Geilenkirchen: Musikalische Bilder mit ruhigem Meer und wildem Sturm

Geilenkirchen : Musikalische Bilder mit ruhigem Meer und wildem Sturm

Mit einem eindrucksvollen Klavierabend des lettischen Pianisten Andrejs Osokins eröffnete der Geilenkirchener Klaviersommer 2018 seine achttägige Veranstaltungsserie und bewies einmal mehr, dass er zu den großen Publikumsmagneten zählt.

Nahezu 200 Zuhörer hatten sich in der Schalterhalle der Kreissparkasse eingefunden, um den heute in England ansässigen Ausnahmekünstler zu hören, der in seiner Laufbahn schon zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten hat — darunter den ersten Preis beim Beethoven-Wettbewerb in London.

Eröffnet wurde das Programm mit zwei Kompositionen von Johann Sebastian Bach: Das Largo in f-moll aus dem Klavierkonzert BWV 1056 zog wunderbar tiefsinnig vorbei, gefolgt von dem ebenfalls meditativen Choral „Ich ruf´ zu dir, Herr Jesu Christ“ aus dem „Orgelbüchlein“. Beide Stücke wurden von Osokins ziemlich romantisch ausgedeutet, was zwar mit dem Geist des Barocks nicht viel zu tun hatte, wohl aber verdeutlichte, weshalb Bach auf Komponisten wie Mendelssohn-Bartholdy, Chopin, Schumann und Reger eine so große Faszination ausübte.

Weiter ging es mit dem „Liebeslied“ von Franz Liszt, das auf eine Komposition („Widmung“ op. 25) von Robert Schumann zurückgeht. Während das Original sich ausgesprochen zurückhaltend gibt, formuliert Franz Liszt in seiner Klavierbearbeitung eine leidenschaftliche Liebeserklärung, die von Osokins auf überzeugende Art wiedergegeben wurde. Dann durfte aber auch ein Beitrag aus den Heimatland des Interpreten nicht fehlen: Von Jazeps Vitols, dem „Vater der lettischen Musik“ erklangen vier sehr kontrastreiche Stücke von eigenartig herbem Reiz.

Einer schwermütig-verhangenen Mazurka schloss sich ein impressionistisch gefärbter Walzer und das lebhaft verspielte „Lullaby“ an. Der abschließende „Song of Waves“ (Gesang von den Wellen) wurde vielleicht von den Gestaden der Ostsee inspiriert. Zunächst zeichneten überirdisch zarte Töne ein ruhiges Meer, dann jedoch perlten unheimliche Klänge aus der Tiefe empor und steigerten sich zu einem wilden Sturm, bis eine pathetische Coda für einen kraftvollen Dur-Ausklang sorgte.

Der zweite Teil des Konzertes war dann ganz der russischen Klaviermusik gewidmet. Hier konnte Osokins die ganze Palette seines pianistischen Könnens ausbreiten. Den Auftakt bildeten zwei Präludien von Sergej Rachmaninow: Rauschende Arpeggien prägten das erste Stück, wuchtige und vollgriffige Klänge dagegen das zweite. War Rachmaninow noch stark von der Spätromantik geprägt, zeigte die zehnteilige Suite „Romeo und Julia“ von Sergej Prokofiew schon wesentlich modernere Züge. Die horrend schwere Sonate Nr. 7 wirbelte danach wild und turbulent vorüber. Das einsätzige Werk war von einer permanenten furiosen Steigerung durchzogen und bildete den krönenden Abschluss des Programms.

Zu Recht gab es am Ende spontane Bravo-Rufe und stehende Ovationen für den Künstler, der sich mit zwei Zugaben bedankte — zunächst mit einem Stück von Gershwin und dann mit dem bekannten „Rondo alla Turca“ aus der A-Dur-Klaviersonate KV 331 von Mozart.

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