Geilenkirchen: Kindergarten in Bauchem beim „Tag der Architektur 2011”

Geilenkirchen: Kindergarten in Bauchem beim „Tag der Architektur 2011”

Die Lage, das Licht, die Bäume - Karl Schmitz schwärmt gerne auch ein wenig von diesem Projekt, bei aller gebotener und zahlenbedingter Nüchternheit. Eines aber ist dem Geilenkirchener Architekten nicht zu nehmen.

Die Kindertagesstätte im Stadtteil Bauchem, vor kurzem erst in Betrieb genommen, gehört zu den auserwählten Leistungen für den „Tag der Architektur 2011”.

Im Jahr 1964 war an dieser Stelle „Im Gang” der dreigruppige katholische Kindergarten von St. Josef entstanden; 2007 gab der kirchliche Träger auf. Vor drei Jahren übernahm die Stadt Geilenkirchen das Betreuungsangebot, vor allem mit Sicht auf die gesetzliche verordnete Versorgung für Kinder unter drei Jahren. Dann die Offenbarung erheblicher Baumängel bis hin zum Schimmelbefall. Die Tagesstätte schloss.

Ausschlag für politische Entscheidung

Nur Wochen später waren die Kosten für eine Sanierung oder einen Neubau gegenübergestellt. Mit 1,8 Millionen Euro ließe sich, mit Grunderwerb, ein zeitgemäßer und zukunftsfähiger Kindergarten herstellen. Das gab den Ausschlag in der politischen Entscheidung. Karl Schmitz und Partner begannen zu planen.

Dass es den alten Baumbestand gab, Eichen und Buchen mit rund 50 Jahren Wachstum, hatte auch Einfluss auf den Baukörper der Tagesstätte, für den rund 860 Quadratmeter zur Verfügung standen. Karl Schmitz arrangierte die drei geforderten Gruppenräume nach Süden, hinter die begrünte Freifläche. Im Inneren „Frühlingsfarben”, skizziert Karl Schmitz mit hellgrün, hellgelb und hellblau. Außen die auffällige Fassade in Ocker und Grün. „Ruhiger Hintergrund vor einem lebendigen Rhythmus”, beschreibt der Planer.

Würfel auf das Planungsbrett bringen

Lokale Verhältnisse wie Würfel auf das Planungsbrett bringen, das durch das Raumprogramm des Landesjugendamtes vorgegeben ist, war eine interessante Richtlinie für Karl Schmitz. Denn in einem lebendigen Gebäude muss Entwicklung, auch Forschen möglich sein. Karl Schmitz ließ folglich in einer hellen und großzügigen Führung der Räume auch Platz für Nischen.

„Man kann praktisch durch das Gebäude hindurchsehen”, schildert Stefanie Laugs, Leiterin der Bauchemer Kindertagesstätte seit Januar 2011, den Effekt der bodentiefen Fenster. Seit Oktober 2010 ist sie schon mit dem Fortschritt des Rohbaus vertraut.

Vielfalt und Funktionalität

So konnte sie in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung die Inneneinrichtung organisieren, weil „Vielfalt und Funktionalität” für sie nicht nur architektonische Schwerpunkte sind. Zu den Gruppenräumen für die rund 50 Kinder kommen ebenfalls drei Neben- sowie drei Schlafräume. Zentral gefasst sind die Sanitäranlagen.
Aufgrund der U-3-Betreuung setzt das Land auch einen Mehrzweckraum voraus. Der ist in Bauchem mit einer Turnhalle erfüllt, die auf 55 m² mit befreiender Raumhöhe und unverbautem Blick auf den Hof förmlich einlädt.

Für Stefanie Laugs und ihr Team sind die pädagogischen Möglichkeiten offen. Ob Atelier, Theater oder kleine Rollenspiele, die Chancen sind geschaffen. Die großen Flure bieten wiederum Nischen, für die Stefanie Laugs auch schon Verwendung hat zwischen „Elternecke” oder dem digitalen Bilderrahmen.

Architektenkammer überzeugt

Drei Monate lang hat Karl Schmitz über den Plänen gebrütet. Intensiv „und ohne Feiertage” entstanden die Details von Brandschutz bis Barrierefreiheit, ein verglastes Panoramabüro und Türen mit Klemmschutz. So ist es auch der Architektenkammer NRW vorgestellt worden, die sich per Sichtungskommission von den Realitäten überzeugte. Und von dem Konzept, „Architektur den Menschen zugänglich zu machen”, wie Karl Schmitz betont.

Eine Kindertagesstätte sei ein Gebäude öffentlichen Interesses. Und in Bauchem insbesondere nicht an den Rand gedrängt, sondern als augenfälliges Haus in einer gewachsenen Wohnlage. Was jetzt schon als Besonderheit - das einzige Objekt im Südkreis - bewertet worden ist, wird im Inneren Stück für Stück ergänzt. Von den 50 Kindern, die in der Zeit von 7 bis maximal 16.30 Uhr betreut werden, befinden sich rund 15 den ganzen Tag in der Kita, etwa ein Dutzend verweilt dort bis 14 Uhr, und für die zehn U-3-Plätze wächst schon jetzt die Warteliste.

Mittagessen ab August

Ab August wird das Mittagessen im Kindergarten möglich sein; ein Lieferant bringt die Speisen. Der Neubau verfügt zwar auch über eine von Karl Schmitz geplante Küche, die aber zunächst zum Portionieren und ähnlicher Zubereitung zur Verfügung stehen soll. Dennoch hat die Küche ihre Taufe hinter sich. „Unseren ersten Gemüseauflauf”, sagt Stefanie Laugs, „haben wir schon zubereitet.” Es wird also was mit dem Forschen.

Besuchszeiten in der Kita am 2. und 3. Juli

440 beispielhafte Gebäude sind von der Architektenkammer des Landes ausgewählt worden. Diese stellen sich zum „Tag der Architektur” vor und können in 151 Städten und Gemeinden auch besucht werden.

In den Kindergarten von Geilenkirchen-Bauchem, Im Gang 40, finden Interessierte am Samstag, 2. Juli, Infos in der Zeit von 10 bis 16 Uhr; geöffnet ist die moderne Tagesstätte auch am Sonntag, 3. Juli, in der Zeit von 10 bis 18 Uhr.