Kabarett: „Die netten Koketten“ zeigen Musik aus den 1920er-Jahren

Zum „Tag der Musik“ am Freitag : „Die netten Koketten“ zeigen die Welt des deutschen Kabaretts

Sie tauchen mit ihrem Publikum in die Welt des deutschen Kabaretts ein und begeistern mit Gesang, Schauspiel und Klavier. Die zwei jungen Frauen nennen sich „die netten Koketten“. Und statt Techno, Rock- und Popmusik, haben sie sich der Musik der 1920er-Jahre verschrieben.

Am Freitag ist „Tag der Musik“ – und um Musik geht es bei der 26-jährigen Valerie Barth, die in Prummern geboren und aufgewachsen ist, schon ihr ganzes Leben lang. In jungen Jahren fing es mit Blasmusik an. Heute sind es das Klavierspielen und Chansons von Friedrich Hollaender – nicht gerade typisch für junge Leute. Aber genau das ist es, was Barth und die 32-jährige Charlotte Welling als „nette Koketten“ auf der Bühne verkörpern. Welling als Schauspielerin, Sängerin und Moderatorin, Barth am Klavier und teilweise mit Gesang.

„Friedrich Hollaender war ein deutscher Komponist und Kabarettist der 1920er-Jahre, dessen Chansons sehr erfolgreich und agil waren“, erklärt Barth. Und während sie über diese Art der klassischen Musik sowohl ihre Bachelor- als auch Masterarbeit geschrieben hatte, „wurde eine unglaubliche Begeisterung für die Musik dieser Zeit in mir entfacht.“

Aber der Reihe nach. „Bei uns im Dorf habe ich als kleines Mädchen im Musikverein Prummern mit Blockflöte angefangen. Irgendwann habe ich zu Trompete und Waldhorn gewechselt“, erzählt die heute 26-Jährige, die mittlerweile in Köln lebt. Sie hat in Prummern im Musikverein viele Freunde kennen gelernt, zu denen sie bis heute Kontakt hat.

„Mit sechs Jahren habe ich Klavierunterricht bei Familie Koltun genommen. Da habe ich mich dann zum ersten Mal tiefgehender mit klassischer Musik beschäftigt“, erzählt sie. Im Gymnasium St. Ursula in Geilenkirchen sang Valerie Barth in Chören mit und nahm mit 15 Jahren das erste Mal Gesangsunterricht. „Dann stand fest: Ich möchte weiter machen und auch Musik studieren“, erzählt die junge Frau. Sie ging an die Universität Siegen und studierte Musik auf Lehramt mit den Fächern Klavier und Gesang. Nach dem Master ging Barth an die Kölner Hochschule für Musik und Tanz. Mittlerweile studiert sie hier Gesangspädagogik. „Die Begeisterung für Musik und Klavierspielen hat sich bei mir also schon als kleines Mädchen entwickelt.“

Jetzt kommt die 32-jährige Charlotte Welling ins Spiel. Sie ist Schauspielerin und hat an der Berliner Schule für Schauspiel gelernt. „Am schwarzen Brett in der Hochschule hing irgendwann ein Aushang, dass Charlotte eine Pianistin sucht, um gemeinsam Musik der 1920er-Jahre – insbesondere Friedrich Hollaender, aber auch andere erfolgreiche Musiker dieser Zeit – zu machen“, berichtet Barth. „Ich war total glücklich und habe mich sofort bei ihr gemeldet. Es hat dann direkt gefunkt. Die Chemie zwischen uns stimmt einfach.“

Welling kommt ursprünglich aus Freiburg im Breisgau. Sie ist hauptberuflich Schauspielerin, tritt in Theatern auf und unterrichtet Schauspiel. Seit einem Jahr arbeiten die jungen Frauen jetzt als „die netten Koketten“ zusammen. Sie machen Kabarettmusik und Revuen, also große Aufführungen der 20er-Jahre, bei denen es auch um Akrobatik und Schlager geht. Für Welling ist es Teil ihres Hauptberufs, für Barth bislang noch ein Nebenjob während ihres Studiums der Gesangspädagogik.

Das Besondere ihrer Musik: „Wir konzentrieren uns dabei auf Stücke über interessante Frauen, die in irgendeiner Form auffällig und besonders waren“, berichtet Barth. Als Beispiel nennt sie das Stück „Kleptomanin“, eine Frau, die alles klaut, oder „die zersägte Dame“, die sich beschwert, dass ihr Mann immer die Lorbeeren für das erntet, was sie leistet. Daneben spielen die beiden bekannte Klassiker dieser Zeit.

Dass es wenig junge Leute gibt, die sich für diese Art der musikalischen Kunst interessieren, weiß die 26-jährige Barth. „Aber wir wollen als Duo versuchen, den jungen Menschen die Stücke näher zu bringen. Es ist zu schade, wenn sie vergessen würden.“ Als Argument führt Barth an, dass die Texte der klassischen Lieder oft geistreich und unterhaltsam geschrieben seien. „Es macht unglaublich Spaß, sie zu musizieren. Aber auch der Versuch, sie wieder bekannter zu machen, lohnt sich.“ Langfristig will das Duo ein eigenes Programm auf die Beine stellen und im Theater auf der Bühne stehen. „Aber das braucht noch Zeit. Wir stecken noch in den Kinderschuhen.“

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