Übach-Palenberg: Mangelhafter Zustand am Friedhof in Frelenberg

Übach-Palenberg : Mangelhafter Zustand am Friedhof in Frelenberg

Der Friedhof an der Alten Kirche in Frelenberg macht einen verwahrlosten Eindruck, so als würde sich niemand um diese idyllisch gelungene Ruhestätte der Verstorbenen kümmern. Stinksauer macht das die Besucher, die gerade in den heißen Sommertagen öfter zu den Gräbern gehen, um den Blumen Wasser zu bringen.

Das Wasserholen ist ein zusätzliches Ärgernis vor allem für die ältere Generation, die Gräber im hinteren Friedhofsteil zu pflegen hat. Denn seit dem vergangenen Winter ist die Wasserzapfstelle am Haupteingang Annabergstraße wegen eines Rohrbruchs außer Betrieb. Das heißt, Wasser gibt es nur noch an der Rückfront der Alten Kirche. Leider fehlt da inzwischen der Drehknopf des Absperrventils, doch mit viel Kraft in den Fingerspitzen lässt sich hier noch der Hahn öffnen.

Reinhard Kirchhof hat diese Kraft noch und glücklicherweise auch noch genügend Energie, um für seine älteren Nachbarn ein paar Kannen Wasser zu schleppen. Eigentlich sei er ja evangelisch, sagt Kirchhof, doch der Zustand des Friedhofs lässt auch ihn nicht unberührt.

Kirchhof trägt an jedem Arm eine Zehnliter-Gießkanne. Rosemarie Wittkämper ist an diesem Abend mit nur einer Kanne unterwegs. Während Kirchhof noch in erträglicher Entfernung zur Zapfstelle Grabstellen gießt, hat Wittkämper ein ordentliches Stück bis ans recht verwilderte Ende des Friedhofs zu gehen. Sie hat Wassersparen gelernt. „Früher habe ich auch zwei Kannen auf die Gräber gegossen“, sagt sie, doch 20 Kilo sind ihr zu schwer.

Wer ist zuständig?

Noch schwerer fällt den älteren Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind, der Gang über den Kiesweg von der Zapfstelle bis zu den Gräbern. Manche machen den Weg dreimal mit entsprechend wenig Wasser. Morgens sei am meisten Betrieb auf dem Friedhof, hat Rosemarie Wittkämper festgestellt, dann würden alle schimpfen, aber keiner wüsste was zu tun sei.

Rosemarie Wittkämper hatte bereits bei der Stadt angefragt, da es sich aber um einen Friedhof der Katholischen Kirchengemeinde St. Dionysius Frelenberg handelt, war die Stadt nicht zuständig. Wer genau der zuständige Pfarrer ist, wusste Wittkämper nicht in Erfahrung zu bringen und wandte sich auf gut Glück an die Zeitung. Denn so wie der Friedhof derzeit aussieht, könne er nicht bleiben, meint Rosemarie Wittkämper.

In der Tat ist es nicht ganz einfach, in Kontakt mit dem für Frelenberg zuständigen Pfarrer zu treten. Zuständig ist Pfarrer Stephan Rüssel, doch das Gemeindebüro ist nur eine Stunde in der Woche besetzt. St. Dionysius Frelenberg gehört zur Pfarrei St. Petrus Übach-Palenberg.

Im Kirchenvorstand sind zwei Frelenberger vertreten. Der eine heißt Hans Hansen, der zweite Hans-Josef Hall. Hansen erzählt am Telefon, dass ihm das Problem bekannt sei, er den Ärger der Bürger gut verstehen könne und er sagt: „Wir versuchen für Frelenberg alles Mögliche rauszuholen.“ Die neue Wasserleitung sei vom Kirchenvorstand genehmigt und Ende August, Anfang September müsste der Anschluss fertig sein. Hansen rechnet mit Kosten in Höhe von 8000 Euro und hofft, dass einiges in Eigenleistung erledigt werden kann.

Abfallgrube entleeren

Frelenbergs Ortsvorsteher Jens Meyer hatte bereits seine Unterstützung beim Ausheben des Grabens für die neue Wasserleitung zugesagt. „Darauf greife ich gerne zurück“, sagt Hans Hansen, der auf eine günstige Baggermiete in den Bauferien setzt. Dann sollen auch die beiden Abfallgruben, deren Entleerung jährlich 1800 Euro kostet, mit neuen auf dem Friedhof verteilte Behälter ersetzt werden.

Wenn es nach Hans Hansen und Hans-Josef Hall ginge, sähe der Frelenberger Friedhof sicherlich schon längst anders aus. Doch woran liegt es, dass die über dem Wurmtal rund um die wunderschöne Alte Kirche gelegene letzte Ruhestätte in einen solch erbarmungswürdigen Zustand gelangen konnte?

Auch bei der Instandsetzung der Treppe, die von der Geilenkirchener Straße hinauf zur Alten Kirche und zum Friedhof führt, war Eigeninitiative gefragt gewesen. Fred Fröschen hatte langen Atem bewiesen, sich eingesetzt und Mitstreiter gefunden, die die Treppe herrichteten. Die Kirche hatte schließlich das Geländer spendiert. Die Einweihung war groß gefeiert worden.

„Wir wollen ja auch noch eine Bank oben an die Treppe setzen“, sagt Hans Hansen, „wir werden gucken, was sich machen lässt.“ Gemunkelt wird, dass sich in den Bistumsstrukturen etwas ändern soll. Dann sollen die Kirchenvorstände nur noch für drei Jahre statt sechs gewählt und dann soll es fünf hauptamtliche Geschäftsführer im Bistum geben und dann soll alles besser werden — oder auch nicht.

Die Pressstelle des Bistums erklärt nur, dass im November die nächsten Kirchenvorstandswahlen stattfänden. Die Vertreter würden dabei für sechs Jahre gewählt.

(defi)
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