Lidl-Konzern könnte bald in Übach-Palenberg auch Kaffee produzieren

Drei Standorte geeignet: Lidl will Kaffee möglicherweise in Übach-Palenberg produzieren

Der Stadt Übach-Palenberg steht vielleicht die nächste große Investition des Lidl-Konzerns bevor. Gebäck, Nüsse und Trockenfrüchte, Eis, Schokolade und Flaschen produziert die Schwarz-Gruppe bereits in Übach-Palenberg. Und bald könnte Kaffee hinzukommen.

Einem Bericht des Branchendienstes „Lebensmittel-Zeitung“ zufolge setzt Lidl pro Jahr 400 Millionen Euro mit dem Verkauf von Kaffee um, der bislang von Fremdherstellern angekauft wird. 150 Millionen Euro davon wolle man künftig mit selbst produzierten Kaffeeprodukten erwirtschaften. Wirtschaftlich dürfte dem die gleiche Überlegung zugrunde liegen wie bei den anderen genannten Produkten, die die Schwarz Gruppe selbst produziert: Je mehr man von der Wertschöpfungskette in den eigenen Händen hält, desto lukrativer das Geschäft. Dies haben auch Wettbewerber bereits erkannt. Aldi zum Beispiel produziert ebenfalls eigenen Kaffee.

Die Neuigkeit von der Lidl-Kaffeerösterei stößt durchaus auf ein gehobenes Interesse. Mehrere Medien, auch überregionale, haben die Recherche der „Lebensmittel-Zeitung“ bereits weiterverbreitet. Das Interesse dürfte weniger von denen Verbrauchern her rühren, die ihren Kaffee in den Filialen einkaufen, als aus der Wirtschaft: einerseits von der Konkurrenz, andererseits von produzierenden Unternehmen. Werden Einzelhandels-Giganten wie Lidl oder die Schwester Kaufland hinsichtlich eines bestimmten Produkts zu Selbstversorgern, ist diese Entwicklung durchaus dazu geeignet, für die Lieferanten erhebliche Einschnitte nach sich zu ziehen.

Die bislang offene Frage ist, ob die Kaffeerösterei tatsächlich in Übach-Palenberg entsteht – oder an einem anderen der Standorte, an denen die Schwarz-Gruppe mit ihren Tochterfirmen aktiv ist. Die Pressestelle der Stadt ließ eine Anfrage unserer Zeitung von vergangener Woche unbeantwortet, die Schwarz-Gruppe äußert sich grundsätzlich nicht zu ihren Plänen.

Drei Mögliche Standorte für Kaffeerösterei

Für eine Kaffeerösterei stünden dem Konzern in Übach-Palenberg drei mögliche Standorte zur Verfügung. Den meisten Platz böte Holthausen-Nord, wo noch für mehrere zehntausend bislang ungenutzte Quadratmeter Baurecht bestehen dürfte. In diesem Bereich wäre auch einiges an Infrastruktur vorhanden, zuletzt wurde ein riesiger Lkw-Parkplatz inklusive Brückenanbindung fertiggestellt.

Noch mehr Platz wartet ein Stück weiter westlich darauf, genutzt zu werden. Es handelt sich um das bislang nur auf dem Papier existierende Industriegebiet Drinhausen-Süd, den Bereich gegenüber von McDonalds und Real, wo im Sommer vergangenen Jahres einige Wochen lang Archäologen gebuddelt haben. Auch hier besteht schon Baurecht, allerdings handelt es sich bei der Fläche zurzeit noch um einen großen Acker ohne jede Versiegelung oder Anbindung ans Versorgungs- und Straßennetz. Wenn Lidl sich für diesen Standort entschiede, wäre also wohl von einem deutlich längeren Zeitplan auszugehen.

Die dritte Möglichkeit wäre das Gewerbegebiet Weißenhaus, sie ist allerding die wohl unwahrscheinlichste. Unweit der Boschstraße steht bereits die Flaschenfabrik der Schwarz-Gruppe, weitere Flächen sind für den Konzern reserviert. Es handelt sich aber um deutlich weniger Platz als in Holthausen-Nord und Drinhausen-Süd. Außerdem besteht noch kein Baurecht.

Es wäre eine gute Nachricht für Übach-Palenberg

Sollte der Konzern sich für Übach-Palenberg entscheiden, wäre das für die Stadt eine sehr gute Nachricht: Es würden weitere Arbeitsplätze und zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen entstehen. Ungeachtet der bisherigen Investitionen, die die Milliardengrenze schon lange überschritten haben, hat die Vergangenheit allerdings auch gezeigt, dass die Kunde von weiteren Bauvorhaben mit einer gewissen Vorsicht zu genießen ist, so lange kein Bauantrag vorliegt. So galt vor einigen Jahren noch als ausgemacht, dass Übach-Palenberg auch zum Standort für den Online-Handel von Lidl werden soll. Diese Pläne sind allerdings zwischenzeitlich wieder begraben worden, wie Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch Anfang dieses Jahres in einem Interview mit unserer Zeitung bekannt gemacht hat.

Dennoch tummeln sich in den Übach-Palenberger Gewerbegebieten mittlerweile fünf Unternehmen, die der Schwarz-Gruppe zuzurechnen sind: Bonback für Gebäck, Bon Gelati für Eiscreme, die MEG-Gruppe für Recycling und Produktion von PET-Flaschen, Solent für Schokolade und Trockenfrüchte sowie Sindra als administrative Einheit für Infrastruktur und Personal.

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