Kraudorf: Grundstückstausch Fall für das Bistum

Bürgerhaus Kraudorf : Bistum muss Grundstückstausch prüfen

Auf Antrag der CDU-Fraktion in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses wird die Stadt Geilenkirchen Förderanträge beim Land NRW für den Bau von Bürgerhäusern in Teveren und Kraudorf stellen.

Während die Vorbereitungen in Teveren geräuschlos vonstatten gehen – ein Antrag an die Bezirksregierung wurde bereits gestellt, muss aber noch überarbeitet werden -, gibt es in Kraudorf seit Monaten heftige Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern dieses Bürgerhauses.

In Teveren hat Ortsvorsteher Hans-Josef Paulus auf Bitten der Ortsvereine den Antrag für die Errichtung eines Anbaus gestellt. Aus Kraudorf hingegen hat Technischer Beigeordneter Markus Mönter seit Wochen nichts mehr gehört. Die Interessengemeinschaft sei noch „abstimmungsbedürftig“, erklärt er auf Anfrage. Sie habe bisher lediglich die Absicht erklärt, auf einem Grundstück, das der Kirchengemeinde gehört, das Bürgerhaus errichten zu wollen. Um das Projekt zu verwirklichen, ist ein Grundstückstausch zwischen der Pfarre Kraudorf und der Stadt Geilenkirchen erforderlich. Die katholische Kirchengemeinde soll für das erforderliche Grundstück ein Waldstück erhalten.

Mönter unterstützt diesen Grundstückstausch unabhängig von der Frage, ob das Bürgerhaus gebaut wird oder nicht. Denn das Grundstück liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Sportplatzes und des Feuerwehrhauses. „Deshalb haben wir bereits den Parkplatz gepachtet.“

Einem Grundstückstausch muss aber nicht nur der Stadtrat, sondern auch der Kraudorfer Kirchenvorstand zustimmen. Für den zuständigen Pfarrer Norbert Kaluza sind Bürgerhaus und Grundstückstausch derzeit kein Thema: „Die Interessengemeinschaft hat bisher keinen Antrag auf Grundstückstausch gestellt“, erklärt er auf Anfrage. Wenn der Antrag gestellt werde und der Kirchenvorstand dem Tauschgeschäft zustimme, müsse das Bistum noch das Geschäft prüfen und genehmigen.

Kritiker des Bürgerhauses gehen davon aus, dass das Bistum diese Genehmigung verweigern muss. Sie argumentieren, bei dem Grundstückstausch handele es sich um ein illegales „Insichgeschäft“, weil der Kirchenvorstand und der Vorstand der Interessengemeinschaft der Pfarre Kraudorf weitestgehend identisch seien. So sei Günter Heinrich Vorsitzender der Interessengemeinschaft Kraudorf und Mitglied im Kirchenvorstand. Dirk Hanuschik, 2. Vorsitzender der Interessengemeinschaft, sei Beisitzer der Projektgruppe Bürgerhaus und 2. Vorsitzender der Pfarre Kraudorf. Hubert Braun, Vorsitzender der Projektgruppe Bürgerhaus, sei im Kirchenvorstand der Pfarre Kraudorf. Das Insichgeschäft regelt das Bürgerliche Gesetzbuch: „Ein Vertreter kann, soweit nicht ein anderes ihm gestattet ist, im Namen des Vertretenen mit sich im eigenen Namen oder als Vertreter eines Dritten ein Rechtsgeschäft nicht vornehmen, es sei denn, dass das Rechtsgeschäft ausschließlich in der Erfüllung einer Verbindlichkeit besteht.“

Während für den zuständigen Pfarrer Nobert Kaluza das Bürgerhaus und der damit verbundene Grundstückstausch derzeit kein Thema ist, bestätigt Anja Klingbeil, Sprecherin des Bistums, dass Kirchenvorstand und Bistum im Austausch stehen. Aber: „Die Rechtmäßigkeit wie auch die Wirtschaftlichkeit jedes Grundstücksgeschäftes einer Kirchengemeinde wird von Seiten des Bistums dann geprüft, sobald es einen Beschluss des Kirchenvorstandes gibt. Ein solcher liegt noch nicht vor“, erklärt sie auf Anfrage. Derweil machen Gegner eines Neubaus sich weiterhin für eine Wiederbelebung des sanierungsbedürftigen Pfarrhauses stark, um es als Begegnungsstätte zu nutzen. Wie Karin Thieves und Eduard Jöris kürzlich den Mitgliedern des Geilenkirchener Bauausschusses schriftlich erläuterten, hätten sie im Juni der Dorfbevölkerung das Konzept „Pfarrhaus“ unterbreitet. Das Konzept sei auf breite Zustimmung im Dorf gestoßen, in der Zwischenzeit sei ein Architekt verpflichtet worden. Um das Pfarrhaus in seiner Gänze begutachten zu können, müsse das Gebäude auch von innen in Augenschein genommen werden. Hierzu werde der Schlüssel benötigt. „Aus diesem Grunde haben wir uns an Pfarrer Kaluza, den Vorsitzenden des Kirchenvorstandes, per Mail gewandt. Diese blieben unbeantwortet. Daher haben wir anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen müsse und uns sogar an das Bistum gewandt.“ Die Diskussion um das Kraudorfer Bürgerhaus wird weitergehen.

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