Übach-Palenberg: Karlskapelle: Historisches Gebälk macht Sanierung teurer

Übach-Palenberg: Karlskapelle: Historisches Gebälk macht Sanierung teurer

Die Karlskapelle ist ein historisches Kleinod mit erheblichen Blessuren. Die Schäden, die das weiß getünchte Kirchlein in Palenberg aufweist, werden zusehends mehr und deren Beseitigung immer kostenträchtiger.

Jetzt stellt sich einmal mehr die Frage: Wie ist das wachsende Kostenpaket für die Sanierung zu schultern? Norbert Franzen, Pastoralreferent der Pfarre St. Petrus, und Dieter Zilgens, im Kirchenvorstand zuständig für die Finanzen, sind auf der Suche nach Antworten.

Als die Pfarrverantwortlichen vor einigen Jahren erstmals über die Sanierung nachdachten, konnte keiner ahnen, geschweige denn sehen, welches Ausmaß die Schäden tatsächlich haben. Der Zahn der Zeit hat - wie sich nun herausstellte - weitaus kräftiger am Gebälk genagt als angenommen. Die angesetzten Kosten in Höhe von 233.000 Euro scheinen aus dem Ruder zu laufen.

„Geplant war ursprünglich, lediglich die durch Wind und Wetter angegriffene Dachhaut zu reparieren und zu verschiefern sowie marodes Gebälk auszubessern”, erzählt Dieter Zilgens. Vor diesem Hintergrund erstellte die Pfarre 2010 ein Sanierungskonzept, das allerdings bei der für die Zuschussvergabe zuständigen Regionalgruppe des Bistums zunächst keine Berücksichtigung fand. Norbert Franzen erinnert sich: „Das Gremium ging davon aus, dass wir als Großpfarre mit acht Kirchen überversorgt sind. Man betrachtete beim Bistum die Kapelle nicht als historisches Gebäude, sondern als pastorale Einrichtung. Am Ende kam dann doch die Einsicht, die Karls-kapelle als zusätzliches Gotteshaus zu bewerten.”

Die Gesamtkosten, die man 2010 errechnete, beliefen sich auf 233 000 Euro; das Bistum Aachen ist mit 114.000 Euro beteiligt, außerdem mit im Boot ist - wegen der geschichtlich-architektonischen Bedeutung der Kapelle - das Amt für Denkmalschutz und -pflege in Bonn, das 28 500 Euro beisteuert. „Die restlichen 90.000 Euro muss St. Petrus aus eigener Tasche zahlen”, erklärt Franzen. Eine Menge Euros für eine Kirchengemeinde, der, wie vielen anderen auch, das nötige Kleingeld fehlt.

Privatpersonen, Vereine und Parteien spendeten, Musiker luden zu Benefizkonzerten. „Gesammelt wurden bislang Spenden in Höhe von 66.000 Euro. Unterm Strich muss die Pfarre also einen Eigenanteil von 24.000 Euro aufbringen”, bilanziert Schatzmeister Zilgens. Doch diese Rechnung, diese Summe stimmte bis zum November vergangenen Jahres: Bei den Dacharbeiten musste man feststellen, dass nicht nur die Dachhaut desolat ist, sondern die Sparren darunter durch Nässe und Feuchtigkeit morsch geworden sind.

Man hatte bereits im Chorbereich begonnen, die alten Balken durch neue zu ersetzen, da schaltete sich das Amt für Denkmalschutz und -pflege intensiver ein. Das Amt ließ die Eichenhölzer beim Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln untersuchen - und siehe da: Die Sparren sind von Eichen, die zwischen Oktober 1518 und März 1519 gefällt wurden. Gerechnet hatte man mit einem Datum Mitte des 17. Jahrhunderts, da in dieser Zeit die Dachkonstruktion stark verändert und der Dachreiter gebaut worden war.

„Das erfreuliche, wenn auch für alle überraschende Ergebnis führt jedoch dazu, dass die Anforderungen an die Sanierung deutlich erhöht werden”, weiß Dieter Zilgens nicht so recht, ob er die kleine Sensation gutheißen soll oder nicht. Möglichst alle alten Balken sollen erhalten bleiben. „Auch wenn diese nicht mehr stabil sind, werden sie nicht ausgetauscht, sondern durch weitere neue Eichenhölzer ergänzt”, erläutert der Kirchenvorstand das Prozedere.

Das erfordere zusätzliches Material und filigranes Handwerk, und beides treibe die Kosten in die Höhe. Vor allem das Baugerüst, das seit Juni vergangenen Jahres die Karlskapelle umgibt, geht nach Worten von Norbert Franzen mit jedem weiteren Tag ans Eingemachte. Um zu zeigen, in welch dramatische Schieflage die anfängliche Kalkulation geraten ist, bemüht Zilgens die Zahlen: „Für die Holzarbeiten am Dachstuhl hatten wir insgesamt 19.000 Euro veranschlagt, wir haben aber schon bis jetzt 24.000 Euro für nur ein Drittel der Holzarbeiten ausgeben müssen.” Addiert man sämtliche Ausgaben - also auch für Schieferkauf, Gerüstmiete bis zur Heizungsreparatur -, hat die Pfarre bislang 106.000 Euro in die Sanierung investiert.

Ein Wahrzeichen der Stadt

Der restliche Inhalt der Spardose - vor allem mit Blick auf den defizitären Eigenanteil - reicht nicht, um die plötzlichen Mehrkosten zu decken. Der Architekt hat hochgerechnet, rund 90 000 Euro wird die komplette Sanierung teurer. Eine bittere Pille. Die Spendenbereitschaft in puncto Petruskapelle ist bald ausgereizt, das wissen auch Pastoralreferent Franzen und Kirchenvorstand Zilgens.

Vielleicht lassen sich das Bistum Aachen und die Bonner Denkmalschützer nochmals zu einem Obolus bewegen.Vielleicht greift auch die neue Idee der Pfarrverantwortlichen von St. Petrus: Im Dezember hat man mit Flyern in Übach-Palenberger Haushalten um eine Dauerpatenschaft für das geschichtsträchtige Wahrzeichen der Stadt geworben: „Ein Euro pro Monat würde schon reichen.”