Gangelt: Helga Heinen will in der Opposition das Licht anknipsen

Gangelt: Helga Heinen will in der Opposition das Licht anknipsen

Anfangs, sagt Helga Heinen, habe sie selbst gar nicht mitmachen wollen. Mittlerweile hat sich das geändert, wie ihre Aktivität bei den Freien Wählern zweifelsfrei belegt.

Zunächst mal gilt es aber, das „anfangs“ zu erklären. Anfangs war, als mehrere Gangelter Christdemokraten sich vor der vergangenen Kommunalwahl von ihrer Partei lossagten und zusammentaten. Einer von ihnen war Helga Heinens Ehemann Hans-Günter Heinen. Bei der zurückliegenden Kommunalwahl verpasste der dann für die Unabhängigen Bürger denkbar knapp den Einzug in den Gemeinderat. Später kam es zum Bruch.

Bei der anstehenden Kommunalwahl nun treten neben den Unabhängigen Bürgern auch die Freien Wähler an. An deren Spitze steht in Gangelt mittlerweile Helga Heinen, die auf Platz eins der Reserveliste zu finden ist. Nicht mitmachen? Für die pensionierte Lehrerin kommt das längst nicht mehr in Frage. Spätestens als die Gemeinde die Nachtbeleuchtung abschalten wollte und damit viele Bürger verärgerte, fing sie an, selbst zu gestalten. Denn die Entscheidung, fand sie, geht an den Interessen der Bürger vorbei. Die Resonanz gab ihr bei dieser Einschätzung Recht. Dass schließlich umgeschwenkt wurde, schreibt sie auch und vor allem den Freien Wählern auf die Verdienstliste. Vor der anstehenden Kommunalwahl tritt Helga Heinen nun für die Freien Wähler im Wahlbezirk Gangelt II an, ihr Gatte Hans-Günter in Gangelt III.

Plakate säumen die Straßen

Am Bürger vorbei — für Heinens Geschmack geht die Arbeit von Politik und Verwaltung in Gangelt diesen Weg viel zu häufig. Bebauungspläne würden für die Interessen einiger weniger geändert, es werde nicht hingehört, was eigentlich der Bürger will. Das hat sie auch und vor allem das Thema Beleuchtung gelehrt — Bilder von Straßenlaternen finden sich daher auch auf den Wahlplakaten der Freien Wähler, die bereits die Straßen von Gangelt säumen. Auf anderen Plakaten sind Absperrungen zu sehen. Sie stehen für das Thema Hastenrather Straße, mit dem die Freien Wähler in der ablaufenden Legislaturperiode auf sich aufmerksam machten.

Heinen hat sich vorgenommen: „Wir wollen das Ohr am Mund des Bürgers haben und nach dessen Meinung fragen, bevor Entscheidungen getroffen werden“, formuliert sie ihre Vorstellung von mehr direkter Demokratie. Und: „Der absoluten Mehrheit der CDU soll ein Ende gesetzt werden.“ Das klingt ganz ähnlich wie bei den Unabhängigen Bürgern, und auch Heinen leugnet gewisse Parallelen in Sachen Ausrichtung und Zielgruppe nicht. Bei beiden lautet eine Kernaussagen: Eine streitbarere Opposition muss her.

Dazu will Heinen beitragen, indem sie für ihre Freien Wähler, so das Wunschziel, zwei Plätze im Gemeinderat erkämpft. Weil einer davon an sie ginge, wäre auch gleich für eine höhere Frauenquote im Rat gesorgt — auch das ist ihr ein Anliegen. Bislang vertritt mit Ingrid Heim (FDP) bekanntlich nur eine einzige Frau die interessen der Gangelter Bevölkerung. Auch die Pflege von Natur und Umwelt sowie der Schutz des Grundwassers vor der Ausschüttung womöglich unverhältnismäßig großer Mengen Gülle treiben Heinen um. Was daraus wird, entscheidet am 25. Mai der geneigte Wähler. Fest steht, dass Helga Heinen ihre Entscheidung zu einer aktiven Rolle bislang nicht bereut. Ganz im Gegenteil: „Heute finde ich es schade, dass ich nicht ein paar Jahre früher damit angefangen habe.“

Unabhängig vom Ausgang der Wahl freut Heinen sich über eine Sache besonders: Die Freien Wähler haben zwei sehr junge Männer, 17 und 19 Jahre alt, zur Mitarbeit bewegen können. „Darauf bin ich wirklich stolz.“

(jpm)
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