Übach-Palenberg: Johanniter werden Nachmieter von Rewe

Übach-Palenberg : Johanniter werden Nachmieter von Rewe

Die Johanniter planen einen neuen Kindergarten in Palenberg. Die Einrichtung mit vier Gruppen soll im Mühlenhof entstehen — da, wo früher der Rewe-Markt untergebracht war. Bereits am 1. August 2019 soll der Betrieb aufgenommen werden.

Mit der neuen Nutzung der Immobilie wird auch ein unschönes Kapitel aus der Übach-Palenberger Stadtentwicklung geschlossen. Das Gebäude hatte Anfang 2014 im Mittelpunkt größeren Ärgers gestanden. Damals stand der Einkaufspark Magnus kurz vor der Eröffnung, und begleitet wurde diese Ankündigung von der Befürchtung, dass der Rewe in Palenberg schließen werde, wenn auch im Einkaufspark einer öffnet.

Eine Erweiterung des bestehenden Kindergartens in der Johanniterstraße scheiterte an der Finanzierung.

Die Stadt mühte sich, die Bedenken auszuräumen, was jedoch nichts daran änderte, dass genau das geschah, was die Kritiker befürchtet hatten: der Palenberger Rewe schloss. Besonders erbost war darüber neben der Kundschaft Bauunternehmer Wilfried Dohmen, dessen Immobilie im Mühlenhof seitdem ungenutzt herumsteht und nicht unbedingt schöner geworden ist.

Parkplatz wird überbaut

Es werden wohl einige Eingriffe nötig sein, um so etwas wie eine kinderfreundliche Umgebung zu schaffen. Der Parkplatz in der Mitte des Hofes soll indes komplett verschwinden, hier entsteht der Außenbereich des Kindergartens. Von einer „Aufwertung für das Viertel“ spricht Johanniter-Regionalvorstand Marius Mainzer gegenüber unserer Zeitung.

Nun hat gerade die jüngere Vergangenheit gezeigt, dass das Überbauen von Parkplätzen immer so eine Sache ist. Doch während man zum Vorkommen an Parkplätzen geteilter Meinung sein kann, hat das Kreisjugendamt zum Mangel an Kindergartenplätzen sehr konkrete Zahlen vorgelegt: Schon für das kommende Kindergartenjahr 2018/2019 werden in der U3-Betreuung 37 Plätze fehlen. Hinzuzurechnen sind 43 Überbelegungen. Vier Kita-Gruppen, wie sie im Mühlenhof vorgesehen sind, dürften um die 70 bis 75 Plätze neue bedeuten, also eine deutliche Entlastung. Nun wird das Projekt hinter den Kulissen mit Hochdruck vorangetrieben.

Dabei war schon länger klar, dass in Übach-Palenberg Kindergartenplätze gebraucht werden und die Johanniter gern welche schaffen würden. Ende 2017 war noch vorgesehen, den vorhandenen Kindergarten in der Johanniterstraße um zwei Gruppen zu erweitern. Allerdings erschien das Bauvorhaben den Johannitern als zu teuer, weshalb sie die Stadt um einen Zuschuss von 92.000 Euro baten.

Schon damals wurde mit heißer Nadel genäht, doch die Politik lehnte es ab, den Zuschuss zu zahlen. Ein Grund dafür war, dass der Kreis Heinsberg die Stadt darauf hingewiesen hatte, dass ein solcher Zuschuss absolut unüblich und zudem im Haushalt nicht vorgesehen wäre. Im Zweifel wäre eine Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde notwendig, wurde mitgeteilt. Die Erweiterung des Kindergartens in der Johanniter Straße war damit jedenfalls gestorben, eine Alternative musste her. Von einer „glücklichen Fügung“ spricht die Pressestelle des Kreises Heinsberg nun mit Blick auf den Mühlenhof.

„Dringender Handlungsbedarf“

Im April fand eine Besichtigung der ehemaligen Rewe-Immobilie mit Vertretern von Johannitern und Willy-Dohmen-Gruppe statt, die im Sinne des Projekts ausfiel: Man wollte nun sogar einen ganz neuen Kindergarten einrichten. Im Anschluss an den Ortstermin wandten sich die Johanniter an die Stadtverwaltung und baten um die übliche „Übernahme des Trägeranteils“: 107.000 Euro im Jahr. Auch die Firma Dohmen machte Druck. Anfang Juni allerdings meldete sich ein Mitarbeiter der Geschäftsleitung der Firma Dohmen im Rathaus. Es bestehe mit Blick auf die notwendigen Bauarbeiten „dringender Handlungsbedarf“, schrieb er. Man bitte darum, die Schaffung der notwendigen Voraussetzungen „zu forcieren“.

Nun ging alles ganz schnell. Nur zwei Tage nach Erhalt der E-Mail bat die Verwaltung die Fraktionsvorsitzenden, eine „Dringlichkeitsentscheidung“ zu fällen: Sie sollten sich per Unterschrift dafür aussprechen, dass die Stadt den Trägeranteil übernimmt. Für die Einberufung einer Ratssitzung blieb keine Zeit. Bis auf die Grünen unterschrieben alle Fraktionen, außerdem der Bürgermeister. In der Ratssitzung kommende Woche wird die Eilentscheidung nachträglich abgesegnet.

Die Schaffung des neuen Kindergartens ist auch in den Kontext der neuen Übach-Palenberger Baugebiete zu sehen. Insbesondere wäre da Mariental, aber auch „Auf der Höhe“ und südlich des Schulzentrums (siehe gestrige Ausgabe) sollen Einfamilienhäuser entstehen. Nicht zu vergessen ist das Beyelsfeld. Teils dürften die Baugebiete zu weit von dem neuen Kindergarten entfernt liegen, als dass die Familien ihre Kinder in den Mühlenhof schicken, aber natürlich entlastet ein neuer Kindergarten immer die bereits vorhandenen.

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