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Schändung des jüdischen Friedhofs: Initiative Erinnern ist „tief enttäuscht und fassungslos“

Schändung des jüdischen Friedhofs : Initiative Erinnern ist „tief enttäuscht und fassungslos“

Den Neustart des Prozesses um die Schändung des jüdischen Friedhofs in Geilenkirchen empfindet die Initiative Erinnern als mehr als misslungen. Sie findet scharfe Worte zu dem Schauspiel.

Nach zahlreichen Verzögerungen hatte am 4. Mai der neue Prozess gegen die beiden Angeklagten begonnen, denen die Schändung des jüdischen Friedhofes in Geilenkirchen Ende 2019 vorgeworfen wird. Die Initiative Erinnern, die schon mehrfach die Vorgänge bei diesem Prozess kritisiert hat, konnte auch an diesem Neustart wenig Positives finden, wie der Sprecher der Initiative, Hans Bruckschen, nun in einer öffentlichen Stellungnahme deutlich macht: „Als Initiative Erinnern sind wir tief enttäuscht und fassungslos über den erneut unglücklichen Beginn des Prozesses“, heißt es in dem Schreiben.

Dabei sei die Erwartungshaltung und die Hoffnung auf diesen Prozessneustart groß gewesen. Man hatte gehofft, dass nun der Angriff auf den Jüdischen Friedhof als antisemitischer Angriff angeklagt werden würde. Bislang war der judenfeindliche Charakter der Tat nicht explizit benannt worden, was von der Initiative Erinnern stets scharf kritisiert wurde.

„Leider wurden die Prozessbeobachter bitter enttäuscht und sahen sich eher einem Laienschauspiel als einem ernsthaften Bemühen um Gerechtigkeit gegenüber“, heißt es in der Stellungnahme. Dass man sich auf die gleiche Anklageschrift beschränkt und den antisemitischen und aus Sicht der Initiative volksverhetzenden Charakter der Tat mit keinem Wort erwähnt habe, sei enttäuschend.

 Hans Bruckschen, Sprecher der "Initiative Erinnern" in Geilenkirchen
Hans Bruckschen, Sprecher der "Initiative Erinnern" in Geilenkirchen Foto: Hans Bruckschen

Der gesamte Vorgang habe eher in eine bürgerliche Komödie am Theater Aachen gepasst als in einen Gerichtssaal des Amtsgerichts Geilenkirchen, schreibt Bruckschen weiter und schildert den Prozessablauf: „Während man in seliger Gesprächsatmosphäre die deutliche Verspätung eines Verteidigers abwartete, entstand schon der Eindruck, dass die hohe Relevanz für Geilenkirchen und das erwartete Signal an die rechte Szene erneut einen untergeordneten Stellenwert haben würden. Als man dann den verspätetet eintreffenden Verteidiger auch noch darüber belehren musste, dass der Grund seiner Verspätung, das Berühren eines anderen Fahrzeugs beim Einparkvorgang, nicht mit einem Visitenkärtchen zu erledigen sei, wurde der Prozess erneut unterbrochen. Der Verteidiger benötigte etliche Versuche und die Einhilfe des vorsitzenden Richters, um den Vorfall der Polizei Heinsberg zu melden. Als Zuschauer fühlte man sich bereits jetzt schon im falschen Saal platziert“, so Bruckschen. Man müsse sich fragen, welche Gerechtigkeit von diesem rechtskonformen Prozess überhaupt noch ausgehen könne.

Unterstützt wurde die Stellungnahme unter anderem von der Städtischen Realschule Geilenkirchen, der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Geilenkirchen und der GdG St. Bonifatius Geilenkirchen. Der Prozess soll am 11. Mai fortgesetzt werden. Die Vertreter der Initiative Erinnern werden anwesend sein, kündigen sie in ihrer Stellungnahme an.

(red)