Übach-Palenberg: Literaturkurs des CMG präsentiert „Schöne neue Welt“

Übach-Palenberg : Literaturkurs des CMG präsentiert „Schöne neue Welt“

Herzzerreißendes Babygeschrei auf der Bühne des Pädagogischen Zentrums in Übach — doch keine Sorge: Es kam vom Band und war Teil des Stücks, das der 32-köpfige Literaturkurs Q1 des Carolus-Magnus-Gymnasiums (CMG) kürzlich aufführte. Schon als Babys werden darin die Menschen mit fragwürdigen Mitteln konditioniert, Blumen und Bücher abzulehnen.

Nach einem halben Jahr Probenarbeit inszenierten die Schüler den Zukunfts-Roman „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley grandios auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Sogar das Drehbuch hierzu schrieben sie selbst. Martina Corsten, die als Regisseurin glänzte, ließ wissen: „Da wir in eine sterile Welt eintauchen, benötigten wir nur wenige Requisiten wie Regenschirme als Schutz oder Versteck, zwei Tische und mehrere Hocker.“

Mit schwungvollen Tanzeinlagen bringen die Akteure Leben in das PZ: Der Literaturkurs des CMG zeigt „Schöne neue Welt“ in eigener Überarbeitung. Weiß gekleidete „Alphas“ haben in dem Stück das Sagen, während schwarz gekleidete „Epsilons“ nur den Boden wischen dürfen. Foto: Renate Kolodzey

In diesem anspruchsvollen Stück wird eine „perfekte“ Gesellschaft präsentiert, die jedoch eingezwängt in Kasten ist. Der Nachwuchs wird je nach Bedarf im Labor produziert und in Aufzuchtszentren großgezogen. Gefühlsregungen und Individualität sind verpönt. Die Glücksdroge „Soma“ verhindert kritisches Denken, und „Forever young“ ist das Credo.

Als Sonderling John (blau-rosa Kleidung) die Tütchen mit der Glücksdroge „Soma“ vernichtet, sind die Menschen außer sich. Foto: Renate Kolodzey

Außenseiter, die sich nicht integrieren lassen, leben in Reservaten und werden als „Wilde“ bezeichnet. Auf der Bühne visualisierten die Schüler dies, indem sie das ganz normale Leben von Familien mit Kindern und betagten Menschen darstellten. Jemand las sogar in einem Buch. All das wirkte verstörend auf die Besucher der neuen Welt: „Igitt! Alte, kranke Menschen — wie widerlich! Das gibt’s bei uns nicht.“ Schwungvolle Tanzeinlagen lockerten den „schweren Stoff“ auf.

Liebe wird nicht erwidert

John, einer der „Wilden“, besucht die neue Welt und verliebt sich in das Mädchen Lenina, das jedoch nur sexuelles Interesse hat. In dieser Szene versteckte sich auf der Bühne Lenina, die, wie alle Rollen, von mehreren Akteuren dargestellt wurde, hinter einem Regenschirm und warf John ihre Unterwäsche zu — natürlich nicht die, die sie gerade trug. Dementsprechend flogen im PZ zum Amüsement der Zuschauer BHs und Slips auf die Bühne, die John irritiert aufhob und zur Gaudi der Besucher einzeln in die Höhe hielt.

John hasst die neue Welt und will deren Bewohner aufrütteln: „Das ist idiotisch hier — ihr lebt ohne Freiheit! Ich fordere das Recht, unglücklich zu sein, alt und impotent zu werden!“ Obwohl er sogar auf die Glücksdroge vernichtet, erreicht er sein Ziel nicht: Die Menschen wollen so leben wie bisher. Aus Verzweiflung hungert er sich zu Tode.

Mit stürmischem Beifall würdigte das Publikum die rund zweistündige, beeindruckende Leistung der talentierten, jungen Truppe. Corsten zog noch ein Ass aus dem Ärmel, als sie verkündete, das Stück dürfe am 15. Mai im Aachener Stadttheater und am 15. Juni im PZ im Rahmen der Schultheatertage aufgeführt werden, woraufhin die Schüler vor Begeisterung so lautstark jubelten, dass sie sogar das Klatschen der Zuschauer übertönten.

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