Nacht der Bibliotheken in Geilenkirchen

Nacht der Bibliotheken : Die Leidenschaft Lesen pflegen

Jürgen Wagner liest gerne. Und er teilt die Passion des Lesens und Vorlesens ebenso gerne mit seinen Zuhörern. Feuerwehr-Hilfspraktikant Richard Borowka kommt selten über den Lokalsportteil seiner Zeitung hinaus, war aber trotzdem zur Nacht der Bibliotheken in die Stadtbücherei Geilenkirchen zusammen mit Jürgen Wagner, Löschmeister Josef Jackels und einigen guten Bekannten des Löschmeisters eingeladen worden.

Die Nacht der Bibliotheken, die in ganz Nordrhein-Westfalen veranstaltet wurde, soll Bibliotheksnutzer dabei unterstützen, „ihr Engagement auszuüben, ihrem Hobby zu frönen, ihre Leidenschaften zu pflegen“.

Das Motto der Nacht der Bibliotheken 2019 „mach es!“ sollte Bürger animieren, ihr Leben aktiv zu gestalten. Mit Jürgen Wagner und dem Komödianten Marc Breuer, der, da der Bibliothekssaal eh schon überfüllt war, in Personalunion Löschmeister Jackels und seine Bekannten vertrat, hatte das Team um Büchereileiterin Antonia Zaharanski zwei Männer eingeladen, die dem Motto „Mach es!“ Glanz verliehen.

Richard Borowka kam an die Reihe, als die Nacht der Bibliotheken schon ziemlich duster geworden war. Jürgen Wagner hatte ebenfalls vor vollem Hause am Nachmittag eine Kostprobe seiner Leselust gegeben. Viele Besucher kannten den beliebten Geilenkirchener Vorleser schon aus vorangegangenen Veranstaltungen. Auch für seine Lesung im Rahmen der Nacht der Bibliotheken war Jürgen Wagner wieder vor seine gut gefüllte Bücherwand getreten und hatte einige schöne Stücke von Wilhelm Busch, Heinz Erhardt, Eugen Roth und last but not least Jürgen Wagner ausgewählt.

Die amüsanten und humorvollen Texte verband Jürgen Wagner gekonnt durch eine Moderation, die diese Lesung für das Publikum zum Genuss werden ließ. „Wann machen se denn wieder den Erhardt?“, ist eine Frage, die Jürgen Wagner häufig hört, wenn ihn Leute auf der Straße ansprechen. Dieser Schauspieler und Komödiant scheint also unvergessen zu sein, obwohl Heinz Erhardt nun schon 40 Jahre tot ist. Seit damals habe sein konservierter komödiantischer Charme nichts an Anziehung verloren, glaubt Jürgen Wagner. Heinz Erhardt zu Ehren kündigte Wagner den Dichter für den zweiten Teil seiner Lesung mit Reimen aus seiner Feder an: „Nach der wohlverdienten Pause - gehen wir noch nicht nach Hause. - Nein, wir schaun, ob Wagner mehr hat, - nämlich was von dem Heinz Erhardt.“

Maden-Gedicht darf dabei nicht fehlen

Es folgte das unvergessliche Heinz Erhardt-Gedicht von der Made: „Hinter eines Baumes Rinde - wohnt die Made mit dem Kinde. - Sie ist Witwe. Denn der Gatte, - den sie hatte, - fiel vom Blatte. - Diente so auf diese Weise - einer Ameise zur Speise.“ Glücklicherweise nicht „vom Blatte“ und auch nicht von der Drehleiter war Löschmeister Josef Jackels gefallen. Kabarettist Marc Breuer bescherte am Abend den Besuchern der Nacht der Bibliotheken ebenso vergnügliche Stunden, wie es Jürgen Wagner am Nachmittag getan hatte.

Die Geschicke des schönen Selfkantdörfchens Schluppendorf und vor allem seiner Freiwilligen Feuerwehr standen im Mittelpunkt des kurzweiligen Comedyabends. Neben „Unterhaltung und Information“ stand vor allem die Werbung neuer Mitglieder für die Schluppendorfer Feuerwehr ganz oben an, da insbesondere die Schluppendorfer Feuerwehr in den „Ballungsgebieten“ Brüggelchen und Süsterseel derzeit schwächelt. Wie bei der Feuerwehr üblich, wurden verschiedene Übungen abgehalten, so die Applaus-Übung. Das Publikum übte den schwachen Applaus, den mittleren und den starken Applaus, letzteren für den Fall, dass Germania Bauchem mal die Bayern schlägt oder für den, dass der Abend am Ende gefallen hat. Der starke Applaus kam zum Einsatz, - bei welchem Ereignis wohl?

Die Nacht der Bibliotheken bot den zahlreichen Besuchern zwei vergnügliche Veranstaltungen mit Wohnzimmeratmosphäre. Der enge Kontakt mit den beiden Künstlern machte den besonderen Reiz aus, auch wenn man nicht unbedingt in der ersten Reihe sitzen muss, wenn Richard Borowka eine Mitspielerin sucht oder vielleicht doch? Ein Vergnügen war es auf jeden Fall, für Künstler und Gäste.