Geilenkirchen: Neue Pflanzen haben oberste Priorität

Geilenkirchen : Neue Pflanzen haben oberste Priorität

Obwohl es erst kurz vor zehn ist, wärmt die Sonne die Grünfläche hinter dem Rathaus in Gangelt schon spürbar. Landschaftsgestalter Alexander Laven und sein Kollege Jürgen März haben ihr Gießfahrzeug neben einem kleinen Baum geparkt und den Wasserschlauch schon an den nächstgelegenen Wasserhydranten angeschlossen. „Das ist ein junger Amberbaum“, erklärt März und dreht den Wasserhahn auf.

Besonders die neu gepflanzten Bäume, Sträucher und Blumen gelte es, bei den aktuellen Temperaturen mit einer täglichen Wasserdusche zu versehen, sagt René Meuffels, stellvertretender Bauhofleiter. „Momentan werden hauptsächlich die Flächen bewässert, die in den vergangenen zwei Jahren bepflanzt wurden.“ Zum Beispiel in den Neubaugebieten, aber auch auf den drei großen Kreisverkehren in Gangelt. Sommerblumen, also einjährige Blumen, werden nicht mehr so häufig eingepflanzt, da der Aufwand bei so lang anhaltender Hitze sehr groß ist.

Fünfzehntausend Liter Wasser

Rund zweieinhalbtausend wurden in diesem Jahr noch gepflanzt. „Auf die ganze Kommune verteilt ist das nicht viel. Wir setzen verstärkt auf Gräser und Bäume. Die sind widerstandsfähiger und bleiben uns über mehrere Jahre erhalten“, erklärt Meuffels. Willibert Mevissen, Leiter der Abteilung Bauen und Planen, wendet zudem ein: „Zu viel gießen ist auch nicht gut, dann entsteht ein Gewöhnungseffekt bei den Pflanzen.“
In den heißen Wochen lässt sich das aber nicht vermeiden, und so verteilen die Mitarbeiter vom Bauhof zurzeit täglich zehn- bis fünfzehntausend Liter Wasser.

Zwei Fahrzeuge sind in Gangelt jeden Tag unterwegs. Das kleinere mit einem 2000 Liter großen Wassertank auf der Ladefläche haben heute Laven und März dabei. „Meistens fangen wir um sechs Uhr morgens an, damit die Hitze noch nicht so groß ist. Wenn es zu heiß wird, machen wir uns aus Jeckerei auch schon mal gegenseitig nass“, sagt Laven lachend.

Außerdem sind die beiden ständig in Alarmbereitschaft. In einem Kasten zwischen Fahrerkabine und Ladefläche hat März eine Notfalltasche gepackt: „Wir sind beide bei der freiwilligen Feuerwehr. Wenn es irgendwo brennt, fahren wir mit unserem Wagen direkt hin und können helfen.“ Zum Beispiel, als vergangene Woche ein Container auf dem Friedhof brannte.

Auch in Übach-Palenberg sind viele Gießer zeitgleich auch hilfsbereite Feuerwehrmänner. „Vor sechs Wochen haben wir mit einem Gießfahrzeug angefangen. Das reicht seit drei Wochen nicht mehr aus, und wir mussten aufstocken“, erzählt Udo Langendorf, Fachbereichsleiter des Technischen Betriebes. „Ich habe zwei große Zisternen auf dem Bauhof stehen, da passen jeweils 10.000 Liter Wasser rein. Bei einem normalen Sommer reicht das darin gesammelte Regenwasser aus. In diesem Jahr müssen wir aber auch mit Wasser aus den Hydranten nachhelfen“, sagt Langendorf. Mittlerweile sei er dazu übergegangen, nicht nur die Neubestände, sondern auch den Altbestand mitgießen zu lassen. „Wir bewässern sogar am Wochenende. In den vergangenen Jahren reichte es immer, freitags abends und dann wieder montags morgens zu gießen.“ Dafür sei es jetzt zu heiß.

Im Fokus stehe zurzeit die gesamte Roermonderstraße, da hier neue Bäume gepflanzt wurden. Außerdem die Jahresbaumallee und die Gebiete, auf denen Bürger bei einer Baumpflanzaktion selbst mitgeholfen haben. Sollte die Hitze anhalten, sehe sich Langenfeld gezwungen, die jährlich neugepflanzten Sommerblumen zu vernachlässigen. „Ich bin den ganzen Tag unterwegs und habe die Bepflanzung immer im Blick“, sagt er. „Es wäre toll, wenn jeder Bürger ab und an die öffentliche Bepflanzung vor seiner Haustür mit einer Gießkanne Wasser unterstützen würde.“

Auch bei der Stadt Geilenkirchen ist klar: „Wir befinden uns momentan mit Blick auf das Wetter in einer ungewöhnlichen Situation.“ Die Priorität liege auf Flächen und Bäumen, die erst kürzlich neu bepflanzt wurden, sowie auf den Schmuckbeeten der Stadt, sagt Beigeordneter Markus Mönter. Vier bis fünf Mitarbeiter seien jeden Tag im Einsatz und kümmern sich um die Bewässerung. „In den vergangenen Sommern war das Team mit der Besetzung immer groß genug, zurzeit ist es im Dauereinsatz.“

Ein Schlepper mit Fasswagen, der 5000 Liter Wasser pro Ladung transportieren kann, muss fünf bis sechs Mal am Tag befüllt werden. Zusätzlich seien noch kleine Kombis unterwegs, ausgestattet mit Schläuchen, die die Mitarbeiter an die Hydranten nahe der Kreisverkehre schließen.

Dass aber bei diesem Wetter selbst das regelmäßige Gießen manchmal nicht ausreicht, erklärt Peter Sentis, Gärtnermeister und Bauhofmitarbeiter in Geilenkirchen, am Beispiel der neugepflanzten Bäume an der Konrad-Adenauer-Straße. „Der Wurzelraum der Bäume ist durch die Kübel begrenzt. Das heißt, sie können sich nicht weitflächig ausbreiten und so auch weniger Wasser aufnehmen. Hinzu kommt, dass die Hitze von den Gebäudewänden abstrahlt und sich unten in der Straße staut.“ Sollte sich die Hitze in den nächsten Jahren so fortsetzen, müsse über eine Umgestaltung der Bepflanzung nachgedacht werden, sagt Mönter. Wie viel Mehrkosten auf die Stadt zukomme, sei bisher noch nicht abzuschätzen.

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