Gangelt: „Heute bei dir“-Tour: Kirche ist nicht langweilig

Gangelt : „Heute bei dir“-Tour: Kirche ist nicht langweilig

Die so genannte Küchentisch-Tour ist ein Begegnungsformat im Rahmen der „Heute bei dir“-Tour, die der Aachener Bischof Helmut Dieser angestoßen hat, um über den Glauben und die Kirche ins Gespräch zu kommen. Wer mag, kann Bischof Dieser, die Weihbischöfe oder den Generalvikar zu sich nach Hause einladen und mit ihnen reden, über das, was ihm an der Katholischen Kirche gefällt oder auch nicht gefällt.

Weihbischof Dr. Johannes Bündgens nahm bei seinem zehnten Küchentisch-Gespräch an einem Tisch in der Mensa der Gesamtschule Gangelt-Selfkant Platz. Religionslehrer Arnold Frenken hatte ihn eingeladen.

Die Schüler der Gesamtschule Gangelt-Selfkant stellten Weihbischof Johannes Bündgens ganz offen ihre Fragen zur Katholischen Kirche. Foto: Dettmar Fischer

Frenkens Schüler hatten einen Fragenkatalog vorbereitet. Es gab belegte Brötchen und Getränke und eine Diskussion, die nicht so recht in Gang kommen wollte. Die Schüler stellten ihre auf einem Zettel formulierten Fragen. Weihbischof Bündgens antwortete offen.

Doch woran lag es, dass dieses Küchentisch-Gespräch nicht wirklich funktionierte? Vielleicht waren die Positionen doch zu unterschiedlich. Die Schüler der Klasse 9 schienen ein wenig erleichtert, als die Schulstunde zu Ende war. Der Weihbischof versprach, seine Mitarbeiterin werde die protokollierten Gedanken der Schüler in den Prozess einfließen lassen, den Bischof Dieser angestoßen hatte.

Religionslehrer Arnold Frenken hatte sich vor dem Gespräch gewünscht, dass es gelingen möge, aus Schülersicht darzustellen, wie weit die Kinder von der Kirche entfernt sind. Er erhoffte sich vom Bistum Unterstützung beim Versuch, die Schüler zu erreichen. Er habe, so Frenken, 90 Schüler befragt, wie oft sie in die Kirche gehen. Fünf hätten beispielsweise Ostern einen Gottesdienst besucht, drei von ihnen wohl nicht ganz freiwillig.

Wie einer der Schüler vortrug, hätten allerdings nur drei Prozent der befragten Schüler den Wunsch gehabt, aus der Kirche auszutreten. Eine Frage der Schüler an Weihbischof Bündgens lautete: Warum sind Messen so langweilig? Auf einem anderen Zettel stand: Warum muss man in der Kirche immer knien und stehen?

Weihbischof Johannes Bündgens erläuterte kurz seinen eigenen Werdegang, die Erziehung im katholischen Elternhaus, das Erwachsenwerden zur Zeit der 1968er und die von seinem Religionslehrer begleitete Entscheidung, Priester zu werden. Bündgens meinte, es hänge doch auch von jedem selber ab, wie spannend oder langweilig er einen Gottesdienst finde. Die Körperhaltung sei in allen Religionen wichtig, drücke auch die Bereitschaft aus, aufmerksam sein zu wollen.

Besinnung braucht Zeit

Arnold Frenken meinte: „Meine Laune ist ganz weit unten, wenn ich merke, dass ich die Jugendlichen zum Besuch des Gottesdienstes nötigen muss.“ Der Weihbischof führte an, man habe in der Katholischen Kirche auch schon kürzere Formate ausprobiert. Doch es brauche eben Zeit, um Ruhe und Besinnung zu finden. Die Bedeutung des Weihwassers wurde von den Schülern erfragt. Der Weihbischof verwies auf das Grundsakrament der Christen, die Taufe. Frenken berichtete von seiner Großmutter, die einmal die Woche Weihwasser in der Kirche geholt habe. Dies zeige, wie verwurzelt der Glaube früher gewesen sei.

Eine weitere Frage der Schüler an den Weihbischof lautete: Welche Dinge würden Sie an der Kirche ändern? Vielleicht wäre dies der Punkt gewesen, um persönlich Stellung zu beziehen und die Schüler mit klaren Aussagen zu packen. Doch vielleicht steht einem Mann der Kirche solch persönliches Statement ja auch nicht zu. Der allgemeine Hinweis auf die Entwicklung einer offenen Gesellschaft, in der die Kirche eine Kraft sei, fand jedenfalls keine große Beachtung.

Den Gedanken, Kirche könne langweilig sein, mochte Weihbischof Johannes Bündgens nicht stehen lassen. Er empfinde die Themen der Kirche als spannend: Was bedeute eine ganzheitliche menschliche Entwicklung? Wie wollen wir zusammenleben? Das seien doch interessante Fragen.

Der Vorwurf, langweilig zu sein, sei schon ein bisschen ungerecht, bedauerte Weihbischof Bündgens. Arnold Frenken sagte: „Irgendwo muss ich meine Richtschnur fürs Leben finden.“ Man könne schauen, meinte Frenken, ob die Basis für das eigene Leben die Bibel mit der Kirche sein könnte. Aber diesen Schritt müsste man erst einmal bewältigen.

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