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Lokaler Teilhabekreis braucht mehr Aufmerksamkeit

Mittendrin dabei sein : Lokaler Teilhabekreis feiert Zehnjähriges

Das Jubiläum „10 Jahre Lokaler Teilhabekreis Geilenkirchen“ wird am 6. September gefeiert. Die Feier wird coronabedingt im kleinen Rahmen über die Bühne gehen. Doch eigentlich hätte es ein großes Fest mit möglichst viel Tamtam werden müssen, denn der Teilhabekreis braucht vor allem eines: die Aufmerksamkeit der Bürger.

Die Gemeindesozialarbeiterin der Caritas, Nicole Abels, hatte den Lokalen Teilhabekreis Geilenkirchen, den ersten im Kreis Heinsberg, am 14. Oktober 2010 gegründet. Der Bundesverband Caritas-Behindertenhilfe und Psychiatrie hatte bundesweit erste Lokale Teilhabekreise im Rahmen des Projektes „Am Leben in der Gemeinde teilhaben“ ab 2007 auf den Weg gebracht. Menschen mit Behinderung am Leben in der Gemeinde teilhaben zu lassen, ist auch heute noch das Ziel Lokaler Teilhabekreise, von denen es mittlerweile im Kreis Heinsberg neben Geilenkirchen vier weitere in Hückelhoven, Erkelenz, Heinsberg und Gangelt gibt.

Adelheid Venghaus von der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit geistiger Behinderung für den Kreis Heinsberg hat den Lokalen Teilhabekreis Geilenkirchen von Beginn an unterstützt und hält bis heute gemeinsam mit Nicole Abels die Fäden in der Hand. „Die Themen und das Tempo der Umsetzung bestimmen aber unsere Teilnehmer“, sagt Adelheid Venghaus.

An der Gründungsveranstaltung hatten 2010 25 Menschen teilgenommen. Die Anzahl der teilnehmenden Personen an den vier jährlich stattfindenden Treffen des Teilhabekreises Geilenkirchen ist bis heute gleich geblieben. Abels und Venghaus bedauern vor allem, dass das Interesse nichtbehinderter Menschen bislang ausblieb.

Axel Perschon lebt in einer von der Via Nobis betreuten Wohnung in Geilenkirchen und besucht die Treffen des Teilhabekreises von Beginn an. Besonders gut findet er, dass man bei den Treffen sagen darf, was einem nicht gefällt. Über die zehn Jahre hinweg war die Barrierefreiheit in der Stadt Geilenkirchen ein großes Thema.

Ein wichtiges Instrument um mögliche Barrieren in den Köpfen der Menschen zu überwinden, war der Stand des Teilhabekreises auf dem Kunst- und Handerkermarkt. Mitmachaktionen für Kinder zogen die Eltern mit an. So kam man schnell und ungezwungen ins Gespräch.

Immer wieder versuchen Nicole Abels und Adelheid Venghaus ihren Teilnehmern Türen zu öffnen, die durch sie dann natürlich selber gehen müssen. Jüngstes Beispiel ist eine Fotoaktion gemeinsam mit Schülern der Realschule Geilenkirchen und Besuchern des evangelischen Jugendheims Zille. Es ging um die Lieblingsplätze der Teilnehmer im Stadtgebiet.

Aus den Bildern soll eine Ausstellung zum 10-Jährigen gestaltet werden, die ab 6. September im Bürgerhaus zu sehen sein wird. Den ersten Platz der Lieblingsplätze dürfte wohl der Wurmauenpark belegen. Axel Perschon mag die idyllischen Ecken des Parks. Und auch Sylvia Hormes-Putros, Besucherin des Zille, hat sich den Park als Lieblingsplatz auserkoren, an dem viele gemeinsame Erinnerungen mit ihrer Familie hängen.

„Jeder Mensch ist gleich, allein das Innere zählt“, sagt die 20-jährige Sylvia Hormes-Putros auf die Frage, ob es Berührungsängste mit den übrigen Teilnehmern der Fotoaktion gegeben habe.

Keine Berührungsängste

Ihr Zille-Kollege Michael Gabel hat den Kontakt in der Gruppe als Bereicherung empfunden. „Ich habe keine Berührungsängste, ich nehme die Menschen, wie sie sind.“ Wenn die beiden aus dem Zille repräsentativ für die Gesellschaft, in der wir leben, wären, könnte sich der Lokale Teilhabekreis sicherlich zügig auflösen.

Axel Perschon redet nicht viel, macht sich aber seine Gedanken. Er bekomme viel Hilfe im Betreuten Wohnen, sagt er. In der Stadt erlebe er zweierlei, einmal Verständnis und einmal Unverständnis. „Ich weiß nicht, ob es an mir liegt.“ Manchmal sei er vielleicht etwas voreilig etwa beim Einkaufen, sagt Perschon, „das geht natürlich nicht“.

2014 bis 2016 hatte sich eine preisgekrönte Gemeinschaftsaktion der Lokalen Teilhabekreise im Kreisgebiet unter dem Motto „Wir sind dabei“ mit dem Thema „Barrierefreiheit“ befasst. Die Schirmherrschaft hatte Landrat Stephan Pusch übernommen. Diese Aktion, die auch überregional wahrgenommen worden war, ist sicherlich ein Highlight in der Chronik des Teilhabekreises Geilenkirchen.

Doch mindestens genauso wichtig wie ein solch erfolgreiches Projekt sind die Fortschritte in Richtung Selbstständigkeit, die die Teilnehmer des Geilenkirchener Teilhabekreises in den letzten Jahren gemacht haben. „Das entschädigt für vieles“, sagt Adelheid Venghaus und meint damit die mangelnde Beteiligung von Menschen ohne Behinderung an den Aktivitäten des Teilhabekreises. Wenn jemand keine Berührungspunkte habe, dann sei es schwer, ihn für eine Mitarbeit zu gewinnen, hat Nicole Abels festgestellt.

Kurz nach der Jubiläumsfeier im September sind Kommunalwahlen. Axel Perschon könnte auch wählen gehen. Doch er will sich erstmal die Kandidaten genau anschauen, ob einer dabei ist, der ihm zusagt.