Das Geschäft mit den Vorsätzen: Jedes Jahr im Januar wird es voll im Fitnessstudio

Das Geschäft mit den Vorsätzen : Jedes Jahr im Januar wird es voll im Fitnessstudio

Was über elf Monate hinweg akzeptiert oder ignoriert wurde, wird mit dem neuem Jahr plötzlich zur Priorität Nummer eins: die oftsmals sträflich vernachlässigte Fitness. „Mit dem Jahreswechsel wird es merklich voller im Studio“, bestätigt Maximilian Mark, Leiter des Fitness Gym in Geilenkirchen.

Während im Sommer zwischen 150 bis 180 Gäste täglich ihre Muskel an den Geräten stählen oder ihre Ausdauer auf dem Laufband verbessern, waren es seit dem Jahresbeginn pro Tag zwischen 300 und 350 Besucher. Besonders voll werde es immer ab 17 Uhr.

Aber nicht nur „Karteileichen“ kramen ihre Mitgliedskarte aus der hinterletzten Schublade, um der monatlichen Lastschrift wieder einen Sinn zu geben, auch bei den Neuanmeldungen profitiert das Studio von den guten Vorsätzen fürs neue Jahr „Alleine in der ersten Monatswoche hatten wir 75 Neuanmeldungen“, verrät der erfahrene Trainer. In einem durchschnittlichem Monat würden sich zwischen 60 und 70 neue Fitness-Enthusiasten bei ihnen verpflichten.

Auch im Loherhof Sportpark in Geilenkirchen sind die nach der durchzechten und feucht-fröhlichen Silvesternacht gesteckten Vorsätze spürbar. „Viele schlafende Mitglieder werden zum Jahresanfang wachgerüttelt und wir verzeichnen besonders viele Neuanmeldungen im Januar“, erzählt Trainerin Silke Clermont. Dieser Trend halte meist bis März an. „Dann ist der große Tumult vorbei und viele verlieren leider wieder die Motivation“, weiß die Fitnessexpertin.

Gerade zu Beginn würden sich viele Sportneulinge oftmals zu hohe Ziele stecken. Bleiben dann die Ergebnisse aus, folge die Ernüchterung. „In zwei Monaten erreicht man nicht seine Traumfigur, wenn man seinen Körper über Jahre hinweg vernachlässigt hat“, stellt Silke Clermont klar. Ihr Rat daher: kleine und realistische Ziele. „Gerade zu Beginn sollte es erst einmal ein Ziel sein, Kontinuität ins Training zu bringen“, erklärt Silke Clermont. Dreimal in der Woche Sport sei dabei optimal.

Von abflauender Motivation kann auch Maximilian Mark ein Lied singen. Mit schöner werdendem Wetter sei es auch im Fitness Gym wieder leerer. Von den Neuanmeldungen aus dem Januar würden erfahrungsgemäß 30 Prozent bis Ende März das Handtuch werfen. Erfolgreicher seien da Menschen, die sich unabhängig von Neujahrsvorsätzen aufraffen. „Wer sich im Sommer anmeldet, bleibt meist am Ball und geht dauerhaft regelmäßig zum Sport“, so der Fitnesstrainer. Sein Rat für alle Neuen: „Stellt die Waage in die Ecke und achtet lieber auf eure Klamotten.“ Wer mit Sport anfängt, nehme in den ersten Wochen nämlich oftmals ein paar Kilo zu, der Körper würde sich aber bereits positiv verändern.

Damit die guten Vorsätze nicht schon nach wenigen Tagen sterben, empfiehlt Maximilian Mark seinen Kunden einen Trainingspartner: „Auf diese Weise kann man sich gegenseitig motivieren.“ Auch sei es wichtig, sich für den Sport feste Termine in der Woche zu setzen. „Der Sport sollte zur Alltagsroutine werden. Dann denkt man gar nicht mehr darüber nach“, erklärt der Studioleiter. Damit die Anziehungskraft der Couch im Zweifel aber nicht siegen kann, rät er außerdem: „Die Sporttasche schon morgens mit zur Arbeit nehmen und nach dem Feierabend direkt ins Studio fahren – so gibt es weniger Störfaktoren“.

Auch Silke Clermont hat mit Trainingspartnern schon gute Erfahrungen im Punkto Motivation gemacht. Als Abschluss und Belohnung für eine Sporteinheit würden sich ihre Kunden auch gerne noch gemütlich auf einen Kaffee zusammensetzen. „Es muss im Kopf einfach klick gemacht haben, dann hält man durch“, so die Fitnesstrainerin. Sportmuffel können dabei im Loherhof Sportpark eine Ausrede weniger vorschieben. „Wir haben eine Kinderbetreuung und gerade die Mütter kommen immer glücklich aus den Kursen raus“, berichtet Silke Clermont.

Nach den fetten Weihnachtstagen mit zu viel Entenbraten, Klösen und Rotkohl und den Resten vom Raclette mit reichlich Käse noch im Bauch, zählt die gesunde Ernährung ebenfalls zu den Top Vorsätzen für das neue Jahr. Ernährungsberaterin Andrea Erkens warnt allerdings davor, mit allzu extremen Diäten den überflüssigen Pfunden den Kampf anzusagen. „Crush-Diäten enden meist in der Jojo-Falle“, so Andrea Erkens, die seit knapp drei Jahren in Gangelt die Ernährungsberatung „Iss dich fit“ betreibt. „Mit einer Ernährungsumstellung erzielt man langfrist Erfolge und schließlich hat man sich die extra Kilos auch nicht in wenigen Wochen angefuttert.“

Auch sonst hat sie gute Nachrichten für alle Diät-Interessierten: „Wer abnehmen will, muss erst einmal regelmäßig essen.“ Sie emphielt ihren Kunden drei bis fünf Mahlzeiten am Tag. „Wenn über den ganzen Tag nichts gegessen wird und abends dann eine große Portion, stellt sich der Körper auf eine Hungersnot ein und geht nicht mehr an die Fettreserven.“ Aber gerade diese goldenen Reversen am Bauch und an den Hüften sind ja eigentlich das Ziel einer Diät.

In ihren Kursen lernen die Teilnehmer, wie sie sich ausgewogen und gesund ernähren können. „Mit einer Ballaststoff-, Vitamin-, und Nährstoffreichen Ernährung kann man viel für seine Gesundheit tun“, so die Expertin. Sport und Ernährung würden dabei immer Hand in Hand gehen: „Wobei die Ernährung einen deutlich höheren Stellenwert einnimmt. Mit einer Runde Joggen ist die Portion Pommes noch nicht wieder weg.“ Gute Erfahrungen hat sie mit den verschiedenen Varianten des Intervall-Fastens gemacht.

„Dadurch wird der Stoffwechsel angeregt und der Körper lernt, auf seine Fettreserven zurückzugreifen“, erklärt Andrea Erkens. Gegen Heißhunger-Attacken emphielt sie eine Handvoll Nüsse, eine Tasse leckeren Tee und Ablenkung.

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