Konrad Beikircher in Geilenkirchen

400 Jahre Beikircher : Der „alte“ Mann hat immer noch was zu bieten

Mit seinem Programm „400 Jahre Beikircher“ ist der südtiroler Rheinländer ein Garant für beste Unterhaltung. Das beweist er auch in Geilenkirchen.

„400 Jahre Beikircher“, das ist für einen Normalsterblichen schon eine recht lange Zeit. Und wenn einem „400-Jährigen“ dann aber doch noch so viele Leute einen ganzen Abend lang zuhören, dafür sogar Geld bezahlen und sich auch noch köstlich amüsieren, wie jüngst in Geilenkirchen geschehen, dann muss der „alte Mann“ wohl immer noch was zu bieten habe. Konrad Beikircher trägt zwar das Haar inzwischen in Grau, ansonsten hat sich aber nicht viel an seinem Auftritt verändert.

Nach wie vor ist der südtiroler Rheinländer ein Garant für einen amüsanten Abend rund um seine Wahlheimat und die liebenswerten nicht nur sprachlichen Eigenheiten ihrer Bewohner. Die Stadt Geilenkirchen und die Volksbank Heinsberg hatten in Kooperation mit der Rurtal Produktion Konrad Beikircher für ihre Kabarett Reihe 2019 gewinnen können. Der Saal der städtischen Realschule war ausverkauft. Und Beikircher hatte sich schick gemacht für den Abend mit seinen Fans – zumindest was das gülden glitzernde  Schuhwerk anbetraf.

Ansonsten kommt Konrad Beikircher ohne Requisiten aus, selbst das Redemanuskript blieb unbenutzt. Der Programmtitel „400 Jahre Beikircher“ lieferte eigentlich nur den lockeren roten Faden, der hin und wieder den Abend etwas strukturierte ohne weiter störend zu wirken. Gesucht wurde der Schutzheilige zum 400-jährigen Bestehen der Kleinkunst. Die Suche habe er gemeinsam mit dem Hans-Dieter angestellt. Hans-Dieter sei aber zwischenzeitlich verstorben, und auch er, Beikircher, sei dann anderweitig beschäftigt gewesen. „Hans-Dieter“ war eine schöne Erinnerung an den legendären Kabarettisten Hans-Dieter Hüsch, und auch andere Kollegen ließ Konrad Beikircher die Ehre der Erwähnung zuteil werden, etwa Jürgen Becker.

Der Kölner Becker, der mit den Mitternachtsspitzen war gemeint, dem Beikircher ein Kaffeekränzchen mit dem Kölner Kardinal Josef Meisner zu verdanken hatte, von dem Beikircher seinem Geilenkirchener Publikum anschaulich berichtete. In den eigenen „50 Wänden“ habe ihn der Kardinal empfangen und selber das Kaffeetischchen streng nach der Mode der 1950er Jahre gedeckt, mit dem Gäbelchen in der Käsesahnetorte steckend. Jürgen Becker hatte zuvor in einem Programm Sprüche geklopft, zu denen der Kardinal die Meinung des katholischen Beikirchers hören wollte. „Da hängt eh ja de Tünnes“ hatte Jürgen Becker mit Blick auf den am Kreuze hängenden Jesus geäußert.

Das ginge gar nicht, habe er, Beikircher, dem Kardinal zu dessen Zufriedenheit zugestanden. Tünnes sei im Kölschen ein übles Schimpfwort, mit dem man keinen Religionsstifter belegen dürfe. Im Einklang habe man die Käsesahnetorte verspeist. Becker habe aber auch noch einen Vergleich angestellt. Wenn Jesus nicht am Kreuz gestorben, sondern ertränkt worden wäre, dann stünden heute auf den Altären keine Kreuze, sondern Aquarien. Dies sei aber ein toller Einfall seines Kollegen habe Konrad Beikircher dem Kardinal begeistert vom Einfallreichtum seines Kollegen gestanden, was die vermeintlich guten Beziehungen zwischen Kabarettist und Kardinal schnell wieder abgekühlt habe.

Eigentlich ist ein Abend mit Konrad Beikircher so, als würde man in der Kneipe an der Theke stehen und einer erzählt, nur dass im Falle Beikircher der eine auf der Bühne steht und die Zuhörer zu hunderten im Publikum sitzen. Mit der Kunst der Digression waren schon große Dichter wie Goethes Zeitgenosse Jean Paul Friedrich sehr erfolgreich geworden.

Auch Jean Paul liebte es, in seinen Romanen immer wieder von der Geschichte auf Nebenschauplätze abzuschweifen. Beikircher hat diese Kunst perfektioniert, und so fällt es ihm leicht Donald Trump, Jürgen Becker, Kardinal Meisner und den Rheinländer im allgemeinen abzuhandeln, ohne dass der Zuhörer das Gefühl hat, der Mann da oben habe den Faden verloren. Selbst das Rätsel Donald Trump, der mit der großartigen und unvergleichlichen Weisheit, wusste Konrad Beikircher zu lösen.

Beim Implantieren der Haare für die Markenfrisur habe man wohl etwas zu tief gestochen. Die Geilenkirchener Kabarettreihe wird am Freitag, 29. November, um 20 Uhr fortgesetzt. Dann stellt die A-capella-Band „Basta“ in der Realschule ihr neues Album „In Farbe“ vor. Bereits am Donnerstag, 28. November, gibt es ab 19 Uhr im Haus Basten noch mehr Kultur in Geilenkirchen. Dann treten auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten der Städte Geilenkirchen und Übach-Palenberg „Die netten Koketten“ (Charlotte Welling und Valerie Barth) mit ihrem Liederabend „Geben Sie acht...alles andere ist riskant!“ auf.