Gangelt: „Jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken”

Gangelt: „Jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken”

„Wir dürfen jetzt nicht den Sand in den Kopf stecken”, begann der in der Gemeinde Gangelt für die Finanzen zuständige Beigeordnete Gerd Dahlmanns für seine Verhältnisse äußerst fahrig seine Rede zum Haushalt 2010.

Vorab hatte er im Hauptausschuss erläutert, dass er versuchen wolle, die wahrlich nicht lustigen Zahlen mit Zitaten berühmter Fußballer aufzulockern. Das erste stammte übrigens von Lothar Matthäus, der in der Folge noch einige Male zitiert wurde.

Die beste Nachricht des Abends sei die, dass das Plansoll des Haushaltes 2009 unterschritten und damit gespart wurde. Geld, das in diesem Jahr dringend nötig ist, denn der Fehlbetrag liegt bei knapp unter 1,9 Millionen Euro. Die können allerdings über die Ausgleichsrücklage gedeckt werden und somit gilt der Haushalt als ausgeglichen.

Kritik an Kreis Heinsberg

Deutliche Worte gingen an die Kreis-CDU, namentlich an Norbert Reyans. Der hatte in dieser Zeitung verlauten lassen, es sei „der feste Wille des Kreises, die Städte und Gemeinden in schwierigen Zeiten zu unterstützen”. „Das ist für mich leider nicht zu erkennen”, blickte Dahlmanns auf die knapp 6,9 Millionen Euro, die die Gemeinde Gangelt nach Heinsberg überweist.

Innerhalb von nur vier Jahren steigt diese Summe um 1,34 Millionen Euro oder knapp 25 Prozent. Im Gegensatz dazu seien die Umlagen für die Zweckverbände Realschule, Förderschule und „Der Selfkant” rückläufig. Personal- und Versorgungsaufwendungen sinken. Die Bildungspauschale von 740.000 Euro geht in die Grundschulen Breberen und Birgden. Der nächste große Aufwandposten ist die Abschreibung. Sie steigt um 330.000 Euro auf knapp 2,4 Millionen Euro. Dem stehen allerdings auch Erträge von rund einer Million Euro gegenüber.

Kürzungen bei der Bauunterhaltung stehen Ausgaben wie die 275.000 Euro für die Kanalhausanschlüsse in „Gangelt/Nord/IV” und rund 720.000 Euro (Zuschuss 595.000 Euro) für die weitere Renaturierung von Rodebach und Krümmelbach gegenüber. Bei den Erträgen bleiben die Hebesätze für die Realsteuern unverändert.

Während die Grundsteuer B sich auf die Rekordmarke von 1,27 Millionen Euro verbessert, bricht die Gewerbesteuer ein. Nach knapp zwei Millionen Euro in 2007, 2,3 Millionen Euro in 2008 und 1,7 Millionen Euro im letzten Jahr beträgt das Planziel 2010 nur noch 1,55 Millionen Euro. Der Anteil an der Einkommensteuer soll 2,55 Millionen Euro betragen und liegt 250.000 Euro unter der Zahl des letzten Jahres. Auch die Entwicklung der Schlüsselzuweisung ist negativ.

Nach der dritten Modellrechnung werden 4,6 Millionen Euro erwartet - 520.000 Euro weniger als 2009.

Defizit von 1,9 Millionen Euro

Der Gesamtbetrag der Aufwendungen beläuft sich auf 22,05 Millionen Euro, die Erträge auf nur 20,183 Millionen Euro. So das Defizit von 1,9 Millionen Euro. „Das ist deprimierend”, wurde Andy Möller zitiert.

Diese Summe kann noch ausgeglichen werden; aber nach dem heutigen Stand wäre diese Rücklage 2011 gänzlich verbraucht. „Dann steht uns die Genehmigungspflicht des Haushaltes in der Türe”, so Gerd Dahlmanns.

Im Finanzplan sind Investitionen von rund 4,7 Millionen Euro enthalten. 1,4 Millionen Euro für Grunderwerb, 295.000 Euro vor allem für Bauhof und Feuerwehr, 18.000 Euro als Zuwendungen für die Vereine und knapp drei Millionen Euro für Baumaßnahmen. Insgesamt werden hier Zuwendungen von 1,6 Millionen Euro erwartet.

Einschließlich der Tilgung von 79.000 Euro ergibt sich ein Liquiditätsverlust von 2,17 Millionen Euro. Der Schuldenabbau schreitet voran, Kredite sind keine eingeplant. Alles in allem müsse sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland „gewaltig verbessern”, um finanziell in eine sichere Zukunft zu schauen. „I hope, we have a little bit lucky”, sucht Dahlmanns abermals mit Lothar Matthäus den Schulterschluss.