Nejc Kamplet beim Klaviersommer in Geilenkirchen

Klaviersommer : Ein wahres Feuerwerk an Virtuosenkunst abgebrannt

Nach dem eindrucksvollen vierhändigen Auftakt präsentierte der Klaviersommer Geilenkirchen am zweiten Abend mit Nejc Kamplet einen aufstrebenden Jungstar der Pianisten-Szene.

Der aus Slowenien gebürtige junge Künstler war übrigens für viele Besucher des Konzertes kein Unbekannter: 2016 hatte er beim „Euregio Piana Award“ den ersten Preis „abgeräumt“ – und jetzt war man natürlich gespannt darauf, wie sich seine weitere Entwicklung vollzogen hatte.

Auch diesmal war die Aula der Realschule bis auf den letzten Platz besetzt. Der erste Teil des Abends war der Wiener Klassik gewidmet. Zunächst erklang die Sonate D-Dur Hob. 33 von Joseph Haydn. Leider werden die Klavierwerke von Haydn häufig unterschätzt, zumal sie als beliebtes Übungsmaterial für Klavierschüler dienen.

Die feinfühlige und detailfreudige Interpretation von Nejc Kamplet zeigte jedoch, wie viel Schönheit und geistige Tiefe in diesen scheinbar so harmlosen Werken stecken – eine so vielschichtige und differenzierte Interpretation bekommt man selten zu hören.

Nach diesem eher leichtgewichtigen Beginn wartete auf die Zuhörer ein gewaltiger Brocken: Die berühmte Hammerklaviersonate op. 106 von Ludwig van Beethoven stellt mit ihren geradezu symphonischen Dimensionen (über 30 Minuten Spieldauer!) schon allein körperlich eine enorme Herausforderung für jeden Klavierspieler dar. Nejc Kamplet meisterte dieses Riesenopus technisch einwandfrei, darunter auch die horrend schwierige Fuge im Finalsatz. Lediglich der ausgedehnte langsame dritte Satz wirkte von der Interpretation nicht ganz überzeugend, da sich Kamplet an manchen Stellen zu sehr in Einzelheiten vertiefte, so dass der „rote Faden“ etwas verlorenzugehen drohte. Insgesamt aber wurde es eine überzeugende Wiedergabe dieses Werkes, an das sich nur wenige Pianisten heranwagen.

Der zweite Teil des Konzertes wendete sich der Romantik zu. Die Etüden von Franz Liszt sind keineswegs bloße Übungsstücke, wie der Titel vermuten lassen könnte. Nicht umsonst tragen sie die Bezeichnung: „Etudes d´execution transzendentales“. Nejc Kamplet hatte sich für dieses Konzert die elfte Etüde ausgewählt, die tatsächlich eine meditative Stimmung verbreitete, obwohl sie mit rauschenden Arpeggien und schnellen Läufen keineswegs spart.

Den Schlusspunkt setzte dann die Sonate Nr. 2 op. 36 von Sergej Rachmaninow. Dieses 1913 entstandene dreisätzige Werk zeigt die typisch elegische Tonsprache, die man von diesem russischen Komponisten kennt, wobei aber temperamentvolle Gefühlsausbrüche keineswegs fehlen. Dies gilt vor allem für den Finalsatz, in dem Kamplet ein wahres Feuerwerk an Virtuosenkunst abbrannte – ganz offensichtlich scheint ihm diese Stilrichtung mehr zu liegen als die klassische Strenge eines Beethoven. Zu Recht gab es am Ende stürmische Ovationen und selbstverständlich noch eine Zugabe.

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