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Übach-Palenberg: Herausforderungen bei der Umgestaltung des Übacher Rathausplatzes

Übach-Palenberg : Herausforderungen bei der Umgestaltung des Übacher Rathausplatzes

Die Erneuerung des Übach-Palenberger Rathausplatzes dürfte auf absehbare Zeit das herausragende Projekt der Übach-Palenberger Stadtentwicklung bleiben. In Rathaus steuern Achim Vogelheim, Leiter Fachbereich Hoch- und Tiefbau, und der externe Mitarbeiter Peter Steingass das Projekt.

Redakteur Jan Mönch hat mit ihnen über den Planungsprozess, Kritik aus der Opposition und die Kostenfrage gesprochen.

Herr Steingass, Herr Vogelheim, Sie sind federführend bei der Neugestaltung des Übacher Rathausplatzes. Was für Besonderheiten bringt dieser Ort mit sich?

Steingass: Die Planung eines Platzes ist gegenüber einer normalen Straße natürlich etwas Besonderes. Er hat eine besondere städtebauliche Wirkung. In Übach-Palenberg spielen besonders viele, teils gegensätzliche Aspekte eine Rolle. Die Kreisstraße hat eine besondere verkehrliche Bedeutung. Dann war der Platz bislang auch ein großer Parkplatz. Andererseits beherbergt er den Wochenmarkt und manchmal Festzelte. Zugleich soll in Zukunft eine höhere Aufenthaltsqualität geboten werden. Es muss viel austariert und eine schöne, gemeinsame Lösung gefunden werden.

Multifunktional ist der Platz schon. Wieso wird er nicht saniert und ansonsten alles gelassen, wie es ist?

Steingass: Die Verkehrsführung ist nicht sinnvoll. Gelenkbusse müssen sich durch zwei 90-Grad-Kurven zwängen. Ganz schlimm wird es, wenn sich Bus und Lkw begegnen. Hinzu kommen die Senkrechtparkplätze, durch die bedenkliche Situationen entstehen.

Wie kommt es, dass das Wasser derart schlecht versickert, dass das Pflaster bei Starkregen förmlich aufschwimmt? Wurde in den 80er-Jahren gepfuscht?

Vogelheim: Es steht uns nicht zu, da jemanden zu verurteilen, der vor 30 Jahren hier nach dem damaligen Stand der Technik seine Arbeit gemacht hat. Man darf aber sicher sagen, dass der Platz so, wie er heute genutzt wird, nicht gedacht war. Die vielen parkenden Autos waren hier eigentlich nicht geplant, und die Lenkbewegungen des stark zunehmenden Schwerlastverkehrs waren nicht absehbar.

Steingass: Hier sind verschiedene Dinge zusammengekommen. Zunächst eine Bauweise im Fahrbahnaufbau, die seinerzeit den gültigen Richtlinien entsprach, heute aber aus gutem Grunde nicht mehr. Zugleich hat man nicht mit dem heutigen Verkehrsaufkommen gerechnet.

Für die Verkehrsführung wurden der Politik zwei Möglichkeiten angeboten: Erstens die Westtangente, die den Verkehr an der Westseite des Platzes entlangführt, zweitens ein großer Kreisverkehr. Die Entscheidung fiel eindeutig auf die Westtangente. War der Kreisverkehr überhaupt eine diskussionswürdige Lösung?

Vogelheim: Der Kreisverkehr hatte seine Berechtigung. Hier war der Leitgedanke von der Umsetzung getragen. Das Projekt hätte sich einfacher in Einzelbauabschnitte unterteilen lassen, während der Verkehr weiterfließt. Auch hinsichtlich der multifunktionalen Nutzung hätten sich gewisse Vorteile ergeben. Man hätte einen Arm der Fahrbahn vorübergehend sperren können, wenn am Wochenende ein Fest stattfindet.

Steingass: Im Vorfeld gab es ja noch ganz andere Ideen, die wir aber selbst verworfen haben. Eine Variante ging etwa mitten über den Platz, was nicht so günstig für Festveranstaltungen gewesen wäre. Es ist sinnvoll, solche Dinge zumindest für sich durchzuspielen.

