Geilenkirchen: Herr J.J. bringt beim Konzert im Franziskusheim die Füße zum Wippen

Geilenkirchen : Herr J.J. bringt beim Konzert im Franziskusheim die Füße zum Wippen

J.J. — gesprochen JayJay — spielte am Sonntagmorgen in aller Frühe, also ab 10 Uhr, ein großartiges Konzert in der Kapelle des Franziskusheims in Geilenkirchen.

Es war das zweite Mal in der siebenjährigen Geschichte des Geilenkirchener Klaviersommers, dass eines der „Hauskonzerte“ im Franziskusheim stattfand, und wenn es nach der Koordinatorin des Sozialdienstes im Franziskusheim, Claudia Sonnenschein, geht, dann: „Gerne nächstes Jahr wieder.“

Sybille Göbbels ist seit Kurzem Bewohnerin des Franziskusheims und war eine von zwei Dutzend Besuchern, die J.J. dabei zuhörten, wie er Beethoven und Chopin so leidenschaftlich auf dem Klavier spielte, dass er nach dem einstündigen Konzert erst einmal das Hemd wechseln musste.

J.J. heißt mit Nachnamen McNamara. Sein Manager erklärt J.J. stehe für John Joseph, und er fügte hinzu: „But we call him just J.J..“ So stellte auch Claudia Sonnenschein den Konzertbesuchern John Joseph McNamara vor, wie seine Freunde ihn nennen: „Herr J.J. ist aus Irland eigens angereist für den Klaviersommer. Es ist uns eine Ehre, dass er hier für uns einige Stücke spielen wird. Viel Vergnügen.“

Herr J.J. gehört als Jahrgang 1998 einer Generation an, die gar nicht so weit von der der Zuhörer entfernt ist — wenn man in etwas größerem Zeitrahmen denkt. Wenn man etwa unsere Gegenwart in Bezug setzt zu der der Komponisten, deren Musik J.J. McNamara an diesem Morgen aufführte. Ludwig van Beethoven lebte von 1770 bis 1827, Frédéric Chopin von 1810 bis 1849. Mit Beethovens Sonate Opus 10 Nr. 1 in C-Moll eröffnete der junge irische Pianist sein Morgenkonzert. Es folgte Chopins Etude Opus 25 Nr. 7, ein wunderschönes Stück, von zeitloser Schönheit.

Beim Faust-Walzer von Charles Gounod und Franz Liszt wippten zumindest bei einigen Passagen des Stückes die Füße mit. McNamara erntete begeisterten Applaus seiner Zuhörer und gewährte den Konzertbesuchern auch eine Zugabe mit einer weiteren Etude von Frédéric Chopin. Für den lang anhaltenden Schlussapplaus bedankte sich der Künstler mit einer tiefen Verbeugung vor seinem Publikum.

Und wie fand er selbst das Konzert? McNamara noch leicht außer Atem: „Great.“ Und dabei spielte er noch mal die besonders gelungenen Stellen aus einer Etude mit den Fingern in der Luft vor. Bei so einer tollen Vorstellung müsste er ja eigentlich den Euregio Piano Award des Klaviersommers 2018 gewonnen haben?

Sein Manager lachte: „Maybe next year. Und wie war es in Geilenkirchen? J.J. McNamara, der zum ersten Mal in die Garnisonsstadt gekommen war, sagte noch schnell über Geilenkirchen die lobenden Worte „A nice and calm area“, dann musste er aber schnell sein durchschwitztes Hemd loswerden. Aha, „eine nette und ruhige Gegend“ ist Geilenkirchen also. Das deckt sich in etwa mit der Einschätzung von Konzertbesucherin Sibylle Aretz, die zu den Stammgästen des Klaviersommers zählt und auch 2018 möglichst viele Konzerte besucht hat.

Sibylle Aretz ist vom Klaviersommer begeistert, liebt die klassische Musik und die virtuose Klaviermusik im Besonderen. Aretz: „Für ein unscheinbares Örtchen wie Geilenkirchen, bis auf die Awacs, ist dieses Projekt mit solchen Weltkoryphäen ein großartiges Ereignis.“

Diese Meinung teilt auch Maria Slagboom, die neben dem Konzert mit Herrn J.J. die Hauptkonzerte und einige Wertungsspiele zum Piano Award besucht hat. Maria Slagboom: „Für alle, die Leidenschaft für die Musik mitbringen, ist das der Höhepunkt des Jahres. Da kann man Florian Koltun, seiner Frau Xin Wang und Roswitha Beckers im Rathaus nur danken.“

Sybille Göbbels ist Maria Slagbooms Mutter. Sie fand das Konzert mit J.J. einfach großartig. Aufgefordert doch zu sagen, warum das Konzert so großartig war, schaut sie kurz und sagt nur: „Da kann man keine Worte finden.“

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