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Amtsgericht Geilenkirchen : Mehrjährige Haftstrafen für brüderlicher Einbruchsserie

Amtsgericht Geilenkirchen : Mehrjährige Haftstrafen für brüderlicher Einbruchsserie

Schöffengericht Geilenkirchen verurteilte zwei Brüder aus Heinsberg und Hückelhoven zu drei Jahren und sechs Monaten sowie zwei Jahren und sechs Monaten Haft. Sie sind unter anderem in einen Kindergarten und eine Kirche eingebrochen.

Richter Thomas Schöning und seine zwei Schöffen mussten sich am Donnerstag am Amtsgericht Geilenkirchen durch eine lange Liste an Anklagepunkten arbeiten. Zwei Brüdern aus Heinsberg und Hückelhoven wurde eine Serie an gemeinschaftlichen Einbruchdiebstählen im März dieses Jahrs vorgeworfen. In einem Gangelter Kindergarten, einem Pfarrbüro, einer Kirche und einem weiteren Pfarrbüro suchten der 46-Jährige und der 37-Jährige nach Wertgegenständen. Dabei erbeuteten sie im Kindergarten mehrere Elektrogeräte und im Pfarrbüro nahmen sie Bargeld in Höhe von mindestens 120 Euro sowie Schlüssel mit. Die beiden anderen Einbrüche scheiterten im Versuch.

Der Flur vor dem Gerichtssaal war voll. Familienangehörige wollten die Brüder sehen. Schließlich saßen beide seit März in Haft. Beide Brüder mussten sich in diesem Verfahren zusätzlich noch für Taten ohne den jeweils anderen verantworten.

So hatte der Jüngere bereits im Dezember vergangenen Jahres einen Transporter aufgebrochen und daraus Werkzeug im Wert von rund 1.700 Euro entwendet. Im Januar folgte ein Einbruch in eine Gaststätte. Hier steckte der vierfache Vater K. Geld und Schlüssel ein. In der gleichen Nacht versuchte er einen Einbruch in einen Kiosk und eine Imbissbude. Diese Taten scheiterten allerdings im Versuch da der Angeklagte entdeckt wurde. Hinzu kamen bei K. noch Anklagepunkte aufgrund von familiären Streitigkeiten: eine Körperverletzung gegen die Ehefrau, eine Körperverletzung gegen einen Freund der Ehefrau sowie Drohung, Beleidung und Nötigung.

Der Ältere wurde zusätzlich für einen Einbruch in eine Kirche in Waldfeucht angeklagt. Im Dezember hatte F. dort 80 Euro in bar gestohlen. Wenige Monate zuvor war F. noch im Garten- und Landschaftsbau selbstständig. Im September scheiterte er mit der Firma.

„Nach der Trennung von meiner Ehefrau bin ich in ein Loch gefallen“, versuchte K. sein Verhalten zu erklären. Er habe seinen Job im Straßenbau verloren, habe unter schlechtem Einfluss gestanden und wieder angefangen Drogen Speed, Kokain und Cannabis zu nehmen: „Vorher war ich zehn Jahre clean und straffrei.“ Allerdings stand K. trotzdem zum Tatzeitpunkt noch immer unter sechs laufenden Bewährungsstrafen, wie Richter Schöning mit einem Blick in sein Vorstrafenregister feststellte. In der Liste finden sich unter anderem schwerer Diebstahl, Betrug, Hehlerei, Bedrohung und ein versuchter Wohnungseinbruch. Mehrere Freiheitsstrafen von mehreren Jahren wurden bereits verbüßt. Auch der ältere Bruder hat eine lange Liste an Vorstrafen, ebenfalls unter anderem für Einbruchdiebstahl, gefährliche vorsätzliche Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung. Nach dem Verlesen musste der Richter Schöning erst einmal tief durchatmen: „Wow.“ Erschwerend kam bei F. hinzu, dass die erste Tat seiner Reihe nur eine Woche nach einem anderen Urteil zu einer Bewährungsstrafe beging. „Warum der Richter da noch eine Bewährungsstrafe ausgesprochen hat ist mir schleierhaft“, warf der Staatsanwalt ein.

Im Prozess zeigten sich die Brüder geständig. Die zahlreichen geladenen Zeugen wurden alle wieder nach Hause geschickt. Das Geständnis berücksichtigte der Staatsanwalt bei seiner Strafforderung, ebenso den Fakt, dass ein gemeinschaftlicher Einbruch im Versuch scheiterte, der Schaden relativ gering ausfiel und eine Rauschgiftabhängigkeit im Spiel war: „Trotzdem ist da aber noch eine Latte an Vorstrafen.“ In Summe komme er für F. auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Ähnliche mildernden Gründe führte er bei dem jüngeren Bruder an. Die Körperverletzung müsse man hier im Kontext der familiären Probleme sehen, die persönliche Krise des Angeklagten erkenne er an. Allerdings sei K. ebenfalls bereits einschlägig vorbestraft. Auch für den jüngeren Bruder forderte er somit drei Jahre und sechs Monate.

Die Schöffen und Richter Schöning folgten dem geforderten Strafmaß bei K.: Er muss für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. „Wenn man sich die einzelnen Taten für sich genommen addiert, hätte man auch bei fünf bis sechs Jahren landen können“, stellte der Richter klar. Dann wäre es aber ein Fall für das Landgericht geworden. Das Geständnis habe sich hier gravierend auf die Jahre ausgewirkt. Gleichwohl betonte der Richter das morbide Konstrukt der Einbruchsserie: „Warum bricht man in einen Kindergarten ein? Was will man da anderes erwarten als Milchschnitten und Kakaotüten?“. Beim älteren Bruder bleibt das Urteil mit einer kürzeren Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten unter dem geforderten Strafmaß. In beiden Fällen wurde der bestehende Haftbefehl sehr zum Missfallen des Staatsanwalts aufgehoben.