Geilenkirchen: Meisterschüler aus China beweisen beachtliches Talent

Geilenkirchen : Meisterschüler aus China beweisen beachtliches Talent

Nachdem zuerst die großen Koryphäen ihr Können gezeigt hatten, waren am vierten Tag des Klaviersommers die Nachwuchstalente an der Reihe. Bekanntlich pflegen Florian Koltun und seine Frau Xin Wang regen Kontakt mit chinesischen Universitäten, die regelmäßig hochbegabte Studenten zu Meisterkursen nach Geilenkirchen schicken.

So auch diesmal: Unter der fachmännischen Betreuung von Professor Thomas Duis (Musikhochschule Saarbrücken), Professor Jacob Leuschner (Musikhochschule Detmold), Professor Tomislav Banyov (Musikhochschule Trossingen) und Florian Koltun wurden die Teilnehmer im Alter von zehn bis 30 Jahren mit der stilgerechten Interpretation großer Meisterwerke der Klavierliteratur vertraut gemacht. Beim Abschlusskonzert im Haus Basten wurden die Ergebnisse präsentiert.

Der Zuspruch des Publikums litt ein wenig unter der Hitze. Das war bedauerlich, denn die Leistungen der jungen Leute konnten sich sehen lassen.

Bildungshunger nach Klassik

Die beiden ersten Kandidaten waren zwei junge Lehrerinnen. Diese vielleicht überraschende Tatsache erläuterte Florian Koltun folgendermaßen: „In China besteht ein großer Bildungshunger nach klassischer Musik. Die dortigen Universitäten haben jedoch keine lange Tradition und können den Studenten zwar hervorragende Spieltechnik, aber nur wenig profundes Wissen über stilgerechte Interpretation der großen klassischen und romantischen Klavierliteratur vermitteln.“

Zunächst erklang Praeludium und Fuge in c-moll von Bach, gespielt von der 27-jährigen Mar Qing. Während das Präludium noch etwas mehr Tempo vertragen konnte, gelang die Fuge kraftvoll und überzeugend. Auch Yue Yuan Pang gelang beim Improptu op. 90 Nr. 2 von Franz Schubert eine hübsche, wenn auch nicht ganz fehlerlose Wiedergabe. Sehr gediegen und brillant trug Yue Wang das Rondo capriccioso op. 14 von Mendelssohn vor, auch Guo Jin Yi gefiel mit „Pi Huang“ aus der Feder des chinesischen Komponisten Z. Chao, das von bezaubernder fernöstlicher Harmonik beherrscht wurde. Guo Yue Fang hatte sich das kaum virtuose, aber sehr gefühlstiefe Nocturne op. 55 Nr. 2 von Chopin ausgesucht, das gleichfalls positive Resonanz bei den Zuhörern fand.

Schön und ausgereift

Das letzte Stück vor der Pause war der erste Satz der berühmten „Appassionata“ von Beethoven. Dies war schon eine echte Herausforderung für Zhao Yin Xuan, die aber technisch vorzüglich gemeistert wurde.

Im zweiten Teil kamen vor allem die jüngeren Teilnehmer des Meisterkurses zum Einsatz. Der erst zehnjährige Zhang Jun Yu meisterte den ersten Satz der Mozart-Sonate KV 570 in B-Dur mit bereits erstaunlicher Sicherheit, ebenso überzeugte Qian Yi Lin mit dem Kopfsatz der Haydn-Sonate in G-Dur und brachte anschließend die unruhige Motorik der Chopin-Etüde op. 25 Nr. 2 auf fesselnde Weise zum Ausdruck. Mit spritzig-frischem Temperament gefiel Cui Yi Xin bei der Etüde Nr. 6 von Moritz Moszkowski, anschließend konnte man von Shen Nan das Improptu op. 90 von Schubert ein zweites Mal hören — und diesmal sogar noch schöner und ausgereifter.

Ein beachtliches Talent scheint Han Yi Xin zu sein, denn der dritte Satz der Beethoven-Sonate op. 10 Nr. 1 und die bekannte „Schwarze-Tasten-Etüde“ von Chopin stellen schon sehr hohe technische und musikalische Ansprüche.

Eine fast noch schwerere Aufgabe hatte sich Tao Ye mit den ersten zwei Sätzen der „Wanderer-Fantasie“ D 760 von Schubert gestellt, die jedoch glänzend gelöst wurde.

Den prächtigen Schlusspunkt setzte dann Sun Yi mit der Ballade Nr. 1 von Chopin. Am Ende gab es anhaltenden, hochverdienten Beifall für alle musikalischen Vorträge.