Gangelt: High-Tech in der Landwirtschaft: Der Computer pflügt den Acker

Gangelt: High-Tech in der Landwirtschaft: Der Computer pflügt den Acker

Der Bauer und die Rösslein, die selbiger im Märzen vor den Pflug spannt, gehören in die Kategorie Nostalgie. Das ländliche Idyll, hinter dem sich in Wahrheit knochenharte Arbeit verbarg, hat sich, buchstäblich, vom Acker gemacht. High Tech hat indes die Scholle erobert. Und dies in einer Dimension, die ein Betrachter nicht so schnell erahnt, wenn der Trecker brav seine Furchen zieht, wenn die Kuh gemolken wird, wenn die Schweine aus dem Trog fressen.

Ein Besuch im Betrieb von Bernhard Conzen, dem Vorsitzenden der Kreisbauernschaft, öffnet dem Besucher die Augen dafür, wie Bits und Bytes den landwirtschaftlichen Alltag revolutionieren.

Vergangenheit und Zukunft im direkten Vergleich: der gute alte Deutz und der hypermoderne High-Tech-Schlepper.

Der Gangelter Landwirt hat das Digitale für das Rustikale entdeckt. Warum? „Nun ja, qualifizierte Arbeitskräfte kosten Geld. 45.000 bis 50.000 Euro pro Jahr. Und da ich als Landwirt auch betriebswirtschaftlich denken muss, ist der Einsatz von computergesteuerten Maschinen eine kostensparende Alternative“, bilanziert Conzen trocken.

Außerdem: „Die neuen Maschinen können breiter, effizienter und akkurater arbeiten als die herkömmlichen. Unterm Strich muss die Schlagkraft stimmen, um im oberen Drittel mitspielen zu können.“ Sagt er und manövriert seinen monströsen Schlepper aus der Scheune, nebenan steht der alte, dagegen mickrig wirkende Deutz aus einer scheinbar ganz anderen Zeit. In diesem Moment wird optisch der technische Fortschritt auf den Höfen deutlich.

Der Schlepper mit seinen 200 PS steckt voller digitaler Kraft. Bernhard Conzen, der studierte Ingenieur, gerät förmlich ins Schwärmen, als er dem Laien das Wunderwerk verbal zerlegt. „Der Bordcomputer wird per USB-Stick detailliert über seinen Auftrag informiert, den es abzuarbeiten gilt. Den USB-Stick lade ich in meinem Büro mit den entsprechenden Daten“, erläutert er.

Ob Spritzen, Säen oder Pflügen — Parzelle, Bodenbeschaffenheit, Furchentiefe, Chemiedosis pro Quadratmeter und andere wichtige Parameter werden auf den Stick geladen. Vom Bordcomputer werden die Signale an den Gerätecomputer der Sämaschine, der Egge oder der Spritze weitergegeben und ausgeführt. „Über ein zwischengeschaltetes Modem wird die Kompatibiltät zwischen beiden Computern hergestellt. Es ist also egal, welches Fabrikat ich hinter dem Schlepper herziehe.“

Selbst unerwartet auftauchende Probleme wie Matsch oder harte Erdkruste können den digitalen Helfer nicht davon abhalten, seinen Auftrag exakt umzusetzen. Dank GPS. „Denn über Satellit wird alles genau kontrolliert und berechnet.“ Was aber, wenn der Landwirt zwischendurch das Spritz- oder Güllefass auffüllen muss und der rotierende Satellit nicht mehr die ursprüngliche Position hat? „Kein Problem. Über die reichlich vorhandenen Mobilfunkmasten wird dieses Defizit korrigiert.“ Eine mathematische Meisterleistung, die nur eine Messungenauigkeit von einem bis zwei Zentimetern zulässt.

Während Kollege Computer sich abrackert, kann der Fahrer getrost ein Nickerchen machen oder diese Zeitung lesen. Theoretisch. Denn der Autopilot — GPS sei wiederum Dank — steuert das Gefährt wie von Geisterhand. Der Rentabiltätsgedanke fasziniert ebenso wie die Spitzentechnik. Denn: „Es können sogar zwei Schlepper parallel fahren. Der eine eggt, der andere sät. Das Besondere: Einer arbeitet dabei ohne Fahrer. Das regeln die Computer.“

Das ist kein „deus ex machina“, das ist feinste Software. Das digitale Zeitalter hat in sämtlichen landwirtschaftlichen Bereichen, von der Milchkuh, die computergefüttert wird, bis zum Mähdrescher, der Ernteerträge und -böden korngenau kartiert und analysiert, Einzug gehalten.

„Das ist die Zukunft. Die sogenannte Präzisionslandwirtschaft wird Standard werden. Mit dieser Entwicklung werden wir uns anfreunden müssen“, weiß Bernhard Conzen, der auch Vizepräsident des Europäischen Rübenverbandes und Vizepräsident der Rheinischen Landwirtschaftsverbandes ist. Allein: Die exquisite High Tech kostet Geld, viel Geld. Ein leistungsstarker Traktor kostet satte 150.000 Euro aufwärts, das Software-Paket noch mal 18.000 Euro obendrauf. Um den Strukturwandel finanziell zu schultern, können Betriebe kooperieren oder die Dienste von Lohnunternehmern erkaufen, rät Conzen.

Besagter Rösslebauer von einst würde sich womöglich in einem Science-Fiction-Streifen wähnen, sähe er die Bits-und-Bytes-Moderne in Stall und Flur. Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft stemmt sich aber gegen die landläufige Romantisierung seines Berufsstandes: „Ein Außenstehender übersieht dabei leicht, dass wir in früheren Zeiten Wind und Wetter ausgesetzt waren. Das war nicht immer schön, glauben Sie mir.“

Die Zeiten haben sich grundlegend geändert: vom Ackergaul zur Computermaus. Wie sagt Bernhard Conzen: „Der landwirtschaftliche Beruf ist jetzt sicherer, sauberer und umweltfreundlicher geworden.“