Mitgliederversammlung : Konrads kritisiert die gemeinsame Kandidatin

Mitgliederversammlung : Konrads kritisiert die gemeinsame Kandidatin

Geschlossenheit sieht zwar ein wenig anders aus, doch dass es leicht werden würde, eine parteilose Bürgermeisterkandidatin bei der CDU Geilenkirchen aufs Ross zu setzen, hatte auch Daniela Ritzerfeld nicht geglaubt.

Die Mitglieder des CDU-Stadtverbands hatten sich im Saal der Gaststätte Werden-Pongs versammelt. Es galt vordringlich den Vorstand neu zu wählen. Das gelang problemlos und ging dank Wahlleiter Christoph Kaminski, Schatzmeister des CDU-Kreisverbands, auch zügig vonstatten.

Dirk Kochs bleibt an der Spitze

Der „alte“ Stadtverbandsvorsitzende, Dirk Kochs, wurde ohne Gegenkandidat von den 66 stimmberechtigten Mitgliedern mit 58 Ja-Stimmen, 6 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen im Amt bestätigt. Dirk Kochs hatte zuvor den Bericht des Vorstands abgegeben.

Hans-Josef Paulus plädierte für die eingeschlagene Richtung, eine gemeinsame Bürgermeisterkandidatin ins Rennen zu schicken. Foto: Dettmar Fischer

Kochs ging auf das beherrschende Thema der letzten Monate ein, die Findung eines Bürgermeisterkandidaten, der dem amtierenden Bürgermeister Georg Schmitz Paroli bieten könnte. Wie berichtet, hatten sich die Vorstände von CDU, SPD, Grünen und Bürgerliste auf die Sozialdezernentin des Kreises Heinsberg, die in Immendorf lebende, parteilose Daniela Ritzerfeld verständigt.

Dirk Kochs erklärte in seiner Ansprache vor den Mitgliedern des Stadtverbands, dass, auch wenn man eine gemeinsame Kandidatin ins Rennen schicken würde, jede Partei ihren eigenen Wahlkampf machen würde.

Daniela Ritzerfeld stellte sich den Mitgliedern des CDU-Stadtverbands als potentielle Bürgermeisterkandidatin vor. Foto: Dettmar Fischer

Nominierung im November 

Voraussetzung für die Umsetzung des Wahlkampfplans der Parteivorstände ist die Nominierung der Kandidatin durch die Parteimitglieder. Die Nominierungsversammlung der Geilenkirchener CDU soll am 12. September stattfinden.

Im Anschluss an Dirk Kochs Rede, meldete sich der Stadtverordnete Karl-Peter Konrads zu Wort und trat mit einem Redemanuskript auf die Bühne. Konrads kritisierte den Vorschlag des Vorstands, eine gemeinsame Bürgermeisterkandidatin aufzustellen: „Ich bin da ganz anderer Meinung.“ Es müsse erlaubt sein, das Thema kontrovers zu diskutieren. Es gehe ihm um die Wahlkampfstrategie, erläuterte Konrads, und nicht um die Qualität der Kandidatin. Die Vorstellung bei einer gemeinsamen Bürgermeisterkandidatin einen getrennten Wahlkampf bestreiten zu wollen, halte er für schlichtweg undenkbar. Er wolle das Bürgermeisteramt und die Mehrheit im Rat für die CDU erringen. Die CDU in Geilenkirchen habe 40 bis 50 Prozent Wählerpotential.

Der bisherige Bürgermeister, so Konrads, habe seinen Wahlkampf doch mit dem Hinweis auf sein fehlendes Fachwissen „zelebriert“ und darauf verwiesen, dass Fachwissen in der Verwaltung vorhanden sei. Dem Beigeordneten, Herbert Brunen, und seinen Kollegen könne man sicherlich das Fachwissen nicht absprechen. Somit könne man mit dem Argument, die Kandidatin Ritzerfeld verfüge über großes Fachwissen auch keinen Wahlkampf führen. Es sei eher schädlich, da man so der Verwaltung indirekt ihr Fachwissen abspreche. „Wir brauchen eine Mehrheit über den Markenkern“, forderte Konrads. Der Markenkern sei das Menschenbild der CDU.

Als Konrads begann den Markenkern seiner Partei genauer zu definieren, wurde es einigen CDU-Mitgliedern zu viel und Zwischenrufe mit der Forderung „Aufhören“ wurden laut. Konrads forderte weiter, die CDU müsse klar ihre Position vertreten, dies könne nur mit einem eigenen Kandidaten geschehen. „Entweder Frau Ritzerfeld tritt als unsere Kandidatin auf“, schlussfolgerte Karl-Peter Konrads oder die CDU müsse sich einen eigenen Kandidaten suchen. Konrads erhielt verhaltenen Beifall für seine kritischen Anmerkungen. Dr. Armin Leon versuchte als erster Redner den Wahlkampfdampfer wieder auf den Kurs des Vorstands zu steuern. Dieser habe seine Entscheidung wohl überlegt und dabei auch manche Probleme bedacht, die Konrads genannt habe.

Große Zustimmung der Mitglieder fand Hans-Josef Paulus. Er bedauerte, dass die Versammlung zum Anlass für eine Personaldiskussion genommen werde. Man solle keine alten Wunden aufreißen, „das bringt uns nicht weiter.“ Für ihn persönlich sei das Parteibuch unwichtig. Paulus: „Wir müssen mit aller Kraft dafür sorgen, dass diese Frau durchkommt.“

Daniela Ritzerfeld hatte derweil noch im Vorraum der Gaststätte auf ihre Vorstellung gewartet. Sie stellte klar, dass sie ganz bewusst keiner Partei angehöre und dies auch weiterhin so halten wolle.

So kann es nicht weitergehen

Die Begeisterung der Parteivorstände in den Vorgesprächen hätten sie bewogen, den gemeinsamen Weg mit den unterschiedlichen Parteien zu gehen. Sie habe, obwohl sie derzeit nur die Kandidatin für die Kandidatur zum Bürgermeisteramt sei, schon viele Gespräche mit Bürgern geführt, die wollen, dass ihre Stadt nach vorne gebracht werde. Ritzerfeld: „So wie es im Moment läuft, kann es nicht weitergehen.“

Der aktuelle Bürgermeister sei in puncto Beliebtheit sehr stark.  Und scherzhaft fügte sie hinzu, sie könne nicht zusagen, soviele Menschen in der Stadt mit Namen zu kennen, wie dieser. Sie sei aber davon überzeugt, dass sie in der Verwaltung gute Arbeit leisten könne. Sie sehe ihre Aufgabe darin, das vorhandene Fachwissen in eine wohldurchdachte Richtung zu lenken.

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