Waldfeucht und Gangelt. Und die Beispiele für unsere Arbeit sind vielfältig. Zu nennen sind die Greif- beziehungsweise Singvogelpflegestationen, Pflegemaßnahmen in Biotopen und auf Streuobstwiesen, der Bau und die Betreuung von Nisthilfen; darunter auch Nisthilfen in alten Gebäuden. Darüber hinaus wurden diverse Storchennisthilfen in allen Gemeinden errichtet. In diesem Fall warten wir nur noch auf die neuen Bewohner (lacht).

Wie viele Kopfweiden stehen im Rodebachtal?

Hostenbach: Da muss ich überlegen. Genau sind es 1311, glaube ich. Im Ernst: Die genaue Zahl kenne ich natürlich nicht. Aber ich weiß, es ist eine Menge. Und die Kopfweiden beschäftigen uns Jahr für Jahr sehr. Aber das lohnt sich, denn die Bäume sind Heimat für eine Vielzahl von Tieren, und sie stehen letztlich für dieses Landschaftsbild wie kein anderer Baum.

Wie sieht die Arbeit mit den niederländischen Naturschützern aus? Wird sich etwas ändern?

Hostenbach: Die Zusammenarbeit geht maßgeblich auf die Initiative von Franz zurück. Auch hier werden wir den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Ausdruck für die wirklich gute Zusammenarbeit ist aus meiner Sicht der internationale Naturwerktag. Diese Aktion findet seit sieben Jahren wechselweise dies- und jenseits der Grenze statt. Auch in diesem Jahr sind wieder mehr als 60 Helferinnen und Helfer der Einladung gefolgt, gemeinsam aktiv in der und für die Natur zu arbeiten. Das fördert nicht nur die Zusammenarbeit der Naturschutzorganisationen, sondern verbindet auch Menschen.

Dabei gibt es ja mit den holländischen Nachbarn durchweg unterschiedliche Auffassungen, zum Beispiel was den Baumbewuchs jenseits des Rodebachs angeht.

Hostenbach: Sicherlich. Das ist aber nicht entscheidend, denn gemeinsam wurde auch viel erreicht. Man muss sich nur einmal die grenzüberschreitenden Naturschutzgebiete im Selfkant und in Gangelt anschauen, die inzwischen viele Besucher von weit her anziehen. Ich werte das als Zeichen guter Zusammenarbeit.

Die Nabu-Ortsgruppe hat 300 Mitglieder. Ist das nicht viel zu wenig, um die Vielzahl der Aufgaben zu erledigen?

Hostenbach: Na ja, mehr als 300 Mitglieder sind nicht gerade wenig. Trotzdem ist das richtig. Die Vielzahl der Aufgaben ist alleine mit den aktiven Mitgliedern des Nabu Selfkant nicht zu bewältigen. Glücklicherweise werden wir bei unserer Arbeit immer wieder von engagierten Menschen unterstützt, die nicht Nabu-Mitglied sind. Dieses Engagement schätze ich sehr. Unterstützung erhalten wir darüber hinaus auch durch die Bauhöfe der Gemeinden. Nicht zu vergessen ist die finanzielle Unterstützung durch die Gemeinden, aber auch durch weitere Geldgeber. Das ist die Voraussetzung dafür, dass verschiedene Arbeiten und Naturschutzmaßnahmen in der Vergangenheit durchgeführt werden konnten und in Zukunft umgesetzt werden können.

Gibt es Mitgliederwerbung?

Hostenbach: Maßnahmen zur Mitgliederwerbung gibt es von Zeit zu Zeit. Dabei sollte aus meiner Sicht nicht nur Ziel sein, die Mitgliederzahl zu steigern. Vielmehr sollten junge Menschen für den Schutz der Natur begeistert werden. Dazu sind neben der „klassischen Mitgliederwerbung“ Aktionen in Kindergärten und Schulen notwendig. Entsprechende Möglichkeiten überlegen wir zurzeit. Dabei setzen wir auch auf die Medien. Wenn also die Journalisten Ideen dazu haben, dann her damit (lacht).

Wo sehen Sie den Nabu in zehn Jahren?

Hostenbach: In den vergangenen Jahren hat sich der Nabu Selfkant überaus positiv entwickelt. Er hat nicht nur dazu beigetragen, die Vielfalt der Flora und Fauna in der gesamten Region „Der Selfkant“ zu verbessern. Aus meiner Sicht ist das gesamte Landschaftsbild inzwischen so attraktiv, dass Menschen allein der Natur wegen zu uns kommen. Das hat dem Nabu auch in der öffentlichen Wahrnehmung gutgetan. Das gilt es fortzusetzen. Dazu brauchen wir vor allem junge, engagierte Menschen, damit wir auch in zehn Jahren weitere Verbesserungen sehen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Gemeindeverwaltungen?

Hostenbach: Die Arbeit des Nabu Selfkant wird von den Gemeindeverwaltungen ideell und auch finanziell unterstützt. Und ohne die Bauhöfe wäre unsere aktive Arbeit in diesem Maß gar nicht möglich. Für diese Unterstützung möchte ich an dieser Stelle ein dickes Dankeschön aussprechen. Diese Zusammenarbeit möchte ich noch weiter intensivieren und plane Gespräche mit den Bürgermeistern.

Wünsche für die nahe Zukunft?

Hostenbach: Na ja, das mag profan klingen. Aber zunächst wünsche ich mir, dass die Mitglieder und Förderer des Nabu, ehrenamtliche Helfer und alle Unterstützer unserer Arbeit gesund bleiben. Und dann würde ich mich freuen, wenn es uns gelingt, den Nabu im Sinne von Franz weiterzuentwickeln. Und noch ein besonderer Wunsch: Klasse wäre es, wenn sich in Kürze die ersten Störche in unserer Region niederlassen würden.