Naturschutz vs. Landwirtschaft: NABU diskutiert mit Landwirten

Naturschutz vs. Landwirtschaft : NABU diskutiert mit Landwirten

Naturschützer aus dem Selfkant wollen mit den Landwirten reden, statt über sie zu schimpfen. Gemeinsame Herausforderungen sehen beide Parteien bei den Blühstreifen.

Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes und Landwirt in Gangelt, diskutierte mit Mitgliedern des NABU Selfkant über gemeinsame Möglichkeiten, den Naturschutz in der Gemeinde Gangelt voranzubringen. Der 1. Vorsitzende des NABU, Hubert Hostenbach, begrüßte zu dieser Diskussionsrunde im Infocenter Gangelt zahlreiche NABU-Mitglieder.

Hostenbach meinte, es sei besser,  miteinander zu reden, wenn sich Probleme ergeben, als übereinander zu schimpfen. Auch Bernhard Conzen machte deutlich, dass er sehr an einem Austausch interessiert sei. Gemeinsam könnten sicherlich einige Aufgabenstellungen gemeistert werden.

Der 1. Vorsitzende des NABU Selfkant, Hubert Hostenbach (r.), stellte den NABU-Mitgliedern Bernhard Conzen (l.), Landwirt aus Gangelt und  Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes, vor. Foto: Dettmar Fischer

Ein konkretes Beispiel einer gemeinsamen Aktion von NABU und Landwirten kristallisierte sich im Verlauf der Diskussionsrunde heraus. Conzen hatte das Thema Blühstreifen entlang der Felder angesprochen. Für Insekten und damit auch für Vögel bieten die Pflanzen aus den Saatmischungen  die Nahrungsgrundlage. Conzen hatte deutlich gemacht, dass man auch in der Landwirtschaft nachhaltig und ökologisch unterwegs sei, um die Bio-Diversität, die biologische Vielfalt, nachfolgenden Generationen zu erhalten. Die Landwirtschaft bemühe sich beispielsweise über die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, deren stellvertretender Vorsitzenden Bernhard Conzen ist, das Thema Bio-Diversität anzupacken.

Konkret verwies Conzen auf einen in Hastenrath im Rahmen eines Flurbereinigungsverfahrens angelegten Blühstreifen. Dieser müsste erneuert werden, meinte Conzen.

Als letzte ausgesäte Pflanze habe die Malve vor der Distel kapituliert. Da der Blühstreifen auf Gemeindeland läge, müsse auch die Zustimmung der Gemeinde erwirkt werden.  Hubert Hostenbach sah hier einen Ansatzpunkt für eine gemeinsame Aktion von Landwirtschaft und NABU. „Wir leben in einer Zeit, in der wir das erhalten müssen, was wir haben“, stellte Bernhard Conzen fest. Um dabei erfolgreich zu sein, müsse man aufeinander zugehen. „Die Landwirte im Kreis Heinsberg wollen gemeinsam mitgestalten“, stellte Conzen, der auch Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg ist, fest. Ein großes Problem sei aber, dass die Flächen knapp werden.

Conzen bedauerte, dass im Landesentwicklungsplan das Ziel, den Flächenverbrauch in NRW von zehn auf fünf Hektar pro Tag zu reduzieren, aufgegeben worden sei. In naher Zukunft stünden deutlich kleinere Flächen für die Ernährung der Bevölkerung zur Verfügung. Es seien wirtschaftlich schwierige Zeiten, meinte Conzen. Er sprach auch den Einsatz von Pestiziden auf den Feldern an. Und er erwähnte die Diskussion um die sogenannten „Neonics“. Die Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide stehen im Verdacht, Bienen, die etwa die Rapsblüten anfliegen, zu schädigen.

Diskutiert wurde in der Runde die Frage, inwieweit der Verbraucher Einfluss nehmen kann, auf die Art und Weise wie Lebensmittel produziert werden. Deutlich wurde, dass die Vielfalt in der Natur ihren Preis hat. „Wenn Sie auf der letzten Rille fahren, nehmen Sie auch keine Rücksicht auf die Bio-Diversität“, stellte Conzen klar. Der Milchpreis beispielweise werde von den Discountern diktiert. Da sei man als Berufsverband gescheitert.

Eine Dame im Publikum meinte zwar, ihr Liter Milch würde immer 1,10 Euro kosten, doch bildet sie wohl die Ausnahme vom üblichen Kaufverhalten. Die Steinwüsten in machen Vorgärten wurden angesprochen.

Die Frage, ob es eine Gülle-Mafia im Selfkant gebe, wurde gestellt. Conzen erläuterte, dass man in Kontakt mit den Niederländern stehe, um die Gülletransporte über die Grenze transparenter zu gestalten. Abschließend stellte der 1. Vorsitzende des NABU Selfkant fest: „Darüber reden ist immer gut.“ Bernhard Conzen erklärte: „Ich komme gerne wieder auch bei kritischen Punkten.“

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