Jugendlichen helfen: Hilfe rund ums Outing hat Startschwierigkeiten

Jugendlichen helfen : Hilfe rund ums Outing hat Startschwierigkeiten

„Zur Donnerstagsberatung“ - dieses kleine Hinweisschild stellt Peter Barwinski vom Jugendhaus Franz von Sales jeden Donnerstagabend vor dem Zille in Geilenkirchen auf. Wer den Pfeilen folgt, landet in den Räumen des evangelischen Gemeindezentrums.

Hier findet von 18 bis 20 Uhr eine kostenlose, vertrauliche und anonyme Beratung für schwule, lesbische, bi- und transsexuelle Jugendliche statt.

Doch es gibt Anlaufprobleme: Bisher wartet Peter Barwinski meist vergebens auf Besuch. „Es war klar, dass die Beratung nicht ab dem ersten Tag in Anspruch genommen werden würde“, sagt der Projektleiter. Aus diesem Grund habe er auch eigentliche eine Förderung über 1,5 Jahre beantragt, doch es wurde nur ein Jahr bewilligt. Anfang Juni ist das Regenbogenprojekt gestartet. „Wir müssen das Angebot erst einmal bekannt machen“, so Barwinski. Daher wurden in den ersten Monaten fleißig Flyer verteilt, gut die Hälfte der 15.000 kleinen blauen Infozettel liegt bereits in verschiedenen Einrichtungen aus - von Schulen und Jugendtreffs bis hin zur Stadtverwaltung oder dem Hausarzt: „Zunächst hatten wir uns mit unserer Werbung auf Geilenkirchen beschränkt, weil die Stadt das Projekt mitfördert, aber mittlerweile verteilen wir die Flyer im gesamten Kreis Heinsberg.“

Schließlich werde das Angebot auch in erster Linie durch das Land NRW finanziert. In den vergangenen Woche haben Barwinski und sein Beraterteam außerdem alle 31 weiterführenden Schulen im Kreis angeschrieben und mit Flyern sowie Plakaten versorgt: „Dort erreichen wir die Jugendlichem am besten, aber uns sind die Sommerferien dazwischen gekommen.“ Der Sozialarbeiter rechnet damit, dass das Projekt zum Herbst an Fahrt aufnimmt. Wie viele Jugendliche dann die Beratung nutzen sei aber schwer absehbar.

„Wir haben vor allem über unsere Onlineberatung viel positives Feedback bekommen“, erzählt der Projektleiter. Oftmals hätten sich junge Menschen aus der LSBTI-Gruppe gemeldet, die ihr Outing bereits seit einiger Zeit hinter sich haben. Der Tenor sei aber gewesen, dass sie in dieser Zeit genau eine solche Beratung verzweifelt gesucht hätten. Wer zu diesem Thema Hilfe brauchte, musste vorher nämlich bis nach Düsseldorf oder Köln fahren.

„Bisher haben wir nur eine persönliche Beratung mit einem jungen transsexuellen Mann gemacht, der in großer Not war und leider in der Familie keinen Rückhalt gefunden hat“, berichtet Peter Barwinkski. Diese Reaktion der Eltern sei keine Seltenheit. Laut Studien lehnen 25 Prozent der Elternteile die Homosexualität ihrer Kinder ab. Somit ist es auch nicht mehr verwunderlich, dass in dieser Personengruppe die Selbstmordrate um bis zu sieben Mal höher liegt als im Durchschnitt: „Der Bedarf ist auf jeden Fall da, auch wenn die Beratung dies bisher nicht widerspiegelt.“ Auch der Jugendtreff und die stationäre Jugendhilfeeinrichtung hätten sich bereits bei ihm gemeldet und Bedarf angekündigt.

Das Hilfsangebot richtet sich an junge Menschen im Alter von 12 bis 27 Jahren, die in ihrer sexuellen Ausrichtung nicht der heterosexuellen gesellschaftlichen Norm entsprechen. Neben vielfältigen Informationen unter www.lsbt-gk.de und der persönlichen Beratung können Jugendliche sich per E-Mail (lsbt-gk@jhfvs.de) an die Berater wenden.

Da es mehrere Anfragen dazu gab, gibt es aktuell auch Überlegungen ergänzend eine Jugendgruppe für diesen Personenkreis zu gründen. „Wir wollen die Beratung auch nach dem ersten Jahr gerne weiterführen“, betont Barwinski. Eine Idee sei, die Beratungen auf mehrere Standorte im Kreis auszuweiten.

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