Hilde Schwarberg ist Gottesdienstleiterin mit Leidenschaft

Menschen wie du und ich : „Gottesdienste müssen zum Leuchtfeuer werden und die Menschen berühren“

Hilde Schwarberg ist eigentlich Hausfrau und Mutter. Früher hat sie bei einer Bank als Kundenberaterin im Privatkundengeschäft gearbeitet. Heute ist die 57-Jährige mit Leidenschaft ehrenamtliche Gottesdienstleiterin.

Ihre Vision: „Gottesdienste so gestalten, dass sie zum Leuchtfeuer werden und so auch kirchenkritischen Menschen wieder die Tür zum Glauben geöffnet wird.“

Jene Menschen, die Gottesdienste von Schwarberg und ihrem Team besuchen, werden keine klassische Messe erleben.

Botschaft über Gefühle

„Es geht um tolle Geschichten, tolle Musik und Meditationstexte, die die Menschen berühren sollen. Die Botschaft des Evangeliums möchte ich über die Gefühlsebene transportieren“, sagt Schwarberg, die unter anderem auch zu den Organisatoren der Leuchtfeuer-Gottesdienste gehört.

Vom Typ her beschreibt Schwarberg sich selbst als Seelsorger: „Ein Großfamilienkind mit fünf Geschwistern halt.“ In schweren Lebenssituationen habe ihr der Glaube immer geholfen. Schon ihre Eltern waren sehr gläubig. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Himmel einem den Weg weist, wenn man sich nach Gott ausstreckt“, berichtet sie.

Ausgleich gesucht

Vor 28 Jahren kam erst der gemeinsame Sohn von Hilde Schwarberg und ihrem Mann Andreas, vor 26 Jahren dann ihre Tochter auf die Welt. Hilde Schwarberg kümmerte sich fortan als Hausfrau und Mutter um ihre Kinder.

„Aber irgendwann, als die Kinder mitten in der Pubertät waren, brauchte ich einen Ausgleich. Deswegen habe ich ein Fernstudium der Theologie gemacht“, erzählt sie und lacht. Die Tür zur Theologie hatte ihr damals auch ein ökumenisches Glaubensseminar geöffnet. „Das hat mich total neugierig gemacht. Auch, weil der Glaube kritisch hinterfragt wird.“

Nach dem Studium machte sie eine zweijährige Ausbildung zur Wortgottesdienstleiterin und kümmert sich jetzt – wie der Name sagt – um die Gestaltung und Leitung von Wortgottesdiensten. Angefangen hatte sie damit vor etwa fünf Jahren in Gangelt-Hastenrath. Mit ihrem Kollege Harald Faltyn bereitet und hält sie einmal im Monat in der Kirche St. Josef Wortgottesdienste. Seit drei Jahren leitet sie den Gottesdienst in Geilenkirchen-Tripsrath an Heiligabend, seit zwei Jahren gestaltet sie hier zusätzlich mit Ursula Cremer den einen oder anderen Gottesdienst.

Zehn Stunden Arbeit

Jeder Gottesdienst wird sorgfältig vorbereitet. „Das kann schon bis zu zehn Stunden dauern“, sagt die 57-Jährige. Jeder Gottesdienst habe einen roten Faden, der sich durch alle Texte und Lieder, Hinführung, Ansprache, Meditationstext sowie die Gebete und die eucharistische Feier ziehe.

„Ich liebe es, Ansprachen zu schreiben, in denen ich das Evangelium auslege“, erzählt Schwarberg. Oft habe sie das Gefühl, dass der Himmel ihr dafür etwas zuspiele, wie etwa einen passenden Bestseller oder eine Geschichte. „Ich möchte mit meinen Auslegungen des Evangeliums vor allem Orientierung und Antworten auf alltägliche Lebensfragen geben.“ Beim Schreiben falle sie dann meist in eine Art Glücksrausch.

Sie gehört auch zu dem Team, das einmal im Jahr im November den Camino-Gedenkgottesdienst vorbereitet. „Wir wählen Texte und Musik aus, die ermutigen, den Weg der Trauer zu gehen.“

„Feuer und Flamme“

Eine ganz besondere Bedeutung haben für Schwarberg aber die neuen Leuchtfeuer-Gottesdienste. Die stehen für „Gottesdienst mal anders!“. Die 57-Jährige habe immer genau diesen Wunsch gehabt: „Gottesdienste mal anders zu gestalten“ Sie sei „Feuer und Flamme für die Gestaltung von Alternativen“, sagt sie. „Und der erste Leuchtfeuer-Gottesdienst, den wir im Mai gefeiert haben, war wirklich ein Leuchtfeuer.“

Schwarberg und das Leuchtfeuer-Team der Weggemeinschaft Gangelt hatte den Gottesdienst in Hastenrath in zahlreichen Sitzungen vorbereitet. Mit Harald Faltyn und Erika Minnaert, Gemeindereferentin der Weggemeinschaft, hatte sie die Messe dabei vor allem inhaltlich geplant.

Neue Wege suchen

„Unsere Welt ist viel individueller geworden. Mit einer großen Bewegung zur Freiheit wollen Menschen auch zur Religion ihre persönliche Beziehung definieren“, sagt Schwarberg. Sie findet, dass die Kirche deshalb neue Wege finden müsse, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Dennoch sei es wichtig, dass es weiterhin die klassischen Gottesdienste gebe. „Aber daneben eben auch Alternativen.“

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