Übach-Palenberg: Nach dem Geschmack „wie es euch gefällt“

Übach-Palenberg: Nach dem Geschmack „wie es euch gefällt“

Normalerweise sieht man sie auf der Orgelempore, von wo sie fromme Gesänge anstimmen. Aber sie lieben auch flotte, weltliche Klänge aus Schlager und Musical, die Sängerinnen und Sänger von St. Fidelis in Boscheln. Zusammen mit dem Frauenchor „Amaryllis“ aus dem belgischen Raeren präsentierten sie jetzt im Palenberger CMC ihr Können.

Der Zuschauerzuspruch war erfreulicherweise enorm, denn die Lohnhalle war bis auf den letzten Platz besetzt. Unter den Klängen des NRW-Sängergrußes „Wir sind gekommen von nah und fern“ zog der Chor von St. Fidelis auf die Bühne. „Wie es euch gefällt“ lautete das Motto des Konzerts, das man durchaus wörtlich nehmen konnte. Denn das Programm bot hauptsächlich leichtere Kost, die aber gleichwohl von Chorleiter Wilfried Hirche sorgfältig einstudiert wurde und darum ihre Wirkung nicht verfehlte.

Moskau und Moldau

Das bekannte Spiritual „Amen“ in einer deutschen Textfassung von Otto Groll machte den Anfang, „Singen mit Freude“ leitete zu dem russischen Schlager „Moskau bei Nacht“ über, der allerdings keineswegs der Realität entspricht — denn die russische Hauptstadt ist bei Dunkelheit (abgesehen vom Kreml) gar nicht so märchenhaft, wie es der Text glauben machen könnte.

Bei den „Träumen von der Moldau“ wurde das Hauptthema aus der berühmten sinfonischen Dichtung von Friedrich Smetana verarbeitet, und das nachfolgende „Wunderbar“ aus dem Musical „Kiss me, Kate“ stellte als einziges Stück des Abends einen Bezug zu William Shakespeare her, aus dessen Feder die Komödie „Wie es euch gefällt“ stammt. „Kiss me, Kate“ geht allerdings auf ein anderes Werk des großen englischen Dichters zurück, nämlich „Der Widerspenstigen Zähmung“.

Dann hatte der Frauenchor „Amaryllis“ seinen ersten Auftritt, der vorwiegend aus modernen geistlichen Liedern bestand. Hier spürte man deutlich, dass diese Chorgemeinschaft einst aus einem Kinder- und Jugendchor hervorging. Denn Stücke wie „Ein Licht in dir geborgen“, „Keinen Tag soll es geben“ werden wie „Beautiful Lord“ und „I‘ve got a feeling“ noch heute gerne bei Jugendgottesdiensten oder Hochzeiten gesungen.

Aber auch bei „Trouver dans ma vie ta présance“ und „Gestern und heute“ gefielen die Sängerinnen mit klangvollen, ausgewogenen und intonationssicheren Stimmen. Alle Stücke des Konzertes wurden übrigens von Karin Ganser aus Welkenraedt am Flügel einfühlsam und unaufdringlich begleitet.

Nach der Pause tauchte der Chor von St. Fidelis nochmals in die Welt des Musicals ein: Zunächst zog „Memory“ von Andrew Lloyd Webber vorüber, dann folgte gleich ein ganzes Potpourri aus „My fair Lady“, bei dem vor allem die Nummern „Mit nem kleinen Stückchen Glück“ und „In der Straße wohnst du“ besonderen Anklang fanden. Der „kleine Teddybär“ von Thomas Fillep rundete diesen Abschnitt wirkungsvoll ab.

Dann zeigte auch der Frauenchor „Amaryllis“, dass er neben den modernen geistlichen Liedern wie „Hallelujah“ auch den Schlager und die leichte Muse beherrschte. „Geboren, um zu leben“ und „Can‘t help falling in love“ kamen beim Publikum blendend an, auch bei „Wind of change“, „Circle of Life“ und „Thank you for the Music“ erwies sich Alexandra Reinartz als souveräne und umsichtige Chorleiterin.

Den stürmisch beklatschten Schlusspunkt setzten beide Chöre mit dem gemeinsamen Lied „Welch ein Tag“ — und tatsächlich hatte zuvor die Sonne einige Stunden vom „goldenen Oktober“ beschert.

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