Generell ist es ja eher unzeitgemäß, den zentralen Platz einer Stadt für fahrenden und ruhenden Verkehr herzugeben. Gab es auch Überlegungen, die Autos komplett auszusperren, oder war das von vornherein völlig unrealistisch?

Vogelheim: Diese Option war sehr früh ausgeschlossen. Es hätte keine wirkliche Alternative zur Kreisstraße gegeben. Man kann den Verkehr nicht einfach durch Wohnstraßen fließen lassen.

Das ist natürlich schade, wenn man eine höhere Aufenthaltsqualität erreichen möchte.

Steingass: Dadurch lässt sich eben noch lange nicht die Verkehrsfunktion wegdiskutieren. Und man darf nicht vergessen, dass die Gewerbetreibenden zum Teil von dem Verkehr leben. Von diesen ist nachvollziehbar nicht jeder für eine flächendeckende verkehrsberuhigte Zone.

Kein Verkehrslärm, keine Straße, die man zu Fuß überqueren muss — das hätte doch was...

Vogelheim: Wenn Sie sich das Stadtgebiet aus der Luft ansehen, bildet es ja eine Art Knochen mit Übach im Osten und Palenberg im Westen. Dazwischen liegt an der schmalsten Stelle der Rathausplatz. Und da laufen dann auch noch zwei höherrangige Straßen zusammen. Die Verkehrsbedeutung kriegen wir nicht weg. Der Platz wird gewissermaßen auch ein großer Kompromiss.

Aus SPD-Kreisen ist zu hören, dass Ihre Planung zu einem großen Teil schon seit Jahren in irgendeiner Schublade lag. Stimmt das?

Vogelheim: Es gibt einen Altplan, der vor meiner Zeit entstanden ist und in der Tat eine ähnliche Straßenführung zeigt. Das war seinerzeit nicht mehr als eine grundsätzliche Planungsidee zu einer möglichen alternativen Führung der Kreisstraße über den Platz, die wir in der Rathaus internen „Ideenwerkstatt“ selbstverständlich aufgegriffen und weiterentwickelt haben.

Was sagen Sie zum Vorwurf der Opposition, es sei künstlich Zeitdruck aufgebaut worden, um eine schnelle Entscheidung ohne echte Debatte herbeizuführen?

Vogelheim: Das ist ein Vorwurf, der einer Verwaltung immer gemacht wird: Ging das denn nicht schneller? Tut mir leid, aber das ist mir zu einfach. Natürlich hätten wir früher etwas vorstellen, dann aber die beiden Varianten mit ihren Untervarianten nicht entwickeln können, sondern irgendwas vorgelegt, was irgendjemand mal schnell gemacht hat. Arbeit kostet Zeit, gute Arbeit kostet mehr Zeit.

Fakt ist, dass nun Eile angezeigt ist, um die Fördermittel abzugreifen.

Vogelheim: Man kann den Vorwurf auch spiegeln. Ich kann mich nicht erinnern, dass die Opposition einen Antrag gestellt hätte, bitte den Rathausplatz zu erneuern.

Am Dienstag, 26. Juni, wird um 19 Uhr im Pädagogischen Zentrum eine Einwohnerversammlung stattfinden. Ich erlaube mir, eine Frage vorwegzunehmen, die mit Sicherheit gestellt werden wird: Geht es nicht billiger als für 4,5 Millionen Euro?

Vogelheim: Billiger geht immer. Wir können zum Beispiel ein Schild aufstellen, dass der Platz nicht mehr befahrbar ist, dann sind wir mit 100 Euro dabei. In der Verwaltung hatten wir uns aber darauf geeinigt, dass wie einen attraktiven Platz für alle Bürger wollen, einen Platz der Begegnung, und daran hat sich die Kostenermittlung orientiert.

