Geilenkirchen: Junge Pianisten versüßen Publikum Mittagspause

Geilenkirchen : Junge Pianisten versüßen Publikum Mittagspause

Es sind noch fünf Minuten bis zum Auftritt. Der elfjährige Jun Ya Zhang steht vor der Bühne und bekommt von seinem erwachsenen Begleiter noch kurz die Fliege gerichtet. Zhang ist einer von drei Pianisten, die den Auftakt der Lunchkonzerte im Rahmen des Klaviersommers Geilenkirchen machen.

Seit dem vergangenem Klaviersommer findet an drei Tagen in der Woche jeweils um die Mittagszeit ein kostenloses Klavierkonzert in der großen Halle der Kreissparkasse statt. Jeder, der zufällig oder geplant in die Bank kommt, kann verweilen und den meist jungen Schülern zuhören. „Sie sind ausgewählte Teilnehmer des momentan stattfindenden Meisterkurses“, erklärt Veranstalter Florian Koltun.

Pianisten spielen sich ein

Schon bevor er sich mit seinen einleitenden Worten ans Publikum wendet, sitzt Rosamunde Kammin bereit. „Ich höre den Pianisten gerne beim Einspielen zu“, verrät sie. Dass beim Konzert auch Kunden der Sparkasse ein- und ausgehen, störe sie nicht: „Ich kann sehr gut ausblenden, was hinter mir passiert.“

Als Jun Ya Zhang zu spielen beginnt, wird es merklich ruhig in der großen Empfangshalle. Sparkassen-Mitarbeiterin Conny Pohl arbeitet im Foyer und kann das Konzert von ihrem Arbeitsplatz aus beobachten. „Es macht großen Spaß zuzuhören. Allerdings ist es auch nicht immer ganz einfach für uns, weil wir dabei weiterarbeiten müssen“, sagt sie.

Als zweites tritt nach Zhang die Lehrerin Yue Fang Guo auf die Bühne. Veranstalter Koltun betont, dass auch Lehrer die Möglichkeit bekommen, in Deutschland Erfahrungen zu sammeln, damit sie diese an ihre Schüler in China weitergeben können.

Auf der Empore genießt Mitarbeiterin Walburga Speuser-Bolten den Blick und die Musik von oben. „Das ist eine tolle Gelegenheit, an so hochwertige Musik näher dranzukommen.“ Am besten gefalle ihr, wenn Kunden zufällig in das Konzert hereinspazieren und sich spontan einen Platz im Publikum suchen.

Ferrari unter den Flügeln

Bevor die fünfzehnjährige Yi Sun an der Reihe ist, betont Koltun, dass zwar in China eine strengere Erziehung herrsche, die Kinder aber großen Spaß an diesen Konzerten hätten. Wäre dem nicht so, wäre das in der Musik zu hören. Klavierbaumeisterin Gabriele Diel schaut zufrieden auf den Flügel. Der wurde vergangenen Freitag extra aus Bonn hergebracht. „Das ist ein Ferrari unter den Flügeln“, sagt sie. Sein Klang sei wie „perlend, heller Glockenklang“. Während des Klaviersommers sei sie jeden Tag mindestens zwei Stunden im Einsatz und stimme die Instrumente. Denn auch einem teuren Flügel macht die Hitze zu schaffen: „Wegen des Wetters verstimmt sich der Flügel schneller.“ Insgesamt spiele es sich aber „wie auf Butter“.

Während Yi Sun spielt, stellt sich Gabriele Linnenbrügger in die Schalterschlange. Sie wolle nur kurz Geld einzahlen. „Es ist faszinierend, was aus so kleinen Persönlichkeiten rauskommen kann“, sagt sie begeistert. Vor dem Geldautomaten wartet Sina Gerrist. „Zuerst dachte ich ,Was geht hier ab?‘“, erzählt sie. Klassik sei nicht ihre Musikrichtung, aber sie möge die Stimmung, die dadurch entstehe.

Sowohl heute als auch morgen um 12 Uhr finden im Foyer der Sparkasse erneut Lunchkonzerte statt. Der Eintritt ist kostenlos. Jedes Konzert dauert etwa eine halbe Stunde.

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