Klaviersommer Geilenkirchen: Junge Pianisten spielen Lunchkonzerte

Klassik für zwischendurch : Junge Pianisten aus China begeistern bei Lunchkonzert zum Klaviersommer

Die Pianisten sind noch jung, zeigen aber dennoch ein herausragendes Können. Bei den Lunchkonzerten zum 8. Klaviersommer Geilenkirchen präsentieren sich die Teinehmer des Meisterkurses ihrem Publikum.

Montag, 11.45 Uhr in der Sparkasse Geilenkirchen: Kunden stehen am Schalter, ein paar Scheine werden gezählt, das Telefon klingelt. So weit, so normal. Doch etwas ist anders in der großen, lichtdurchfluteten Schalterhalle. Einige Stuhlreihen sind aufgebaut, davor steht ein schwarzer Flügel der Firma Stainway.

Das wertvolle Instument ist in der Sparkasse bestimmt gut aufgehoben, es steht hier aber nicht nur aus Dekorationszwecken. Derzeit läuft der 8. Klaviersommer Geilenkirchen. Neben den zahlreichen Meisterkonzerten gibt es auch drei Lunchkonzerte unter dem Motto „Klassik für zwischendurch“. In den rund 25-minütigen Darbietungen erhalten die Teilnehmer des diesjährigen Meisterkurses die Gelegenheit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren – für die Besucher eine durchaus angenehme Unterbrechung des Arbeitsalltags bei freiem Eintritt.

Um 11.50 Uhr füllen sich die Stühle so langsam. Florian Koltun, Organisator des Klaviersommers, bringt die großen Stoffbanner in die richtige Position und klappt den Steinway auf. Seine Frau Xin Wang kümmert sich in der Zwischenzeit um die jungen, chinesischen Künstler, die in den Meisterkursen die Gelegenheit bekommen, erste Eindrücke in europäischer Klaviermusik zu sammeln. Florian Koltun: „Wenn man die Barockmusik von Bach spielen möchte, muss man auch mal in einer evangelischen Kirche gewesen sein, sonst versteht man die Musik nicht. Es ist wichtig, auch den Hintergrund der Musik zu kennen: die Geschichte, Philosophie, Politik und die Gesellschaft.“ Diese Gelegenheit bekommen derzeit 18 Kinder und Jugendliche in Geilenkirchen. Einige von ihnen treten bei den Lunchkonzerten auf.

Vier junge Künstler auf der Bühne (von rechts): Li Liang zhe, Zhang yu xin, Shan jing yu und Cheng jing jie. Ganz links steht der Organisator des Klaviersommers, Florian Koltun. Foto: ZVA/Simone Thelen

11.55 Uhr, noch fünf Minuten bis zum Start, und Roswitha Beckers vom Kulturamt der Stadt Geilenkirchen verteilt Gummibärchen an die Gäste in der Sparkasse. „Eine kleine Aufmerksamkeit von unseren Sponsoren“, erklärt sie. Die Gäste lassen es sich schmecken. Am Rande des Konzertsaales stehen ein paar Sesseln, hier hat sich auch ein kleiner Junge mit seinen Eltern niedergelassen, „Wir wissen nicht so genau, ob er sich benimmt“, meint der Papa. Florian Koltun schickt den Knirps samt seiner Familie in die erste Reihe. „Da sind Sie richtig“, sagt er. „Wir freuen uns, dass Sie da sind.“

Als Florian Koltun als Moderator um Punkt 12 Uhr das kleine Podium in der Sparkassenhalle betritt, haben sich rund 40 Gäste auf den Stühlen eingefunden. Das normale Schaltergeschäft läuft weiter, und immer wieder entschließt sich ein Bankkunde spontan, heute ein wenig länger zu bleiben und den schönen Klavierklängen der jungen Künstler zu lauschen. Als erste nimmt die elfjährige Cheng jing jie am Flügel Platz. Sie trägt ein cremeweißes, langes Kleid und wirkt zart wie eine Elfe. Der optische Eindruck täuscht, denn mit „Die Lerche“ von Michail Glinka präsentiert die junge Künstlerin ein durchaus virtuoses Stück, melancholisch und klangvoll, und sie macht ihre Sache wirklich gut. Vollkonzentriert spielt sie das Stück und erntet viel Applaus.

Roswitha Beckers vom Kulturamt der Stadt Geilenkirchen verteilt Gummibärchen an die Gäste. Foto: ZVA/Simone Thelen

Den gibt es auch für die zweite Künstlerin, Shan jing yu, die Präludium und Fuge von Johann Sebastian Bach präsentiert. Auch sie meistert ihre Herausforderung bestens, zumal das Stück, welches in drei Stimmen interpretiert ist, gar nicht leicht zu spielen ist.

Li Liang Zhe ist einer der jüngsten Teilnehmer des Meisterkurses. Er spielt beim Lunchkonzert eine Sonatine, die kleine Form der Sonate, und für junge Pianisten sehr gut geeignet. Florian Koltun in seiner Anmoderation: „Man sollte nicht zu früh zu schwere Stücke spielen. Die sind für Kinderhände, deren Muskulatur noch nicht voll entwickelt ist, nicht geeignet.“ Der zehnjährige Li Liang Zhe weiß, auch mit der Sonatine zu begeistern, die er übrigens genau wie die übrigen jungen Pianisten ohne Noten vorträgt. Seine Darbietung kommentiert selbst Florian Koltun mit den Worten „Das war süß!“, damit spricht er vor allen den Eltern und Großeltern im Saal sicher aus der Seele.

Zhang yu xing ist die letzte Pianistin im Bunde und schon etwas erfahrener. Das merkt man ihrem Spiel von Felix Mendelssohn Bartholdys „Rondò capriccioso“ auch an. Mendelssohn wird auch der „Mozart der Romantik“ genannt. Beim Genuss seines Stückes schließen einige Besucher die Augen und lauschen den wunderschönen Klängen, die Zhang yu xing dem Flügel entlockt. Zum Schluss treten noch einmal alle vier jungen Künstler auf die Bühne. Sie sind sichtbar stolz auf ihre Leistungen und bekommen viel Beifall.

Um 12.35 Uhr ist das Lunchkonzert vorbei, und alle Besucher, Bankkunden und das Personal gehen wieder ihren üblichen Tätigkeiten nach. „Klassik für zwischendurch“ hält das, was es verspricht: eine angenehme Pause vom Alltagstrubel mit wirklich schöner Klaviermusik.

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