Steingass: Es ginge umgekehrt auch viel teurer. Man kann allein für Brunnenanlage Millionen ausgeben, wenn man das Geld hat. Wir lassen den Platz aber nicht vergolden. Was gemacht wird, orientiert sich selbstverständlich an dem, was die Stadt sich leisten kann.

4,5 Millionen Euro klingt eben nach sehr viel Geld, vor allem nach vielen Jahren der Sparpolitik. Da wird der interessierte Bürger doch zwangsläufig skeptisch.

Vogelheim: Vielleicht muss man auch etwas anders rechnen. Die Fahrbahn muss in jedem Fall gemacht werden. Der Untergrund des restlichen Platzes wäre zumindest innerhalb von ein paar Jahren nicht mehr verkehrssicher gewesen. Auf Dauer hätten wir eine zumindest ähnlich hohe Summe ausgeben müssen, nur eben in vielen kleinen Schritten. Nun machen wir in relativ kurzer Zeit etwas Schönes, das 30 Jahre hält, und ersparen uns eine Dauerbaustelle. Und: Wir bekommen eine Million Euro Fördergelder, die wir sonst nicht hätten.

Wie darf ich mir den Auftrag vorstellen, den die Verwaltungsspitze Ihnen erteilt hat? Hat man Ihnen gesagt: Wir können 4,5 Millionen Euro ausgeben, macht was Schönes draus! Oder haben Sie erst grob geplant, dann gerechnet?

Vogelheim: Nichts von beidem. Ich hatte eine kaputte Straße und ein Problem mit der Verkehrssicherungspflicht. Also habe ich geguckt, wo ich Geld herkriege, und angefangen, mir bestimmte Posten im Haushalt zu sichern, und nach Fördergeldern gesucht. Die Idee ist also nach und nach aus der Bauunterhaltung heraus entstanden, nicht aus der Stadtplanung.

Soll heißen: Die Frage, ob man 4,5 Millionen ausgibt oder behält, stellt sich in der Form gar nicht?

Steingass: So ist es. Man sollte auch bedenken, dass mit einem solchen Platz Werte geschaffen werden, die nicht unbedingt pekuniär messbar sind: die Verbesserung der Aufenthaltsqualität und des Wohnumfelds etwa oder die Vorteile für den Einzelhandel. Es gibt keinen ermittelbaren Gegenwert, aber er ist da, gerade bei einem Platz wie diesem, bei dem so viel Luft nach oben ist.

Wie nehmen Sie bislang die Rückmeldungen auf das Projekt wahr?

Steingass: Quantitativ hält sich das noch in Grenzen. Das wird sich sicher ändern, wenn es an konkrete Fragestellungen geht, an denen wir auch gerne die Bürger beteiligen möchten. Man kann sich etwa vor dem Seniorenwohnen noch eine andere Gestaltung des Platzes überlegen. An Detailfragen wie diesen sind wir gerade dran, und zwar beschleunigt und intensiv.

Vogelheim: Wo genau was hinkommt, steht noch nicht endgültig fest. Die Politik hat erst einmal entschieden, wo überhaupt langgefahren wird, damit man dem Planer etwas an die Hand geben kann.

Manche sagen auch: Macht doch lieber endlich die Palenberger Fußgängerbrücke! Sind solche Reaktionen nicht ein bisschen frustrierend?

Vogelheim: Tagesgeschäft, sind wir gewohnt. Wir gehen ja nicht mit der Erwartungshaltung an ein solches Projekt, dass hinterher 25 000 Einwohner vor dem Rathaus stehen und uns applaudieren. Es gilt: Ich muss jede Anregung zumindest aufnehmen. Ideen sind willkommen. Es gibt natürlich auch Anregungen wie: Steckt das Geld lieber ganz woanders rein! Damit kann ich planerisch zugegebenermaßen nicht so viel anfangen.

Zwei Bürger, drei Meinungen...

Steingass: Wir planen für den Bürger, nicht gegen ihn. Wenn bestimmte Wünsche in vertretbarer Weise zu realisieren sind und sich nicht gegenseitig widersprechen, machen wir das natürlich.