Geilenkirchen: Mit Begegnungsfest den Geilenkirchener Flüchtlingen ein Gesicht geben

Geilenkirchen : Mit Begegnungsfest den Geilenkirchener Flüchtlingen ein Gesicht geben

217 Flüchtlinge aus 34 Ländern leben derzeit in Geilenkirchen. Untergebracht sind sie in 21 Unterkünften. Der größte Teil lebt in Neu-Teveren, An der Friedensburg, in der August-Thyssen-Straße und im Limitenweg. In der eigens für Flüchtlinge errichteten Unterkunft An der Friedensburg haben 56 Asylbewerber ihr Zuhause.

Direkte Nachbarn haben sie nicht. Abgegrenzt werden sie durch die Bahnlinie auf der einen Seite und durch die Straße An der Friedensburg auf der anderen Seite.

Kaum einer kennt ihre Namen, kaum einer ihre Gesichter oder ihre Geschichte. Das soll sich nun ändern: Der Runde Tisch für Flüchtlingsarbeit in der Stadt Geilenkirchen lädt in Kooperation mit dem Caritas-Verband für die Region Heinsberg und der Stadt Geilenkirchen zu einem Begegnungsfest in die städtische Unterkunft für geflüchtete Menschen An der Friedensburg alle in der Stadt lebenden Flüchtlinge und die Geilenkirchener Bevölkerung ein.

30 Ehrenamtler

Am Samstag, 7. Juli, wird ab 12 Uhr ein buntes Programm geboten. Seit über 20 Jahren besteht der Runde Tisch für Flüchtlingsarbeit in Geilenkirchen. Etwa 30 Geilenkirchener Bürger sind es, die den in der Stadt lebenden Flüchtlingen zur Seite stehen, ob als Pate, in der Fahrradwerkstatt oder im Kleiderkarussell. „Viele kennen Flüchtlinge nur aus dem Fernseher. Wenn man aber einen persönlichen Kontakt zu ihnen hat, stellen sich die Probleme manchmal ganz anders dar. Bei diesem Begegnungsfest sollen Flüchtlinge Kontakt zur Bevölkerung bekommen“, sagt Yvonne Wolf, Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte der Stadt Geilenkirchen und Mitglied der Steuerungsgruppe des Runden Tisches.

„Wir wollen den Geflüchteten ein Gesicht geben“, sagt auch Nicole Abels, Gemeindesozialarbeiterin der Caritas und ebenfalls Mitglied der Steuerungsgruppe. Beide Frauen werben für den Besuch einer Fotoausstellung, die während des Begegnungsfestes in der Flüchtlingsunterkunft zu sehen sein wird. „Von Angesicht zu Angesicht“ ist sie überschrieben und zeigt Bilder der Fotografin Heike Becker von hier lebenden Flüchtlingen.

Leben ohne Perspektive

Bei all ihrem Engagement und Verständnis für die Situation der Flüchtlinge verschließen Yvonne Wolf und Nicole Abels nicht die Augen vor Problemen: „82 Asylbewerber sind ausreisepflichtig und müssten eigentlich abgeschoben werden“, sagt die Integrationsbeauftragte. Krankheit, fehlende Papiere oder ein unbekanntes Herkunftsland seien unter anderem Gründe, warum dies nicht geschieht. „Manche leben seit vielen Jahren hier und haben keine Perspektive.

Einer wohnt seit 14 Jahren hier und muss immer noch täglich mit seiner Abschiebung rechnen“, sagt Wolf. „Und an geförderten Integrationsmaßnahmen dürfen Geduldete nicht teilnehmen“, bedauert Wolf. Alkohol, Drogen, Perspektivlosigkeit und Sachbeschädigungen seien dann die Folge. „Wie aber soll ich sie integrieren, wenn sie keine Perspektive und keine Tagesstruktur haben?“, fragt Wolf. Außerdem erhalte die Stadt nur Zuschüsse für Menschen im laufenden Asylverfahren, für ausreisepflichtige Flüchtlinge müsse die Stadt aufkomen.

Die Kosten beziffert Geilenkirchens Kämmerer Daniel Goertz mit durchschnittlich 866 Euro je Flüchtling im Monat. „Allerdings dürfen sie mittlerweile mit Genehmigung der Ausländerbehörde arbeiten, so dass manche ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren“, schränkt Abels ein. Und dennoch: „Isolation, keine Perspektive, Angst vor Rückkehr in ein Land, in dem sie Angst haben müssen: Da richtet sich die Aggression auch gegen uns“, sagt Wolf.

Die Organisatoren des Begegnungsfestes hoffen, dass an diesem Samstag Kontakte entstehen, die über diesen Tag hinaus Bestand haben. Außerdem hoffen die beiden Frauen auf weitere ehrenamtliche Flüchtlingspaten, die Asylbewerber bei der Wohnungs- und Jobsuche und beim Umgang mit Behörden unterstützen. Wer sich dafür interessiere, melde sich bei Yvonne Wolf (Tel. 02451/629321) oder Nicole Abels (Tel.: 02451/4820889).

Auch sind die beiden Frauen ständig auf der Suche nach kleinen Wohnungen. Denn: 63 anerkannte Flüchtlinge leben noch in städtischen Unterkünften, obwohl sie sich selbst auf dem freien Wohnungsmarkt versorgen könnten. „Sie finden keinen Wohnraum, weil in Geilenkirchen Single-Wohnungen fehlen. Alleinerziehende, Sozialhilfeempfänger und Geflüchtete stehen hier in Konkurrenz zueinander.“