Konzert: Hebräische Gesänge im Schloss Zweibrüggen

Konzert : Hebräische Gesänge im Schloss Zweibrüggen

Komplizierte Melodien und extravaganter Gesang mit Esther Lorenz und Peter Kuhz: Veranstaltung war „Freunde der Kammermusik“.

Bei schönstem Frühlingswetter erfüllten hebräische Gesänge des Konzerts „Numi, numi“ das Schloss Zweibrüggen und nahmen die Musikfreunde mit auf eine spannende Reise vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Die beiden „Reiseführer“, Sängerin Esther Lorenz und Gitarrist Peter Kuhz, waren einer Einladung der „Freunde der Kammermusik“ gefolgt und hatten sich aus der Metropole Berlin auf den Weg ins beschauliche Übach-Palenberg gemacht.

Gerhard Walt-Paggen, erster Vorsitzender, hieß zusammen mit Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch alle willkommen und verkündete, dass sein Verein ab Mai auch Kinderkonzerte anbiete.

Künstler mit jüdischen Wurzeln

Beide Berliner Künstler haben jüdische Wurzeln und konzertieren seit vielen Jahren höchst erfolgreich gemeinsam. Esther Lorenz verriet: „Ich singe schon von klein auf!“ Nach einer klassischen Gesangsausbildung an der „Hochschule der Künste Berlin“ arbeitete sie unter anderem mit Big Bands und Jazz-Formationen. Derzeit ist sie mit einem Gershwin-Programm auf Tournee.

Peter Kuhz erlag der Faszination des Gitarrenspiels mit 11 Jahren und widmete sich nach einer klassischen Ausbildung auch anderen Stilrichtungen. Heute ist er zudem als Komponist, Arrangeur und Musikpädagoge tätig.

„Schalom!“ rief die Sängerin fröhlich in den Saal und erklärte, dass man sich so in Israel zu jeder Tageszeit begrüße. Sie erläuterte, die hebräische Sprache sei ein schönes Beispiel, wie sich eine vormals sakrale Sprache zu einer Landessprache entwickelt habe.

„Ofarim“ hieß der erste Titel, mit dessen gefühlvollem Vortrag das Duo gleich zu Beginn sein Publikum eroberte und reichlich Beifall erntete, wie auch nach allen folgenden Liedern.

Yosef Hadars „B‘har hagil boa“, von Heimatliebe handelnd, interpretierte Esther Lorenz  mit ihrer ungemein sanften, weichen Stimme, die mühelos den Raum füllte, so emotional, dass es schien, als streichle sie jeden Ton. Zusammen mit dem einfühlsamen Gitarrenspiel von Peter Kuhz war dies eine kongeniale Allianz.

Beim beschwingten „Sus ets“, einem der ersten Lieder von Esther und Abi Ofarim, unterstützte der Gitarrist, ähnlich dem berühmten Duo, seine Kollegin mit Gesang. „Ani Hasar“, ein vertontes Gedicht des jüdischen Philosophen Solomon Ibn Gabirol aus dem elften Jahrhundert, begann mit Peter Kuhz‘ fingerfertigem Gitarrenspiel, in dessen teils flamenco-artige Melodie Esther Lorenz hell und jubilierend einstimmte.

Die Volkslieder kommen gut an

Da Joachim Stutschewskys flotter „Chassidischer Tanz“ und Akiva Nofs „Sisu et Yerushalayim“ Gitarren-Soli waren, konnte der Berliner Künstler hier seine große Spielfreude und Virtuosität besonders gut präsentieren.

Bei „Nani, nani“, einem Wiegenlied, das vom Leid einer verlassenen Mutter handelt, hätte man eine Stecknadel fallen hören, so still war es im Saal. Die Sängerin faszinierte derart mit ihrer Stimme, die fast wie ein Instrument klang, jeder Ton genau ausformuliert, teils nur hingehaucht, dass sie eine enorme Wirkung erzielte.

Auch bei Georges Moustakis „Hinach Yaffa“ schien es, als schwebten die samtigen Töne leicht und sanft durch den Raum – zudem bezauberte die Künstlerin stets mit einem Lächeln.

Füßewippen war angesagt bei dem fröhlichen Tanzlied „Shir sameach“, und in dem Schlaflied „Numi, numi“ verspricht eine Mutter ihrem Söhnchen, dass sein Vater ihm süße Trauben von seiner Reise mitbringt. „Damals haben sich die Kinder scheinbar noch über ‚gesunde‘ Dinge gefreut!“, witzelte die Künstlerin.

 Nach stürmischem Schlussapplaus sprachen die zwei Konzertbesucher Dr. Henning Herzberg de Pers und seine Frau Jane aus Hückelhoven wohl für die meisten, als sie meinten: „Mal was ganz anderes – komplizierte Melodien und extravaganter Gesang! Sehr entspannend!“