Geilenkirchen: Mit Bitterballen fiebern die Niederländer aufs Spielende hin

Geilenkirchen: Mit Bitterballen fiebern die Niederländer aufs Spielende hin

Am Mittwoch ist es soweit - schlechthin das deutsch-holländische Spannungsspiel, bei dem man nie weiß, ob es ein Freundschafts- oder inoffizielles Endspiel wird. Speziell in Grenznähe ist das Prestige-Duell gegen die „Nederlands Elftal” in einem großen Turnier immer etwas Besonderes.

Die Niederlande und Deutschland sind im Fußball wie zwei Nachbarn, die sich am Gartenzaun wegen der überhängenden Äste streiten und danach zusammen den Grill anschmeißen. Eigentlich ist der alte Zwist, welche nun die bessere Mannschaft der Nation ist, meist nicht ernst gemeint, macht aber oft Spaß.

Für die Niederländer, die in Deutschland und in der Region leben, ist der heutige Tag doppelt spannend. Seit Januar wohnen einige Holländer im City Hotel in Geilenkirchen. Die Woche über sind sie, mehr oder weniger fern der Heimat, auf Baumontage. Und am Mittwochabend werden sie im Café Fleur mit vielen deutschen Fans dem großen Ereignis entgegenfiebern.

Scherzhaft sagt Pedro Nzumba, einer der holländischen Gäste, dazu: „Ich hätte lieber zuhause geguckt, wir haben ein bisschen Angst vor den Deutschen.” Eine Stichprobe bei deutschen Fans hat gezeigt, dass auch für sie das heutige Spiel nicht ganz „angstfrei” verlaufen wird. Die Tipps gehen sehr weit auseinander, von 1:0 bis 5:1 - Hauptsache Deutschland gewinnt und die Holländer „gehen zuhaus”, wie ein Kenner meint.

Der Holländer im Allgemeinen liebt - wie auch immer mehr Deutsche - den Fußball. Das Spiel an diesem Mittwoch kann für die Niederländer womöglich schon ein vorzeitiges „Endspiel” werden. Nach der 0:1-Niederlage gegen Dänemark müssen sie dieses Spiel gewinnen, sonst ist die Chance auf ein Weiterkommen in das Viertelfinale äußerst gering.

Für Timo Campo ist das Ergebnis keine Frage: „Es wird 2:1 für uns ausgehen, ein Tor aus Mitleid für die Deutschen.”

Der halb ernst gemeinte, halb ironische Fußball-Kampf zwischen Deutschland und den Niederlanden hat fast schon Tradition. Unvergessen die Plakate, die an der deutschen Grenze 1988 von den Holländern strategisch positioniert wurden: „Willkommen im Land des Europa-Meisters”. Schon gemeiner die Spuck-Attacke 1990 von Nationalspieler Frank Rijkaard gegen Rudi Völler, woraufhin Völler sich beschwerte - und beide Spieler die rote Karte bekamen. „Dafür kriegt die Oranje mal wieder ne Klatsche!”, prophezeit ein deutscher Fußballfan.

Roer Nass, einer der holländischen Kurzzeit-Geilenkirchener im City Hotel, hat dazu eine kluge Beobachtung gemacht: „Holland spielt immer gut gegen gute Mannschaften, und schlecht gegen schlechte Mannschaften. Deswegen können wir dieses Spiel gegen die Deutschen gewinnen.” Roy Holweg ist da skeptischer: „Ich hoffe, wir gewinnen 3:0, aber ich denke, es wird ein 2:2. Hauptsache Huntelaar schießt und nicht Robben!”

Einer seiner Kollegen hat eine sehr differenzierte Theorie über den Ausgang des Spiels: „Bei der vergangenen EM haben wir nur ein Spiel verloren, das Letzte. Diesmal verlieren wir auch nur ein Spiel, das Erste. Außerdem habe ich Geburtstag, wir können nur gewinnen”, sagt Chris Cornelissen, der sicherheitshalber direkt vier verschiedene Trikots für das wichtige Spiel von zuhause mitgebracht hat. Er ist ein Holland-Fan von ganzem Herzen: „Ich bin halber Däne, war aber beim Spiel gegen Dänemark natürlich trotzdem für Holland!” Man ist gewappnet. Auf jeden Ausgang und auf urholländische Art. Die Gruppe hat sich schon mit Bitterballen (Fleischbällchen) und passender „Frittesaus” zu den anregenden Getränken eingedeckt.

Völkerverständigung und europäischer Gedanke ja, aber nicht beim Fußball, das geht zu weit, vermutlich. So oder so haben holländische und deutsche Fans wohl etwas gemeinsam, alle wollen ein faires Spiel und viel Spaß. So sieht das auch Marcel Wouters: „Spiele gegen Deutschland sind immer sehr emotional: kleines Holland gegen großes Deutschland. Aber”, hält Marcel Wouters fest, „wir wollen hier im Café Fleur einfach gemütlich mit unseren deutschen Freunden feiern.”

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