Geilenkrichen: Mädchen können nicht Fußball spielen? Doch!

Geilenkrichen: Mädchen können nicht Fußball spielen? Doch!

Nudeln gab es. Und zwar ausschließlich. Nichts anderes. Noch nicht mal Tomatensoße war im Angebot enthalten. Es ist eines der ersten Erlebnisse woran sich Kristina Hild erinnert, wenn sie an das Länderspiel in Schottland zurückdenkt.

Natürlich auch an den deutlichen 3:0-Sieg gegen die schottischen Kickerinnen. Aber auch an das Gefühl, im Trikot der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft aufzulaufen: „Das ist einfach ein geiles Gefühl, da im Mittelkreis zu stehen und die Hymne zu singen. Das ist quasi so, als wenn ein ganzes Land einem zujubelt”, sagt die 16-Jährige und ihre Augen glänzen. Das Nachwuchstalent aus Geilenkirchen weiß, wovon sie redet.

Puppen? Nein, danke!

Mit der U15-Nationalmannschaft hat sie schon Partien nicht nur gegen die Schotten, sondern auch gegen die Niederländer miterlebt. Das ist natürlich umso schöner, wenn es wie gegen die Holländerinnen 4:2 für Deutschland ausgeht. Mit vier Jahren hat sie ihre Leidenschaft für das runde Leder entdeckt. „Kristina hat zuerst mit dem Ball gespielt, bevor sie Laufen gelernt hat”, sagt ihre Mutter Nadja scherzhaft. Eine Puppe hat sie Gott sei Dank nie geschenkt bekommen, sagt Kristina und lacht.

Heute ist die Geilenkirchener besser im Fußball als ihr großer Bruder, der ihr eins das Spiel beibrachte. Und auf dem Weg mal so bekannt zu werden wie ihr großes Vorbild: Fatmire Bajramaj. Die hat eine besonders gute Technik, schwärmt Kristina. Bajramaj spielt im äußeren Mittelfeld, Kristina auf der Position der Außenverteidigerin. „Torgefährlich bin ich schon - nur eben nicht so oft”, sagt Kristina Hild.

Für ihren großen Traum arbeitet die 15-Jährige hart. Vier- bis fünfmal in der Woche geht es auf den Trainingsplatz für mindestens anderthalb Stunden bei ihrem Verein Germania Bauchem. Dort steht Kristina nicht selten mit männlichen Jugendlichen auf dem Platz. Auch denen ist sie in den meisten Fällen überlegen. Denn groß geschrieben wird im Frauenfußball die Technik. Die spielt schon bei den kleinen Nachwuchskickerinnen eine große Rolle. Und trotzdem gibt es immer noch die Unverbesserlichen, die murren, wenn es um Frauen und Fußball geht: Frauen können keinen Fußball spielen. Ach, das sind Mädchen, die können doch eh nix. Sätze, die auch Kristina schon gehört hat.

Zum Glück nicht mehr so häufig wie in ihren Anfangfsjahren. Denn mit dem Gewinn von zwei Weltmeisterschaften und dem Titel bei der Europameisterschaft ist der Frauen-Fußball längst aus seinem Schattendasein herausgetreten. Ab nächste Woche bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land wollen die Damen ihren Titel verteidigen. Kristina wird sich die Spiele ansehen.

Zuhause mit der Familie, aber auch live im Stadion. Sie wird sich vorstellen, wie es ist, einmal selbst da unten auf dem Rasen zu stehen und um die Weltmeisterschaft mitzukicken. Denn das ist ihr Ziel. Und bei Auswärtspielen der A-Nationalmannschaft gibt es bestimmt ein größeres kulinarisches Angebot als bloß trockene Nudeln.